Die Jobs in Berner Asylzentren sind begehrt

Zehn neue Asylzentren sind in den letzten vier Monaten im Kanton Bern entstanden. Gross war das Wachstum bei der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe. Ihre Mitarbeiterzahl hat sich in einem Jahr fast verdoppelt. Laufend wird Personal rekrutiert.

Im Durchgangszentrum Schlüssel werden die Asylsuchenden von Mitarbeitern der ABR Asyl Biel und Region betreut.

Im Durchgangszentrum Schlüssel werden die Asylsuchenden von Mitarbeitern der ABR Asyl Biel und Region betreut.

(Bild: Andreas Blatter)

Sandra Rutschi

Immer mehr Asylsuchende kommen in den Kanton Bern, und anders als noch vor ein paar Monaten eröffnen zurzeit an diversen Standorten neue Zentren. Von den zurzeit 39 Kollektivunterkünften wurden allein 10 mit insgesamt 830 Plätzen in den letzten vier Monaten eröffnet, drei zusätzliche Asylunterkünfte und ein Ankunftszentrum für unbegleitete Minderjährige sind im Januar vorgesehen.

Die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe wird davon die beiden Zentren in Schwarzenburg und Bremgarten eröffnen, weitere Standorte sind im Gespräch. Während die Organisation das Jahr 2015 mit 900 Plätzen startete, bietet sie jetzt circa 1700 an – und rechnet mit bis zu 400 weiteren im Januar.

Das braucht Personal: «Wir führen laufend Vorstellungsgespräche, denn manchmal wissen wir erst zwei Wochen im Voraus mit Sicherheit, dass ein neues Zentrum eröffnet wird», sagt ­Dominik Wäfler, Bereichsleiter Kollektivunterkünfte. Und dann sei es zu spät, um noch Inserate zu schalten. Dass der genaue Arbeitsort noch nicht feststehe, sei für die wenigsten Bewerber ein Problem. «Die Region bleibt mit dem Berner Mittelland ja dieselbe», erklärt Wäfler.

«Die Anforderungen ans Personal sind gestiegen»

Zurzeit zählt die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe in den Kollektivunterkünften im Kanton Bern rund 200 Mitarbeitende, das sind etwa 90 mehr als vor einem Jahr. Pro Zentrum mit 100 Bewohnern sind für die Teams im Tagesdienst rund 350 Stellenprozente nötig. Kleinere Zentren benötigen verhältnismässig mehr, grössere weniger Stellenprozente. Dazu kommen Nachtteams und Wochenendteams.

Rekrutierungsprobleme kennt Wäfler kaum. «Obwohl wir viel neues Personal benötigen, haben wir immer einen sehr guten Rücklauf auf unsere Inserate», sagt er. Er hat den Eindruck, dass das Interesse an den Jobs mit der zunehmenden Sensibilisierung für das Thema sogar noch gestiegen ist. Gesucht sind Personen mit Ausbildungen im buchhal­terischen, medizinischen, handwerklichen und sozialarbeiterischen Bereich. «Es melden sich oft sehr gut qualifizierte Leute.» Ob der Grossteil der Bewerber aus festen Anstellungen in den Asylbereich wechseln will oder arbeitslos ist, lässt er offen.

Wäfler betont, dass die Anforderungen an das künftige Personal nicht geringer seien als vor der Flüchtlingswelle. Im Gegenteil: «Sie sind sogar noch ein wenig gestiegen, weil unsere Betreuer mit dem Druck klarkommen müssen.» Angestellt werden die Bewerber in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, obschon die Zentren oft nur für eine bestimmte Zeit vorgesehen sind. «Auch wenn die Welle an Asylsuchenden dereinst abnimmt, bleiben die Menschen ja weiterhin hier und benötigen Betreuung. Dort können wir unser Personal dann weiter einsetzen», sagt er.

Ein Migrationshintergrund kann hilfreich sein

Die ORS Service AG hingegen, welche unter anderem das Bundesasylzentrum in Thun mit 20 Mitarbeitenden betreibt, stellt auch befristete Arbeitsverträge aus. Dass die Asylgesuchszahlen seit vielen Jahren schwanken, werde den Mitarbeitenden beim ersten Bewerbungsgespräch mitgeteilt, sagt Mediensprecher Roman Della Rossa. Es könne auch sein, dass jemandem gekündigt werden müsse, falls Zentren innert Kürze geschlossen und nicht weiterbetrieben werden. «Einen guten Teil der Schwankungen von Asylgesuchen können wir ­allerdings dank der durch unsere Unternehmensgrösse begründeten Flexibilität auffangen», sagt Della Rossa. ORS arbeitet gemäss ihrer Website für den Bund, 5 Kantone und über 40 Gemeinden. Angaben zu Mitarbeiterzahlen in den einzelnen Kantonen macht ORS keine.

Zurzeit sind auf der Website von ORS im Kanton Bern lediglich drei Stellen ausgeschrieben. Laut Della Rossa gelingt es «in den meisten Fällen sehr schnell, das benötigte qualifizierte Personal zu rekrutieren». Auch er betont, dass die Eröffnung eines Asylzentrums jeweils rasch vonstatten gehen müsse. Um die Qualität zu sichern, kommen deshalb in einem neuen Zentrum jeweils erfahrene Mitarbeiter sowie neue Angestellte zusammen.

Sozialkompetenz, hohes Verantwortungsbewusstsein und Fingerspitzengefühl seien nebst einer abgeschlossenen Grundausbildung nötig, sagt Della Rossa. «Zudem beschäftigen wir viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die selbst einen Migrationshintergrund und somit auch die notwendigen Sprachkenntnisse mitbringen.»

Nicht einmal Inserate sind nötig

Bei ABR Asyl Biel und Region ist Personalnot zurzeit kein Thema. Dies liegt laut Geschäftsführer Philipp Rentsch auch daran, dass seine Organisation in den letzten Monaten kaum neue Zentren eröffnete. Bei der kürzlich eröffneten Unterkunft in Tramelan mit 100 Plätzen sei die Rekrutierung quasi von selber ­gelaufen. Ein Mitarbeiter eines bereits bestehenden Zentrums hat als opera­tiver Leiter in die neue Unterkunft gewechselt, und durch Mundpropaganda habe man für die übrigen Stellen schnell geeignetes Personal gefunden.

ABR zählt rund 100 Mitarbeitende und wird in den nächsten Monaten ein weiteres Zentrum in Biel sowie eines in Zweisimmen eröffnen. Auch dort zeichne sich ab, dass man für die Stellen nicht einmal inserieren müsse, sagt Rentsch.

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