Die Angst der Bürgerlichen vor der Überheblichkeit

Für die FDP könnte es taktisch sinnvoll sein, einen Kandidaten für den Regierungsrat zu stellen. Allerdings wäre sie bis zum Rücktritt von Hans-Jürg Käser dann übervertreten.

Christian Wasserfallen würde sich eine Kandidatur überlegen, Christa Markwalder hingegen winkt bereits heute ab.

Christian Wasserfallen würde sich eine Kandidatur überlegen, Christa Markwalder hingegen winkt bereits heute ab. Bild: Keystone

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Zwei Sitze in der Berner Regierung werden am 28.Februar neu besetzt. Die SP möchte die Sitze von Philippe Perrenoud und Andreas Rickenbacher verteidigen, die Bürgerlichen am liebsten beide erobern, und auch die Mitteparteien möchten einen davon erhalten. Spannend wird nun vor allem die Taktik, mit der die Bürgerlichen die freien Sitze anpeilen werden.

Seitens der SVP steht der Bernjurassier Manfred Bühler in der Poleposition für den frei werdenden garantierten Jura-Sitz. Auch für die zweite Vakanz hätte die SVP valable Kandidaten zu bieten. Doch könnten ihre Verbündeten BDP und FDP selber Interesse haben, einen Kandidaten ins Spiel zu bringen.

Entscheiden wollen die Bürgerlichen erst nach den nationalen Wahlen im Herbst, wenn klar ist, wie sich die Wähleranteile neu präsentieren und welche Personen zur Verfügung stehen könnten.

Wasserfallen überlegt es sich

Insbesondere für die FDP könnte es interessant sein, einen der beiden Sitze zu erobern. Denn ihr amtierender Regierungsrat Hans-Jürg Käser wird 2018 wohl kaum noch einmal antreten, wird er doch dann 68 Jahre alt sein. Wenn die FDP dann mit einem Bisherigen in die Wahlen starten könnte, wäre sie in einer besseren Ausgangslage.

Namen für eine mögliche Kandidatur mag zurzeit niemand nennen. Nationalrat Christian Wasserfallen hätte wohl die besten Chancen. «Ich werde nach den nationalen Wahlen im Herbst vertieft überlegen, ob eine Kandidatur infrage kommt», sagt er. Priorität habe aber nun, eine «solide bürgerliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe» aufzubauen – mit dem Ziel der bürgerlichen Mehrheit im Regierungsrat.

Nationalrätin Christa Markwalder hingegen winkt bereits heute ab: «Ich habe derzeit andere Pläne. Ich konzentriere mich auf meine Wiederwahl in den Nationalrat und dann – wenn alles klappt – aufs Nationalratspräsidium.» Das habe für sie Priorität. Ob sie allenfalls 2018 für eine Nachfolge für Käser antreten würde, habe sie sich noch nicht überlegt.

Fraktionschef Adrian Haas will sich nicht zu einer allfälligen Kandidatur seinerseits äussern, und auch der ehemalige FDP-Vizepräsident Beat Brechbühl und der heutige Vizepräsident Philippe Müller schweigen dazu. Mögliche Kandidaten könnten auch Grossrätin Katrin Zumstein, der Berner Gemeinderat Alexandre Schmidt oder Ständeratskandidatin Claudine Esseiva sein.

Das Dilemma

Egal, welche bürgerliche Partei für den zweiten Sitz kandidiert – die Frage bleibt, ob der Anspruch gerechtfertigt wäre. Bei den kantonalen Wahlen 2014 erzielte die SVP 29 Prozent Wähleranteil, die BDP lag mit 11,2 Prozent hauchdünn vor der FDP mit 10,7 Prozent.

Die SP erreichte rund 19 Prozent, die Mitteparteien 14. Die BDP und die FDP wären mit einem zweiten Regierungssitz übervertreten. Die SP jedoch wäre mit nur einem Regierungsmitglied zu schwach vertreten, die SVP mit drei etwas gar stark.

Die Bürgerlichen werden es sich deshalb wohl gut überlegen, ob sie wirklich beide Sitze für sich beanspruchen wollen. Die Angst davor, überheblich zu wirken und dadurch wie 2006 die Wahlen zu verlieren, ist gross. Damals trat die SVP mit 4, die FDP mit 2 Kandidaten an – für 7 zu vergebende Sitze. Als Quittung verloren die Bürgerlichen die Mehrheit in der Regierung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.09.2015, 08:37 Uhr

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