Ersatzwahl: Jungfreisinn unterstützt SP-Kandidaten

Der bürgerliche Zuspruch für Christoph Ammann steigt: Auch die Jungfreisinnigen Kanton Bern unterstützen den SP-Re­gierungsratskandidaten.

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Der Meiringer SP-Regierungsratskandidat Christoph Ammann holt nicht nur im Oberland bürgerliche Stimmen. Auch im Unterland können sich immer mehr Bürgerliche für ihn erwärmen.

So die Jungfreisinnigen Kanton Bern (JFBE), die neben dem SVP-Kandidaten Pierre Alain Schnegg auch Ammann zur Wahl empfehlen. Und dies, obwohl die FDP am 28.?Februar klar das SVP-Zweierticket Lars Guggisberg und Pierre Alain Schnegg unterstützt. Dies tut auch die EDU. Sogar der Vorstand der BDP rang sich dazu durch, den Delegierten beide SVP-Kandidaten zu empfehlen.

JFBE-Präsident Thomas Berger weist darauf hin, dass bei einer Wahl Schneggs die bürgerliche Wende geschafft sei. Dass die Jungfreisinnigen beim zweiten Kandidaten auf Ammann setzen, begründet er mit der Wahrung der Konkordanz. «Mit drei Regierungssitzen wäre die SVP übervertreten.» Zudem sei die regionale Vertretung in der Regierung wichtig. Mit Ammann sei das Oberland eingebunden. Entscheidend seien zudem die Lebens- und Führungserfahrung der Kandidaten gewesen, so Berger. Ein Seitenhieb auf Guggisberg, dem Kritiker wegen seines jungen Alters beides absprechen.

Retourkutsche für die SVP?

Hinter den Kulissen kursieren andere Gründe für die Absage an die SVP. Es werde befürchtet, dass bei einer Wahl Guggisbergs und Schneggs die FDP bei den kantonalen Gesamterneuerungswahlen 2018 leer ausgehe. An­dere Stimmen vermuten eine Retourkutsche: Für die Gemeinderatswahlen in der Stadt Bern denkt die SVP über den Alleingang nach. Dann droht FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt die Abwahl.

JFBE-Präsident Berger verneint beides: «Wir trennen klar zwischen kantonalen und städtischen Themen.» Und: 2018 werde die FDP mit einer Kandidatur antreten und den Sprung in die Kantonsregierung schaffen, egal, wie viele Vertreter der SVP dann als Bisherige antreten würden.

«Pfad der Tugend verlassen»

FDP-Kantonalpräsident Pierre-Yves Grivel nimmt die Wahlempfehlung der Jungpartei mit Bedauern zur Kenntnis. «Die Jungfreisinnigen sind selbstständig, das konnten wir leider nicht verhindern.» Der Entscheid sei falsch, sagt auch Philippe Müller, Präsident der Stadtberner FDP. Deutlicher wird SVP-Präsident Werner Salzmann: «Die Jungfreisinnigen haben mit diesem Entscheid den Weg der Tugend verlassen – das ist nicht nachvollziehbar.»

Berner Zeitung

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