Der süsse Abgang von Thommy F.

Wegen einer Amtszeitbeschränkung kann SVP-Grossrat Thomas Fuchs nicht mehr zu den Wahlen am Sonntag antreten. Nach 16 Jahren sagt er auf seine ganz eigene Art und Weise Tschüss.

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«Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Soll das heissen, ja ihr Leut’ mit dem Fuchs ist Schluss für heut», spielte Fuchs auf einem Flyer auf die Titelmelodie der Zeichentrickfilmserie «Pink Panther» an.

Zum rosaroten Flyer gesellte sich ein kleiner Fuchs der Chocolaterie Läderach. Multipliziert man den Einzelstückpreis von 5 Franken mit den 160 Grossratssitzen, dann hat sich Fuchs seine Aktion einiges kosten lassen.

Den Fuchs kannte jeder

Rund ein Vierteljahrhundert lang gehörte Fuchs zu den schillerndsten und polarisierendsten Politfiguren vorab in der Stadt Bern, dann aber auch im Kanton Bern und kurz auf nationaler Ebene. Vor allem in jüngeren Jahren spielte Fuchs durchaus auf den Mann.

Seine markigen Sprüche machten ihn bekannt wie einen bunten Hund. Jeder kannte ihn, und jeder hatte eine Meinung zu Fuchs. Und nicht selten wurde er auch auf offener Strasse angepöbelt.

Bei den jüngeren Generationen ist Fuchs vor allem wegen einer Parodie eines seiner Wahlvideos bekannt. Aus Thomas Fuchs wurde dort kurzerhand Thommy F. Der Parodierte nahm das stets mit Humor und zeichnete auch seinen heutigen Abschiedsflyer mit Thommy F.

Fuchs bekannte sich früh zu seiner Homosexualität, was seine Karriere in der SVP nicht nur begünstigt haben dürfte. Nun kann Fuchs aufgrund einer Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten, was ihm durchaus nicht so gefällt.

«Die Wähler sollten entscheiden, wann jemand nicht mehr in der Politik tätig sein darf», sagte Fuchs kürzlich in einem Interview mit dieser Zeitung. Eine Amtszeitbeschränkung sei keine gute Lösung. Groll gegenüber seiner Partei hege er aber keinen.

Er bleibt im Geschäft

Fuchs war stets auch ein aktiver Förderer innerhalb seiner Partei. SVP-Nationalrat Erich Hess etwa stand er jahrelang mit Rat und Tat zur Seite. Weil ihm ein Bericht über seinen Schützling missfiel, drohte Fuchs letztes Jahr gar, sein BZ-Abo zu kündigen. Aktuell pusht er vor allem die Karriere von SVP-Nachwuchshoffnung Janosch Weyermann.

Fuchs will auch in Zukunft politisch aktiv bleiben und seine diversen Mandate in politischen Vereinigungen behalten. «Heute ist nicht alle Tage. Ich komm wieder, keine Frage. Doch für heut’ ist wirklich Schluss!» , ist jedenfalls auf Fuchs’ Abschiedsflyer zu lesen.

(qsc/sda)

Erstellt: 19.03.2018, 14:44 Uhr

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