Die Regierung muss die Finanzkontrolle ernster nehmen

Sandra Rutschi, Redaktorin im Kantonsressort, zur jahrelangen Verzögerung bei der Einführung des Rechnungslegungsmodells HRM2.

Die Einführung von HRM2 im Kanton Bern gleicht einem Desaster. Kein anderer Kanton hat sich damit so schwer getan. Das Rechnungslegungsmodell wurde um Jahre verzögert eingeführt, bei der ersten Rechnung 2017 ortete die Finanzkontrolle 234 Fehler und sprach als Konsequenz ein versagtes Prüfurteil aus. Einen solchen Eklat gab es in keinem anderen Kanton.

Der Rüffel der Finanzkontrolle kam nicht unerwartet. Immer wieder hatte sie vor falschen Zahlen und Vorgehensweisen gewarnt und entsprechend interveniert. Ernst genommen haben die Finanzdirektion und die Regierung ihr Kontrollorgan offenbar nicht. Vielmehr versuchten sie, das Problem kleinzureden und die Finanzkontrolle als übergriffig anzuschwärzen. Das wirkt aus heutiger Sicht ignorant.

Denn die bernische Finanzkontrolle arbeitet sehr gut und hat korrekt gehandelt. So attestiert es ihr eine externe Revisionsfirma, welche ihre Arbeit im Auftrag der Finanzkommission zwischenzeitlich überprüft hat. Das ist zwar beruhigend, wirft aber ein umso schlechteres Licht auf die Arbeit von Beatrice Simons Finanzdirektion und der Finanzabteilungen in den anderen Direktionen.

Die Verwaltung und die Regierung sollten ihr Kontrollorgan künftig ernst nehmen und dessen Bedenken nicht herunterspielen. Es geht nicht um Peanuts: Die buchhalterische Darstellung der Finanzen hat Einfluss auf praktisch die gesamte Kantonspolitik. Diese Kennzahlen zeigen, ob ein Sparpaket nötig ist, ob Schulden abgebaut werden können, welche Investitionen möglich sind.

Was passiert, wenn sie falsch sind, zeigt die Jahresrechnung 2017: Aus einem Gewinn von 49 Millionen wurde plötzlich ein Defizit von 5 Millionen Franken. Wenn die Buchhaltung auf diese Art weitergeführt würde, ginge es irgendwann um viel höhere Beträge. Ein solches Erwachen kann sich der Kanton Bern nicht leisten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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