Die Psychiatrie muss weiter sparen

Die drei kantonalen psychiatrischen Kliniken müssen ihre Finanzen in den Griff bekommen. Bis zur Auslagerung 2017 sollen sie ihre «Ergebnislücke» schliessen, fordert der Kanton. Ein Stellenabbau steht bevor.

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP).

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP).

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Was nach einer Selbstverständlichkeit tönt, war der kantonalen Gesundheitsdirektion gestern eine Medienmitteilung wert: Ihr Chef, SP-Regierungsrat Philippe Perrenoud, erteilte den kantonalen psychiatrischen Kliniken in Bern (UPD Waldau), Münsingen und Bellelay den Auftrag, ein «nachhaltig ausgeglichenes Budget sicherzustellen».

Der Hintergrund: Heute sind diese Kliniken, die zusammen 2200 Angestellte beschäftigen, immer noch Teil der Kantonsverwaltung. Auf das Jahr 2017 werden sie aber in eigenständige Aktiengesellschaften ausgelagert, die ganz dem Kanton gehören. Dasselbe hat dieser bereits mit den Akutspitälern umgesetzt.

Zur Auslagerung gehört, dass die Kliniken auf eigenen Beinen stehen können und in der Lage sind, dem Kanton eine Miete für ihre Liegenschaften zu bezahlen. Dies ist aber laut der Gesundheitsdirektion nicht so sicher: Insgesamt bestehe aus heutiger Sicht eine «Ergebnislücke» im «niedrigen zweistelligen Millionenbereich». Wie gross die jeweiligen Lücken der Kliniken sind, legt der Kanton nicht offen. Dafür seien die Zahlen zu wenig zuverlässig, da man viele Annahmen habe treffen müssen. Klar ist so viel: Alle Kliniken müssen die Einnahmen erhöhen und die Ausgaben reduzieren.

Zu viele Stellen

Es ist mit einem weiteren Stellenabbau zu rechnen, lässt Annamaria Müller, Leiterin des kantonalen Spitalamts, durchblicken. Schon mit dem Sparpaket, das der Kanton letztes Jahr schnürte, wurden die Kliniken dazu verknurrt, 60 Stellen abzubauen sowie Stationen für «nicht mehr spitalbedürftige Patienten» zu schliessen und diese in Heimen oder Tageskliniken unterzubringen. Beide Massnahmen sind noch nicht vollständig umgesetzt.

Spitäler haben aufgerüstet

Aus Sicht des Kantons ist auch ein weiterer Stellenabbau möglich, ohne die Versorgung zu gefährden. Das liegt auch daran, dass in den letzten Jahren diverse Regionalspitäler psychiatrische Angebote – zum Teil sogar stationäre – ausgebaut haben, etwa in Langenthal und Burgdorf. Das Ziel des Kantons wäre nun, dass die drei grossen Psychiatriekliniken vorab beim stationären Angebot Einschnitte vornehmen, um die seit langem erwünschte, aber harzig verlaufende Verlagerung in den ambulanten und tagesklinischen Bereich zu stärken. Das soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch die wohnortsnahe Versorgung verbessern.

Amtsleiterin Müller betont, es sei das Ziel des Kantons, diese Verlagerung jetzt anzustossen. «Nach der Auslagerung wird das viel schwieriger, weil wir den Kliniken nicht mehr einfach so Vorgaben machen können.»

Zuversicht in Münsingen

Die Ausgangslage der Kliniken ist unterschiedlich. Zuversichtlich zeigt sich Rolf Ineichen, Direktor des Psychiatriezentrums Münsingen. «Es war allen klar, dass wir die Sparmassnahmen des Grossen Rats nicht so rasch umsetzen können. Das führt dieses Jahr zu einem kleinen Defizit.» Münsingen verfüge aber bereits über eine Finanzplanung, die bis 2017 schwarze Zahlen vorsehe. Darin ist laut Ineichen ein weiterer Stellenabbau vorgesehen, dessen Ausmass er noch nicht beziffern könne.

Ineichen skizziert die künftige Klinik Münsingen so: «Sie wird deutlich kleiner sein, wir werden weitere Betten abbauen, nachdem wir im letzten Jahrzehnt schon 20 Prozent reduziert haben. Gleichzeitig nimmt der Anteil schwerer Akutfälle weiter zu.»

Waldau mit roten Zahlen

Schwieriger ist die Ausgangslage für die grösste der drei Kliniken, die UPD Waldau, die heute de facto rote Zahlen schreibt, was aber für sie kein Problem ist, da der Kanton das Defizit deckt. Die UPD betreibt nicht nur relativ viele Standorte, was kostspielig sein kann, sondern hat auch eine breite Angebotspalette von der ambulanten Grundversorgung in der Region Bern bis zur universitären Lehre und Forschung.

Laut Stefan Aebi, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung, liegt die Finanzierungslücke im einstelligen Prozentbereich. «Es wird nicht einfach, aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie bis 2017 schliessen können.» Ob dazu ein weiterer Stellenabbau notwendig ist, steht laut Aebi noch nicht fest.

Berner Zeitung

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