Ein Nationalratssitz weniger bringt Berner Parteien ins Schwitzen

Bei den eidgenössischen Wahlen steht dem Kanton Bern ein Nationalratssitz weniger zur Verfügung als bisher. Gross ist das Gerangel um die verbleibenden 25 Mandate. Verluste in der Mitte und bei Rot-Grün sind am wahrscheinlichsten.

Bleibt die Generation BDP im Nationalratssaal? Als Mitte-Partei muss die bernische BDP um ihre beiden Sitze bangen.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Bleibt die Generation BDP im Nationalratssaal? Als Mitte-Partei muss die bernische BDP um ihre beiden Sitze bangen.

(Bild: Keystone)

Bei den Wahlen vor vier Jahren errangen SP, SVP, GLP und Grüne je einen Sitz per Restmandat. Während die SVP kaum zittern muss, ist ein Sitzverlust bei Rot-Grün wahrscheinlich.

Verschiedene Umfragen sagen der SP mit ihren sechs Nationalratsmandaten leichte Verluste voraus. Der Trend der letzten Jahre zeigt ebenfalls in diese Richtung. Ob daraus auch gleich ein Sitzverlust resultiert, ist offen.

Um einen Sitz bangen müssen auch die Grünen. Vor vier Jahren bewegte die Atomkatastrophe von Fukushima die Wählerinnen und Wähler. Unterdessen ist dieser Effekt verpufft. Dies auch, weil seit längerem bekannt ist, dass der Energiekonzern BKW 2019 das Kernkraftwerk Mühleberg abschalten will.

Einen Vorteil hat das rot-grüne Lager im Kanton Bern. Seit Jahren treten SP und Grüne vereint an und stehen als homogener Block einem zersplitterten bürgerlichen Lager entgegen.

Wie viele Federn lässt die Mitte?

Spricht man von Sitzverlusten, richten sich die Blicke auch auf die «neue Mitte», die vor vier Jahren für Furore sorgte.

Da ist zunächst die BDP, die als neue Kraft auf Anhieb vier Sitze im Nationalrat ergatterte. Doch der Anfangserfolg hielt nicht lange. Bei den kantonalen Wahlen 2014 erlebte die BDP ihr «Waterloo» und verlor fast die Hälfte ihrer Grossratssitze.

Die Partei hatte ihre Wählerschaft gründlich vergrault, weil sie es sich mit Erzrivalin SVP im Lotterbett gemütlich machte. Ausserdem rächte es sich, dass die BDP keine Listenverbindungen eingegangen war.

Beides will die BDP am 18. Oktober nun besser machen. Die Partei versucht, sich stärker zur Mitte hin zu orientieren und ist mit GLP, EVP und CVP Listenverbindungen eingegangen.

Ob dies ausreicht, wird sich zeigen. Fast alle Prognosen sagen der BDP Verluste voraus, und es ist durchaus möglich, dass die Partei einen ihrer vier Sitz abgeben muss.

Zu den Gewinnerinnen der Nationalratswahlen 2011 gehörten auch die Grünliberalen. Abgesehen von der historischen Abstimmungsniederlage auf Bundesebene bei der Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» hielt sich die GLP im Kanton Bern ordentlich. Ob sie ihre beiden Sitze ins Trockene bringt, ist dennoch offen.

Kaum um ihren Sitz bangen muss die EVP. Die Partei verfügt im Kanton Bern seit Jahrzehnten über eine solide Wählerbasis.

Freisinn hat Talsohle durchschritten

Die Freisinnigen, die vor vier Jahren die Zeche für den Erfolg der aufstrebenden Mitteparteien BDP und GLP zahlten, wittern unterdessen Morgenluft. Bei den kantonalen Wahlen konnte die FDP ihren Besitzstand wahren. Dies ist dem Freisinn auch am 18. Oktober zuzutrauen.

Weiter auf Erfolgskurs segelt die SVP. Sie bewirtschaftete im Wahlkampf Themen, die aufgrund der aktuellen Flüchtlingskrise in Europa die Menschen überall beschäftigen.

Die Abspaltung der BDP vor rund sieben Jahren hat die Volkspartei unterdessen verdaut. Ihre acht Sitze wird die SVP trotz der Abgänge von Rudolf Joder und Jean-Pierre Graber halten können.

Für die EDU könnte sich unter Umständen die Listenverbindung mit den Schweizer Demokraten auszahlen.

Berner Jura wieder unter der Bundeshauskuppel?

Selbstverständlich hofft der französischsprachige Kantonsteil, wieder eine Vertreterin oder einen Vertreter unter der Bundeshauskuppel zu haben. Vor vier Jahren verpasste Jean-Pierre Graber die Wiederwahl knapp und der Berner Jura stand erstmals seit der Gründung des Bundesstaates ohne Vertreter in Bundesbern da.

Später in der Leigslatur rutschte Graber zwar nach, aber nur für kurze Zeit, da er zu den Wahlen am 18. Oktober nicht mehr antritt.

Junge Stimmen

Als nicht ganz unwichtige Stimmenlieferanten könnten sich die jungen Wählerinnen und Wähler erweisen. Alle grösseren Parteien im Kanton Bern wollen das junge Wählerpotenzial ausschöpfen und schicken Jungparteien-Listen ins Rennen.

Von den jungen Kandidierenden dürften die wenigsten valable Chancen auf einen Sitz in Bundesbern haben. Doch für viele Nachwuchspolitiker ist es wichtig, sich im Wahlkampf das nötige Rüstzeug für später zu holen.

Mit witzig-frechen Wahlkampfaktionen generieren Jungpolitiker Medienaufmerksamkeit. Und auf Social Media-Kanälen ist die Hemmschwelle zum mitpolitisieren für das junge Publikum tief. Ob das alles die Jungen aber zu einem Gang an die Wahlurnen zu bewegen vermag, ist schwierig einzuschätzen.

lub/sda

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