Die Kindergärteler dürfen berndeutsch sprechen

SVP-Grossrat Erich Hess will, dass im Kindergarten Mundart gesprochen wird. Der Berner Regierungsrat will das auch. Aber er will es nicht gesetzlich verankern.

Im Kindergarten dürfen Versli im Kanton Bern weiterhin auf Berndeutsch aufsagen.

Im Kindergarten dürfen Versli im Kanton Bern weiterhin auf Berndeutsch aufsagen.

(Bild: Keystone)

Es sei wichtig, «dass Kinder bereits in jungem Alter mit Schweizerdeutsch aufwachsen», findet Grossrat Erich Hess (SVP, Bern). Er hat eine Motion eingereicht: «Mit der Einführung von Mundart im Kindergarten können wir dazu beitragen, ein Stück Schweizer Kultur zu fördern», schreibt er und fordert einen neuen Artikel im Kindergartengesetz des Kantons Bern. «Unterrichtssprache auf Stufe Kindergarten ist grundsätzlich Schweizerdeutsch», müsste darin stehen.

«Mundart ist unbestritten»

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) lehnt die Motion ab. Nicht, weil er der Meinung ist, im Kanton Bern müssten Kindergärteler hochdeutsch sprechen, sondern weil die Mundart im Kindergarten «unbestritten» sei. Massgebend sei nicht das Volksschulgesetz, sondern der Kindergartenlehrplan. Dieser enthalte zur Unterrichtssprache keine spezifischen Angaben, gehe aber von der Mundart aus. «Die Mundart war und ist im Kindergarten die Regel», fasst Pulver in der Antwort auf Hess’ Vorstoss zusammen. Die Erziehungsdirektion habe auch nicht die Absicht, etwas daran zu ändern.

Im Gesetz will Pulver die Unterrichtssprache aber nicht festlegen. Das wäre «nicht stufengerecht», schreibt er. Er will diese Frage weiterhin auf der Ebene des Lehrplans regeln.

Sicher will der Berner Erziehungsdirektor die Standardsprache im Kindergarten nicht verbieten. «Es macht durchaus Sinn, das ungebrochene und unbekümmerte Verhältnis der Kinder im Vorschulalter zur Standardsprache zu nutzen und zu fördern», schreibt er. Der Grosse Rat wird in der Juni-Session über den Vorstoss entscheiden.

Zürich und Basel stimmen ab

Mundart im Kindergarten gibt auch in Zürich und Basel zu reden. Am kommenden Wochenende finden Abstimmungen statt. In Zürich verlangt der Lehrplan, dass während mindestens einem Drittel der Zeit auf Hochdeutsch unterrichtet wird, in Basel-Stadt gilt diese Vorschrift für die Kindergärtnerinnen für mindestens die Hälfte der Kindergartenzeit. Initiativen wollen das Hochdeutsche nun aus dem Kindergartenlehrplan verbannen.

Berner Zeitung

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