«Die Liste der Dinge, die wir ändern müssen, ist lang»

Seit November ist Kantonsarzt Jan von Overbeck Interimsdirektor bei den Psychiatrischen Diensten Biel Seeland-Berner Jura. Er will den Betrieb mit einheitlichen Strukturen auf Vordermann bringen.

Jan von Overbeck will Änderungen in Bellelay möglichst rasch umsetzen.

Jan von Overbeck will Änderungen in Bellelay möglichst rasch umsetzen.

(Bild: Stefan Anderegg)

Sandra Rutschi

Herr von Overbeck, bei den Psychiatrischen Diensten Biel Seeland-Berner Jura sind viele Änderungen nötig dafür, den Betrieb auf Kurs zu bringen. Wie ist die Stimmung?Jan von Overbeck:Das ist schwierig zu sagen, denn wir haben elf Standorte, die relativ unabhängig voneinander arbeiten. Es herrschen dort verschiedene Betriebskulturen. Obwohl zum Beispiel im Ambulatorium in Tavannes haargenau das Gleiche gemacht wird wie in jenem in Biel, finden viele Mitarbeitende, man könne diese Betriebe nicht zusammenlegen. Weshalb, verstehe ich nicht, denn die Distanz scheint nicht der springende Punkt sein. Diese unterschiedlichen Kulturen sind ein Teil unseres Problems, denn die Standorte müssen zu einer Firma zusammenwachsen. Wir wollen das über interne Strukturen erreichen.

Zum Beispiel?Es soll nur noch eine einheitliche Telefonnummer geben, unter der man die PDBBJ erreicht. Dort soll die Triage stattfinden, an ­welchem Standort der Patient am besten aufgehoben ist – im Ambulatorium, in der Tagesklinik oder in der Hospitalisation. Heute wird ein Patient direkt hospitalisiert, obschon es wohl manchmal nicht nötig wäre. Wenn wir das besser koordinieren, würden alle Einheiten besser funktionieren. Künftig werden wir auch den Notfalldienst gemeinsam gewährleisten. Das ist ein Umdenken. Heute sind viele Mitarbeitende auf ihren Standort fixiert.

Werden Sie physisch fusionieren?Wir rechnen vorerst mit neun Standorten. Wir versuchen, die Werkstätten in Le Fuet und das Heim in Loveresse an Private abzugeben. Zudem überlegen wir uns, welche Angebote wir weiterhin bieten wollen. Denn bei so vielen kleinen Standorten nimmt die Administration überhand und wird zum ökonomischen Problem. Wenn jeder Standort eine Sekretärin hat, ist diese nicht ausgelastet.

Gibt es Widerstand?Bei Änderungen ist eine gewisse Hemmschwelle bei den Angestellten normal. Aber es gibt keine vehemente Gruppenreaktion gegen das Geplante.

Erstaunt Sie das?Manchmal schon. Wir haben etwa vor einigen Tagen beschlossen, den Standort Reconvilier mit seinen dreizehn Betten innert Wochenfrist zu schliessen. Das war erst später geplant. Doch der Zufall wollte es, dass in Bellelay zwanzig Betten frei wurden, und so konnten wir die Patienten sofort verlegen. Für das Personal ist das eine Umstellung. Keiner hat die Stelle verloren, sie arbeiten nun rund zehn Fahrminuten von Reconvilier entfernt. Doch es erstaunte mich, dass der Umzug so reibungslos möglich war, und ich bin allen Mitarbeitern dafür sehr dankbar.

Werden Sie weiterhin so zackig vorgehen?Ja. Denn es ist einfacher für die Mitarbeitenden, wenn schnell gehandelt wird, als wenn sie noch zwei Wochen über den kommenden Umzug nachdenken. Und wir müssen in fünfzig Wochen als AG funktionieren. Wenn wir die befürchteten Defizite schon heute reduzieren können – und dies­bezüglich sieht es eher gut aus – ist das besser für uns. Wenn wir schneller effizienter werden, besteht auch die Chance, dass wir weniger Leute entlassen müssen.

Sollten Sie nach dieser Philo­sophie nicht auch physisch so schnell wie möglich fusionieren?Die Liste der Dinge, die wir ändern müssen, ist lang. Wir müssen gut abwägen, was wir zuerst machen. Wichtig ist dabei auch, nicht unnötigen Widerstand aufzubauen. Das wäre bei forcierten Schliessungen der Fall. Wenn wir die Standorte zuerst funktionell zusammenführen, lernen die Mitarbeitenden, dass überall gleich gearbeitet wird. Dann kommt das andere von selbst.

Dennoch bleibt Bellelay als Hauptstandort ungeeignet.Das ist so. Wir sind in einem sehr guten Prozess mit der Hôpital du Jura bernois SA, um unsere Zusammenarbeit zu verstärken. Dort spielt auch die Standort­frage hinein. Bevor wir im Juni 2017 wissen, ob Moutier und damit einer der beiden Spitalstandorte zum Kanton Jura wechseln will, können wir diese Frage nicht klären. Und um eine neue Klinik zu bauen, sprechen wir von einem Planungshorizont von fünfzehn Jahren.

Wie wollen Sie die Produktivität steigern?Wir müssen kundenorientiert arbeiten. Es kann nicht sein, dass wir Patienten abweisen, weil 17.30 Uhr ist und wir dann Feierabend haben. Wir müssen da sein, wenn die Leute in die Sprechstunde kommen können.

Warum hat man all dies nicht schon vorher gemacht?Um die Gründe zu eruieren, fehlt mir die Zeit, und es ist auch nicht meine Aufgabe. Sie interessieren mich nur, wenn ich dadurch Fehler vermeiden kann, die bereits gemacht wurden. Dazu gehören die Öffnungszeiten. Zudem scheint die Beziehung zu den Hausärzten und damit zu unseren Zuweisern nicht die beste gewesen zu sein. Hier müssen wir her­ausfinden, wo das Problem lag, und wieder Vertrauen aufbauen.

Es ist vorgesehen, dass Sie bis Ende April bleiben.Es zeichnet sich ab, dass ich etwas länger bleibe. Die Stelle zu be­setzen, ist schwierig: Kandidaten wissen nicht, wer künftig ihr Chef ist. Sie wären zudem zuerst Staatsangestellte und müssten wenige Monate später von einem Verwaltungsrat gewählt werden. Ausserdem wäre für die PDBBJ Kontinuität wichtig. Denn ein grosser Teil meines Alltags besteht darin, Leute zu motivieren, den Überblick zu behalten und die Verbindung zur Gesundheits- und Fürsorgedirektion sicherzustellen.

Heisst das, Sie bleiben, bis der neue Direktor 2017 übernimmt?Wenn der Regierungsrat das will, wäre das eine Option. Es ist aber sicher sinnvoll, mit Entscheidungen abzuwarten, bis der neue Regierungsrat gewählt und in einem zweiten Schritt dann auch klar ist, wer ab Juli das Präsidium des Verwaltungsrats übernimmt.

Berner Zeitung

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