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Dödö mitten im Kindermob

Die Wanderbühne Dr. Eisenbarth tourt mit dem Kinderstück «Dödö und der Zauberwald» durch den Kanton Bern. Es macht Spass – doch hinter dem Stück steckt mehr als Blödelei.

Die Wald­schrate küssen sich und bieten auch Akrobatik.
Die Wald­schrate küssen sich und bieten auch Akrobatik.
Beat Mathys

Behutsam öffnet Gnom Lolo (Lorenz Eisenbarth) seine zur Faust geballte Hand. Daraus quillt ein grünes Seidentüchlein hervor und wächst scheinbar wie von Geisterhand. Gross werden dabei auch die Augen der drei- bis sechsjährigen Kinder, die sich um den Schauspieler versammelt haben.

In der Turnhalle des Ober­stufenzentrum Bolligen findet die Premiere von «Dödö und der Zauberwald» statt – ein Stück der Wanderbühne Dr. Eisenbarth. Als Kulisse dient ein grosser Baumstrunk auf der grünen Wiese. Es ist das Zuhause der Waldschrate Lolo und Mimi (Simone Lüscher).

Mit nachtschattigen Waldgeistern haben die beiden aber nichts gemeinsam, ihr Tagesprogramm besteht aus Herumtollen, Ringelreihentanzen und Versteckspielen. In knall­grünen Kostümen mit Schnabelschuhen und Narrenmütze sind sie dafür auch goldrichtig ge­kleidet.

In der Einstiegsszene kitzelt Mimi den hartnäckig schnarchenden Lolo wach. Dann gibt es Begrüssungsakrobatik. Da wird auf dem Boden herumgerollt, einander hochgestemmt und – ja, sich abgeküsst.

Einbezug der Kinder

Dieses hemmungslose Schauspiel (Regie: Judith Bach) von Lüscher und Eisenbarth befremdet im ersten Moment. Die Scheuen unter den Kindern tapsen zurück unter Mamas Rockzipfel, als sich die quirlige Mimi mitten in die Kinderschar setzt. Doch bald merkt man, dass das Duo mehr bietet als bemühtes Geblödel.

Die beiden Waldwesen sprechen in einer einfachen, erst unverständlichen Lautsprache. Durch Mimik und Schauspiel erklärt sie sich aber von selbst. Das Stück lebt vom Einbezug des jungen Publikums. Wo anfangs noch verhaltenes Gekicher über die komischen Worte durch die Turnhalle dringt, tönt es bald begeistert «Ja!» zum Versteckis-Aufruf.

Nicht nur Spass

Auf einmal ploppen Seifenblasen aus einem Astloch im Baumstrunk hervor. Glasige Klänge eines Klang-Mobiles tauchen die Turnhalle in Zauberwaldfeeling, doch das interaktive Theater hat die Kinder übermütig gemacht – sie hüpfen den Blasen nach und bemerken nicht, dass wieder Zuschauen angesagt ist. Der magisch anmutende Moment droht zu verpuffen.

Kindertheater ist eben gar nicht so einfach, doch Schauspieler Lorenz Eisenbarth bringt den Kindermob wieder auf die Plätze: «Absitze», flüstert er fast unmerklich, aber bestimmt. Denn beinahe geht vergessen, dass der Titelheld der Geschichte noch fehlt: Mit Seifenblasen kündigt sich nämlich das Tierchen Dödö an und hält mit seinem Versteckspiel erst einmal alle zum Narren.

«Dödö und der Zauberwald» ist nicht bloss ein spassiges Kindertheater, sondern gibt Wertvolles mit auf den Weg. Die Kommunikation in Körpersprache lässt die Kinder Abneigung gegen Fremdes überwinden. Und jagt man mit zwanzig anderen Kindern Seifenblasen, ist die Play Station zu Hause zumindest für einen Moment lang uninteressant.

«Dödö und der Zauberwald». Nächste Aufführungen: 3. 2., 16 Uhr, Alte Turnhalle Laupen, und 4. 2., 16 Uhr, Alte Turnhalle Dotzigen.

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