Die schwarzen Krächzer selbst zu erschiessen, ist gefährlich

Auch Anwohner dürfen die nun nicht mehr geschützten Saatkrähen töten. Dies sei gefährlich und nutzlos, sagt Lorenz Hess, der Präsident des Berner Jägerverbands.

Lorenz Hess: «Krähen haben Späher, die vor Jägern warnen.»

Lorenz Hess: «Krähen haben Späher, die vor Jägern warnen.»

(Bild: Susanne Keller)

Peter Steiger

Saatkrähen nerven. Sie lärmen, verkoten Autos, reissen Ghüdersäcke auf und verteilen den unappetitlichen Inhalt auf der ganzen Strasse. Jetzt bekommen die unbeliebten Krächzer neue Gegner. Bisher waren sie geschützt. Weil sie sich so fleissig vermehrt haben, entfällt nun der Bann. Seit kurzem kann diese Rabenart während der Jagdsaison von September bis Februar erlegt werden.

Wie diese Zeitung berichtete, bedeutet dies, dass nicht nur Jäger, sondern auch Anwohner gegen sie vorgehen können. Laut einem Mitarbeiter des Jagdinspektorats darf man keinesfalls rumballern, sondern muss gegen den Boden oder in eine Böschung zielen. Wer es auf einen Schwarm in den Bäumen abgesehen hat, soll Schrot verwenden. Und: Man darf nur auf selber bewohnten Grundstücken auf Krähen schiessen.

Herr und Frau Jedermann können ab September das Gewehr auf die Störenfriede anlegen. Lorenz Hess, BDP-Nationalrat und Präsident des Berner Jägerverbands, hat Bedenken. Besonders in bewohnten Gebieten drohen Gefahren, erklärt er und warnt unter anderem vor Querschlägern. «Nur Jäger sollen auf Krähen schiessen», fasst Hess zusammen.

Schlaue Vögel

Wenn Tiere Schäden anrichten, war die Selbsthilfe schon bisher erlaubt, allerdings nur unter Bedingungen und für gewisse Tierarten. Neu gehört die Saatkrähe dazu. Ob nun tatsächlich viele zu den Waffen eilen, ist ungewiss. Hess glaubt nicht, dass Krähengegner jetzt massenhaft zum Gewehr greifen. «Selbsthilfe ist selten und wird dies bleiben», vermutet er.

Trotz geänderten Paragrafen werden die schwarzen Krächzer weiter nerven. Die Weidmänner sind kaum an diesen Vögeln interessiert. Schöne Trophäen sind nicht zu holen, Krähen sind keine Gaumenfreuden, die Jagd ist unattraktiv. Und weil die Tiere schlau sind, ist es schwierig, sie zu erlegen. «Krähen sind extrem gut organisiert», weiss Lorenz Hess. «Nach einem Schuss versammeln sie sich vorerst anderswo.» Sie würden sogar Späher ausschicken, die den Schwarm vor Gefahren warnen, vor Jägern etwa.

Langfristig verärgern

Wenns knallt, scheucht das die Krähen auf. Der Artikel in dieser Zeitung über die jetzt legale Selbsthilfe hat auch das Jagdinspektorat beunruhigt. Sogar der Berner Regierungsrat hat sich mit dem Beitrag auseinandergesetzt. Nach der Bitte um eine Stellungnahme schickte das Jagdinspektorat ein von oben abgesegnetes sehr ausführliches Schreiben.

Zusammengefasst: Bevor verärgerte Anwohner zum Gewehr greifen, sollten sie dem Wildhüter telefonieren. Weil die Tiere klug sind und lernen, müsse man sie wirklich langfristig verärgern. Vergrämen, so der Fachausdruck, könne man die Krähen mit Raubvögeln, mit Falken. Immer wieder die Nester zu zerstören, sei hilfreich. Die Krähen liessen sich nur aus der Ruhe bringen, wenn sie sich wirklich bedroht fühlen würden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt