Die Junge SVP pocht auf Mundart im Kindergarten

Verschiedene Sektionen der Jungen SVP sagen dem Hochdeutsch im Kindergarten den Kampf an – auch im Kanton Bern.

Gregor Poletti@tamedia

«Mundart und Schweizer Dialekte sind Teil unserer Kultur, Heimat und Identität», ist Erich Hess, Präsident der Jungen SVP Bern überzeugt. Gerade in Zeiten starker Zuwanderung werde in vielen Familien keine Mundart mehr gesprochen. Deshalb müsse zumindest im Kindergarten Schweizerdeutsch die vorherrschende Sprache in den deutschsprachigen Teilen des Kantons Bern sein, fordert Hess.

Um dem Anliegen der Jungen SVP des Kantons Bern zum Durchbruch zu verhelfen, reicht Hess in der Novembersession des Grossen Rates eine Motion ein. Er will, dass ein neuer Artikel in das Kindergartengesetz eingefügt wird mit folgendem Wortlaut: «Unterrichtssprache auf Stufe Kindergarten ist grundsätzlich Schweizerdeutsch.»

Mehrere Initiativen

In anderen Kantonen wählen die Sektionen der Jungen SVP einen anderen Weg. Gestern lancierte die Junge SVP des Kantons Luzern die Volksinitiative «für Mundart im Kindergarten». Sie macht keinen Hehl daraus, dass dieses Volksbegehren im Hinblick auf das Wahljahr 2011 initiiert wurde.

Bereits zustande gekommen sind Initiativen in den Kantonen Zürich und Basel. In Zürich wehrt sich die Regierung gegen dieses Ansinnen und liess ei-nen Gegenvorschlag erarbeiten. Demnach soll im Kindergarten zu einem Drittel Mundart, zu einem Drittel Hochdeutsch und schliesslich im dritten Drittel alternierend die beiden Sprachen zur Anwendung gelangen. Auch in Basel will die Regierung der Initiative mit einem Gegenvorschlag begegnen.

Auf der Linie der EDK

Der Kanton Bern liegt auf der Linie der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Diese kam bereits im März 2004 zum Schluss, dass Hochdeutsch ab Kindergarten «konsequent gefördert» werden soll. Ihre Förderung, so die EDK, stelle «ein wesentliches Ziel der ersten Schuljahre» dar und bleibe «während der gesamten Dauer der Ausbildung vorrangig».

Die EDK reagierte auf das schlechte Abschneiden der Schweizer Kinder im Pisa-Lesetest. Doch nicht nur die Studie stellte der Deutschkompetenz der Schüler ein schlechtes Zeugnis aus. Auch Firmen wie Coop kritisierten wiederholt, dass die Kenntnisse in geschriebenem und gesprochenem Deutsch abgenommen hätten.

Berner Zeitung

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