Die Wahlen von A wie Auswahl bis Z wie Zweisprachigkeit

Am 3. April entscheidet sich, ob die bürgerliche Wende zustande kommt. Für das Amt kandidieren Pierre Alain Schnegg (SVP) und Roberto Bernasconi (SP). Ein Überblick von A bis Z zu den Regierungsratsersatzwahlen.

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Sandra Rutschi

A wie Auswahl: Die Stimmberechtigten haben am 3. April die Auswahl zwischen den beiden bernjurassischen Grossräten Roberto Ber­nasconi (SP, Malleray) und Pierre Alain Schnegg (SVP, Champoz).

B wie bürgerliche Wende:Diese Ersatzwahl ist richtungsweisend, weil sie mit der Wahl von Pierre Alain Schnegg die bürgerliche Wende in der Exekutive mit sich bringen könnte. Seit 2006 wird diese durch eine êêêrot-grüne Mehrheit (siehe dort) bestimmt, während das Parlament bürgerlich geprägt ist. Das blockiere viele Geschäfte, sagen Kritiker. Andere finden, so seien die Kräfte im Gleich­gewicht. Wieder andere bezweifeln, dass die Wende etwas ändern würde.

C wie Christoph Ammann:Der Meiringer Sozial­demokrat wurde im êêêersten Wahlgang am 28. Februar als Ersatz für den abtretenden An­dreas Rickenbacher (SP) in den Regierungsrat gewählt.

D wie Durchsetzungsinitiative: Am 28. Februar ­mobilisierte die Abstimmung über die Initiative der SVP ausserordentlich viele Stimmberechtigte. Da die Initiative abgelehnt wurde, ist davon auszugehen, dass vor allem Initiativgegner an die Urne gingen, die sonst nicht abstimmen. Das war ein Vorteil fürêêêChristoph Ammann. Am 3. April wird die Stimmbeteiligung tiefer sein, da keine umstrittene Initiative vorliegt.

E wie einfaches Mehr: Im ersten Wahlgang musste ein Kandidat das absolute Mehr erreichen, im zweiten zählt das einfache Mehr. Wer mehr Stimmen erhält, gewinnt. F wie Formel:Der Jura-Vertreter wird nach einer ­Formel ermittelt, die den Stimmen aus dem Berner Jura mehr Gewicht gibt: Diese werden mit den Stimmen aus dem Gesamtkanton multipliziert. Aus dem Ergebnis wird dann die Wurzel gezogen. Das soll garantieren, dass jener Kandidat gewählt wird, der die Bernjurassier am besten repräsentiert.

G wie Geld:Die SVP setzte im ersten Wahlgang 280 000 Franken für den Wahlkampf ein, im zweiten sind es 80'000 Franken. Pierre Alain Schnegg steuerte im ersten Wahlgang 25 000 Franken bei. In ­welchem Umfang er sich an den Kosten des zweiten Wahlgangs beteiligt, ist offen. Die Wirtschaftsverbände, welche Schnegg als Organisationen unterstützen, steuerten im ersten Wahlgang rund 200'000 Franken bei, im zweiten sind es rund 60'000 Franken. Der SP standen im ersten Wahlgang 150 000 Franken zur Verfügung, im zweiten sind 50'000 Franken budgetiert. Roberto Bernasconi hat einen Beitrag von 5000 Franken bezahlt.

H wie Hôpital du Jura bernois SA: Eine der Institutionen, in denen Pierre Alain Schnegg als Verwaltungsratspräsident aktiv ist. Weiter ist er Verwaltungsratspräsident des Kehrichtunternehmens Celtor SA und der GovFaces SA, eines Start-ups im Bereich der neuen Medien. Schnegg ist Präsident des Bernjurassischen Rates und Gemeinderat von Champoz. Roberto Bernasconi ist Mitglied des Aufsichtsrats der kantonalen Ausgleichskasse und der IV-Stelle Bern sowie Vizepräsident der kantonalen SP. Er war Gemeinderat und Gemeindepräsident von Malleray.

I wie Informatik: Beide Kan­didaten haben beruflich mit Informatik zu tun. Roberto Bernasconi ist Schulleiter der Grundschule Valbirse und zuständig für die Informations- und Kommunikationstechnologie. Pierre Alain Schnegg gründete die Softwarefirma Solvaxis SA.

J wie Jura-Sitz: Dem Berner Jura steht in der Regierung ein garantierter Sitz zur Verfügung. So soll sichergestellt werden, dass die Interessen der französischsprachigen Minderheit im Kanton gewahrt werden.

K wie Kommissionen: Im Grossen Rat ist Roberto Bernasconi Mitglied in der Finanzkommission. Pierre Alain Schnegg sitzt in der Gesundheits- und Sozialkommission.

L wie Lars Guggisberg:Der Kandidat der SVP unterlag am 28. Februar dem SP-Kandidaten êêêChristoph Ammann. Guggisberg kann für den zweiten Wahlgang nicht mehr ­antreten, weil nur Kandidaten aus dem Berner Jura für den êêêJura-Sitz zugelassen sind.

M wie Mitteparteien: EVP, GLP und CVP stellten im ersten Wahlgang mit Patrick Gsteiger (EVP) einen eigenen Kandidaten. Gsteiger zog sich zurück, weil er chancenlos war. EVP und GLP haben Stimmfreigabe beschlossen, die CVP unterstützt Pierre Alain Schnegg.

N wie Neuwahlen:2018 stehen Neuwahlen des Gesamtregierungsrates an. Auch die beiden neu gewählten Regierungsräte werden sich dann einer Wahl stellen müssen.

O wie Organisationen:Pierre Alain Schnegg wird unterstützt von den Berner KMU, dem Handels- und Industrieverein des Kantons Bern, den Berner Arbeitgebern, dem Berner Bauernverband, dem Hauseigentümerverband Kanton Bern, Gastro Bern und dem Schweizerischen Baumeister­verband (SBV) Kanton Bern. Roberto Bernasconi wird empfohlen von der Gewerkschaft VPOD, dem Gewerkschaftsbund, dem Lehrerverband des Berner Juras, Pro Natura Bern, VCS Bern,WWF Bern und Pro Ticino.

P wie Philippe Perrenoud: Er hält seit 2006 den Jura-Sitz in der Regierung und tritt im Juni zurück. Der Sozialdemokrat steht der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) vor, einer der grössten und schwierigsten Direktionen. Ob sein Nachfolger die GEF übernimmt, marcht die Regierung nach der Wahl bei der Verteilung der Direktionen aus.

Q wie Querkopf: Im Herbst löste der parteilose Bruno Moser einen zweiten Wahlgang für die Ständeratswahlen aus. Auch für den Regierungsrat kandidierte der politische Querkopf. Als Bieler darf er aber nun nicht für den garantierten Jura-Sitz antreten.

R wie rot-grüne Mehrheit:Seit 2006 ist die Berner Regierung rot-grün dominiert. Die Bürgerlichen hoffen nun auf die êêêbürgerliche Wende.

S wie Sitzverteilung: Zurzeit besteht der Regierungsrat aus drei Sozialdemokraten (Barbara Egger, Andreas Rickenbacher, Philippe Perrenoud), einem Grünen (Bernhard Pulver), einer BDP-Frau (Beatrice Simon), einem FDP- (Hans-Jürg Käser) und einem SVP-Mann (Christoph Neuhaus).

T wie Topthemen:Roberto Bernasconi engagiert sich für einen starken Service public, ein gutes Bildungssystem und genügend Spitäler. Ihm ist ein finanzstarker Kanton wichtig, zu ausgeprägte Sparmass­nahmen erachtet er langfristig als Kostentreiber. Pierre Alain Schnegg setzt sich für mehr Effizienz im Gesundheitswesen ein. In der Wirtschaft will er komplexe Regulierungen bekämpfen. Zudem will er in der Kantonsverwaltung 800 Stellen einsparen.

U wie Unterstützung der Parteien:Pierre Alain Schnegg erhält ausser von der SVP Unterstützung von der FDP, der BDP, der EDU und der CVP. Roberto Bernasconi wird von der SP und den Grünen sowie dem PSA unterstützt. EVP und GLP haben Stimmfreigabe beschlossen (êêêMitteparteien).

V wie Volkswirtschafts­direktor: Andreas Rickenbacher (SP) tritt ebenfalls Ende Juni zurück. Sein Nachfolger ist êêêChristoph Ammann. Ob dieser auch die Volkswirtschaftsdirektion übernimmt, entscheidet die Regierung nach dem zweiten Wahlgang.

W wie Wahlgang, erster: Im ersten Wahlgang am 28. Februar erzielte Pierre Alain Schnegg im Berner Jura und auch im Gesamtkanton mehr Stimmen als Roberto Bernasconi (154 217 zu 152 081). Schnegg gilt im zweiten Wahlgang als Favorit, auch weil davon auszugehen ist, dass die êêêDurchsetzungsinitiative eher seine Gegner mobilisierte.

X wie Xing, Twitter und Facebook: Dies sind drei Netzwerke, auf denen Pierre Alain Schnegg auftritt. Roberto Bernasconi ist auf Twitter und Facebook anzutreffen.

Y wie Yeti:Das ist die Marke von Roberto Bernasconis Gleitschirm, mit dem er seinem Hobby frönt. Zudem spielt er Fussball und wandert. Auch Pierre Alain Schnegg wandert gern, und mit Vorliebe nimmt er dabei seine Kamera mit, um Blütenkelche und Insekten aus nächster Nähe zu fotografieren. Er beobachtet zudem gerne seine Shubunkin-Goldfische.

Z wie Zweisprachigkeit: Im zweisprachigen Kanton Bern sind Fremdsprachenkenntnisse der Regierungsräte ein Muss. Roberto Bernasconi spricht fliessend Italienisch, mit Deutsch hapert es allerdings. Pierre Alain Schnegg spricht nahezu perfekt Hochdeutsch.

Berner Zeitung

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