Die dreiste Masche der Tram-Gegner

In einem Zeitungsinserat behaupten die Gegner des Trams Bern-Ostermundigen, 80 Prozent der Stadtberner Bevölkerung seien gegen das Projekt. Damit biegen sie die Wahrheit zu ihren Gunsten.

Umstritten: Das Tram von Bern nach Ostermundigen über dessen Kredit am 4. März die Kantonsbevölkerung abstimmen kann.

Umstritten: Das Tram von Bern nach Ostermundigen über dessen Kredit am 4. März die Kantonsbevölkerung abstimmen kann.

(Bild: zvg)

Philippe Müller

Zwei Wochen vor der Abstimmung werden die Messer nochmals gewetzt. Weil völlig offen ist, ob die Kantonsbevölkerung am 4. März Ja sagt zum Tram Bern–Ostermundigen, liegen die Nerven in beiden Lagern blank. Beide Seiten versuchen mit Inseraten, Plakaten und auf Social Media, Unentschlossene für sich zu ­gewinnen.

Dass dabei ab und an leicht ­zugespitzt und übertrieben wird, gehört zum Spiel. Das Komitee «Nein zum Luxus-Tram!» setzt diesbezüglich jedoch neue Massstäbe: In einem Inserat, das in beiden Berner Tageszeitungen erschienen ist, behauptet es: «80 Prozent der Stadtberner Stimmberechtigten konnten sich im November nicht für das Tram nach Ostermundigen erwärmen!»

Zur Erinnerung: Am 26. November sagten in der städtischen Urnenabstimmung 62,2 Prozent Ja zum Tramkredit. Dies bei einer sehr ­tiefen Stimmbeteiligung von 33 Prozent, und genau hier setzen die Tramgegner an. Sie zählen die 67 Prozent, die nicht an die Urne gingen, zu den Tramgegnern.

Dies, obwohl sie wissen müssen, dass in der links dominierten und ­ÖV-affinen Stadt Bern die ­Daheimgeblie­benen mit an ­Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht ­geschlossen Nein zum Tram ­sagen würden. Addiert man die 67 Prozent Abstimmungsabstinenten mit ­jenen, die im November tatsächlich Nein stimmten, ergibt das ­zusammengebastelt die rund 80 Prozent, mit denen die Tramgegner nun fechten.

«Nur 20 Prozent sagten Ja»

Angesprochen auf die dreiste Milchbüchleinrechnung, rea­giert Thomas Schneiter vom für das Inserat mitverantwortlichen ­Komitee wie folgt: «Wir wissen, dass das Ganze eine Provokation ist.» Es sei aber eine Tatsache, dass sich von allen Stadtberner Stimmberechtigten nur rund 20 Prozent für das Tramprojekt ausgesprochen hätten. Schneiter rechtfertigt das Inserat auch mit den Schlagzeilen in den Medien im Nachgang zur städtischen ­Abstimmung. «Damals wurde überall das Bild vermittelt, die Stadtbevölkerung stehe hinter dem Tram. Ein Grossteil der ­Bevölkerung ging aber gar nicht an die Urne, das Tram war offensichtlich zu wenig wichtig.»

Und schliesslich biege das Nein-Komitee, das keine weiteren Publikationen dieses Inserats plant, die Wahrheit nicht stärker zurecht als die ­Befürworter des Projekts. «Da wird etwa behauptet, das Tram sei für Ostermundigen ein Wirtschaftsmotor oder das Tram komme dem ganzen Kanton Bern zu Gute.» Das sei so schlicht nicht belegbar.

Berner Zeitung

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