«Die Waldvignette ist ein Schildbürgerstreich»

Die Idee einer Waldvignette für Biker und Reiter stösst auf breiten Widerstand. Regierungsrat Andreas Rickenbacher spricht sogar von einem Schildbürgerstreich.

Eine Vignette fürs Biken im Wald? Die Idee stösst auf Widerstand.

Eine Vignette fürs Biken im Wald? Die Idee stösst auf Widerstand.

(Bild: Keystone)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Seit diesem Jahr brauchen Velofahrer in der Schweiz keine Vignette mehr. Stefan Flückiger, Geschäftsführer des bernischen Waldbesitzerverbands, möchte eine solche Vignette zumindest im Kanton Bern nun wieder einführen. Biker und Reiter sollen künftig für die Waldnutzung eine Vignette oder einen Pass für 15 Franken kaufen müssen. Der Hintergedanke: Biker und Reiter sind jene zwei Gruppen, die den Wald am stärksten in Mitleidenschaft ziehen, also sollen sie auch zahlen.

Flückigers Idee sorgte auf Bernerzeitung.ch/Newsnetz für viele Kommentare, allerdings konnten sich nur die wenigsten Leser mit der Waldvignette anfreunden. Von einer «idiotischen Idee» und einem «modernen Raubrittertum» war die Rede. Ein erzürnter Leser schrieb gar: «Wenn ich für einen Waldbesuch bezahlen muss, dann gehe ich mit der Motorsäge in den Wald.»

Kritik aus den eigenen Reihen

Keine Freude an der Vignette hat auch die Velolobby. «Das ist nicht praktikabel», sagt Christoph Merkli, Geschäftsführer von Pro Velo Schweiz. Und die Velofahrer würden für eine solche Vignette ja nicht einmal eine Zusatzleistung erhalten.

Selbst in den eigenen Reihen läuft Flückiger mit seiner Vignette auf. «Das ist utopisch», lautet der Kommentar von Grossrat Fritz Ruchti (SVP). Ruchti ist Vizepräsident des Berner Waldbesitzer-Verbands und Präsident der Kommission, die das Waldgesetz im Grossen Rat vorberät. Die erste Sitzung der Kommission findet Mitte September statt. Ruchti sagt, er habe «die Fühler noch nicht ausgestreckt», aber eine Waldvignette werde politisch vermutlich keine Chance haben. Der Grosse Rat befindet dann im November über die Teilrevision des Waldgesetzes.

Zu reden gibt das Geschäft aber schon viel länger. Ursprünglich hatte der Regierungsrat ein faktisches Fahrverbot für Biker in die Gesetzesvorlage gepackt. Nach heftigen Protesten krebste die Exekutive wieder zurück. Nun soll eine Arbeitsgruppe zeigen, wie die Konflikte im Wald gelöst werden können. Die Gruppe besteht aus Velofahrern, Reitern und Waldbesitzern.

In diese Gruppe setzt auch Grossrat und Kommissionspräsident Ruchti grosse Hoffnungen. Er plädiert dafür, einen Fonds für Waldbesitzer einzurichten. Dieser Fonds soll von Bikern und Reitern geäufnet werden – und zwar freiwillig. In den Fonds einzahlen sollen laut Ruchti aber nicht Einzelpersonen, sondern zum Beispiel Reitvereine und Veloverbände. Den Vorschlag will Ruchti in die Arbeitsgruppe einbringen.

Einen anderen Weg wählten Freiburg und Solothurn. In beiden Kantonen wird die Abgabe für die Waldnutzung direkt den Steuern abgezogen. In Solothurn heisst der Obolus «Wald-Fünfliber», und in Freiburg kommt generell eine Million Franken an Steuergeldern den Waldbesitzern zugute. Solche Modelle wären auch im Kanton Bern denkbar, sagt der zuständige Regierungsrat Andreas Rickenbacher, derzeit seien sie «politisch aber nicht mehrheitsfähig».

Subventionen für Waldwege

Von einer Waldvignette hält Regierungspräsident Rickenbacher übrigens wenig. Biker und Reiter würden meist die Waldwege nutzen, sagt er. Doch für ebendiese Wege erhielten die Waldbesitzer teilweise eben auch Subventionen. Und dass nun nach dem Ende der Velovignette eine Waldvignette geschaffen werden soll, findet Rickenbacher «heikel». Mehr noch: «Das ist ein Schildbürgerstreich.»

Berner Zeitung

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