Die Schliessung ist teuer, aber richtig

BZ-Redaktorin Andrea Sommer zur Schliessung des Jugendheimes Prêles.

Sicher, die 35 Millionen Franken teure Erweiterung des Jugendheimes Prêles war eine Fehlplanung. Weil zur Jugendkriminalität aber weder auf nationaler noch auf kantonaler Ebene verlässliche Zahlen vorlagen, glich die Bedarfsplanung in diesem Bereich einem Blindflug. Und blind war man nicht nur im Kanton Bern unterwegs. Auch in anderen Kantonen sollten mehr Jugendgefängnisplätze entstehen. Grund dafür war das seit 2007 geltende neue Jugendstrafrecht, das neu Freiheitsstrafen vorsah.

Dass die Zahl der zu einer stationären Massnahme verurteilten Jugendlichen nur wenige Jahre später rückläufig sein würde, liess sich damals niemand träumen. Die Fehlplanung in Prêles nun Polizeidirektor Hans-Jürg Käser anzulasten, würde daher zu kurz greifen. Mit der Schliessung des Jugendheimes zieht er die richtigen Konsequenzen. Zwar ist diese mit 10 Millionen Franken teuer. Ein Weiterbetrieb würde jedoch auch einmalig mit 6 Millionen Franken zu Buche schlagen sowie jährlich wiederkehrende Kosten in Form von Defiziten in Millionenhöhe generieren.

Mit dem Schliessungsentscheid geht Käser das Problem nicht nur rasch an. Er macht mit der Schaffung von Plätzen für Asylbewerber und Ausschaffungshäftlinge auch das Beste aus der Situation. Wenn also die Schliessung des Jugendheims weder finanziell noch personell zum Trauerspiel verkommt, ist das sein Verdienst.

Mail: andrea.sommer@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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