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Ein Verband unterwegs nach links

Der Verband des bernischen Staatspersonals wird 100 Jahre alt. Er vereint so unterschiedliche Berufe wie Strassenmeister, Pfarrer und Richter. In den letzten Jahren hat sich der ehemals freisinnig geführte Verband kämpferischer und linker positioniert.

2002: Grosse «Veto»-Kundgebung des Bernischen Staatspersonalverbands auf dem Bundesplatz.
2002: Grosse «Veto»-Kundgebung des Bernischen Staatspersonalverbands auf dem Bundesplatz.
Walter Pfäffli

Der Bernische Staatspersonalverband (BSPV) jubiliert: Er wurde am 30.Juni 1912 im Rathaus in Bern gegründet und kann heuer am selben Ort sein 100-jähriges Bestehen feiern. An der Gründungsversammlung waren seinerzeit 60 Mitglieder dabei, 230 weitere Beamte und Angestellte hatten den Beitritt in Aussicht gestellt.

Heute zählt der BSPV an die 7000 Mitglieder, darunter etwa 1800 Rentner. Die Mitglieder verteilen sich auf eine Unmenge von Berufsgruppen. Die Liste reicht von Automobilexperten und Betreibungsbeamten über Hochschuldozierende, Forstwarte und Polizisten bis hin zu Sozialversicherungsexperten und Wildhütern.

Barocke Organisation

Anders gesagt: Der Mitgliederbestand des BSPV zeigt, dass Bern – wie alle Kantone – zu den Arbeitgebern mit dem am stärksten durchmischten Personal gehört. Das stellt den Verband mithin auch vor Probleme, da beispielsweise die Interessen der Ingenieure der Baudirektion nicht immer mit jenen der Angestellten der Strafanstalten übereinstimmen.

Die bunte Basis führt zudem zu einer barocken Struktur: Der BSPV umfasst nach wie vor mehr als 40 «Sektionen», deren Präsidenten wiederum allesamt im Zentralvorstand Einsitz nehmen dürfen. Die grösste Sektion ist jene der Kantonspolizisten, eine der kleinsten bilden die vereinigten Regierungsstatthalter.

«Veto» mit Polo Hofer

Neben seiner beruflichen Breite fällt der BSPV dadurch auf, dass er nicht immer einfach zu fassen ist. Wie viele andere kantonale Personalverbände ist er traditionell eher zurückhaltender als die Gewerkschaften. Allerdings ist diese Differenz im Fall des BSPV in den letzten Jahren spürbar kleiner geworden. Als Zeichen des Wandels können im Rückblick die drei Grosskundgebungen gelten, die der Verband um die Jahrtausendwende durchgeführt hat. Die letzte war die «Veto»-Demo 2002, an der Polo Hofer für bessere Anstellungsbedingungen und ein Ende der Sparübungen sang.

Unmissverständlich sind auch die Zeichen, die der Verband an seiner Spitze gesetzt hat: 90 Jahre lang war es Tradition gewesen, dass der Verband von einer SP-FDP-Doppelleitung geführt wurde. Die Sekretäre – heute Geschäftsführer genannt – gehörten der SP an, die Präsidenten der FDP. 2004 trat der letzte freisinnige Präsident ab: Peter Kunz, Oberrichter wie seine Vorgänger auch. Es war bekannt, dass Kunz und sein Sekretär, der forsche SP-Grossrat Roland Seiler, das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne hatten. Seiler prägte die kämpferische Gangart des Verbands stark.

Rot-rote Spitze seit 2004

Damit war klar, was es geschlagen hatte, als sich Roland Seiler 2004 intern gegen freisinnige Konkurrenz durchsetzte und zum neuen Präsidenten des BSPV gewählt wurde. Seither hat der Verband eine rein rote Spitze. Geschäftsführer ist seit 2004 SP-Grossrat Matthias Burkhalter. 2008 trat Seiler als Präsident zurück und wurde durch Peter Bernasconi, einen weiteren SP-Grossrat, ersetzt. Er ist erst der achte Präsident in 100 Jahren BSPV.

Von Pardini bis Geissbühler

Roland Seilers Amtszeit war auch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Um sein Präsidium zu ermöglichen, stellte der Verband den Präsidenten in einem 30-Prozent-Pensum an und entlöhnte dieses mit rund 50000 Franken im Jahr. Nachfolger Peter Bernasconi ist wieder als «normaler» Präsident engagiert und erhält laut Verbandsangaben jährlich 15'000 Franken inklusive Spesen. Die Geschäftsstelle umfasst rund 3,5 Stellen.

Der BSPV ist trotz allem weit davon entfernt, ein linker Verband zu sein. Das zeigt zum einen die Zusammensetzung der Geschäftsleitung, in der auch Mitglieder von SVP und FDP vertreten sind. Zum anderen wird es jedem klar, der die jüngste Ausgabe der Verbandszeitschrift liest: Darin gratuliert der BSPV seinen drei Mitgliedern, welche die Wahl in den Nationalrat geschafft haben. Bei ihnen handelt es sich – von links nach rechts – um Gewerkschafter Corrado Pardini (SP), Marianne Streiff (EVP) sowie die Polizistin Andrea Geissbühler (SVP). Politisch breiter kann eine Verbandsbasis nicht sein.

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