Der Korrekte, der guten Wein mag

Werner Luginbühl (BDP) gilt als stiller Schaffer. Vor vier Jahren wurde er mit einem Glanzresultat wiedergewählt. Seither hat seine Partei aber Niederlagen einstecken müssen.

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Sandra Rutschi

Ein Gentleman durch und durch. Kein Mann der markigen Worte, keine schillernde Figur, sondern ein korrekter, sachorientierter, stiller Schaffer. Mit diesen Worten wird BDP-Ständerat Werner Luginbühl immer wieder beschrieben.

«Er ist ein offener Mensch, dem ich vertrauen kann. Er hat mich im Politbetrieb noch nie im Stich gelassen», sagt sein Ständeratskollege Hans Stöckli (SP). Während viele Bürgerliche laut von der ungeteilten bürgerlichen Standesstimme träumen, bezieht Luginbühl keine Stellung. «Meine Wünsche bezüglich Ständeratskollegen sind unwichtig», sagt er.

Er brüskiert damit weder Stöckli noch jene, die gerne zwei Bürgerliche im Ständerat sähen. Diese diplomatische, aber auch schwer fassbare Art passt zu Luginbühls Vergangenheit als Berner Regierungsrat. Noch heute sagt er, die Exekutivarbeit liege ihm besser als das Seilziehen in der Legislative.

Der Gentleman empfängt zum Gespräch in den Räumlichkeiten der Mobiliar an der Bundesgasse, wo er 50 Prozent als Leiter Public Affairs arbeitet. Die Nähe zum Bundeshaus sei wichtig, sagt der 57-Jährige. So könne er Politik und Job unter einen Hut bringen.

In seiner Freizeit interessiert sich der verheiratete Krattiger für Kultur, vor allem für Opern, geht joggen, hat eine Schwäche für historische Romane, guten Wein und Frankreich. Anzug und Krawatte sitzen bei Luginbühl perfekt, ebenso das Lächeln. Hat dieser Mann auch dunkle Seiten? Luginbühl lacht laut auf. «Natürlich habe ich auch Schwächen», sagt er dann, «aber die binde ich niemandem auf die Nase.»

BDP verzeichnete Verluste

Für etliche SVP-Wähler ist die dunkle Seite des Werner Luginbühl wohl klar: Ein Jahr nach seiner Wahl in den Ständerat wechselte er zur BDP, die er 2008 mitbegründete. Seiner Beliebtheit schadete dies offenbar nicht: Mit einem Glanzresultat von 216'685 Stimmen schaffte er 2011 die Wiederwahl.

«Ich bin als Bisheriger optimistisch, darf aber nicht mit der Erwartung ins Rennen steigen, wieder ein solches Resultat zu erzielen», sagt Luginbühl. Damals galt die BDP als jung und trendig. Im Berner Kantonsparlament musste sie 2014 jedoch herbe Verluste verkraften, verlor 11 von 25 Sitzen.

«Eine Partei in Topform im Rücken zu haben, hilft sicher besser», sagt Luginbühl. «Dennoch darf man deren Bedeutung bei einer Majorzwahl nicht überbewerten.»

Am gefährlichsten dürfte ihm Albert Rösti werden, der Kandidat der SVP. «Wir unterscheiden uns am ehesten bei Energiefragen, in der Raumplanung und bei der Aussenpolitik», sagt Luginbühl. Er sei zwar für eine konsequente Asylpolitik, Missbräuche seien zu bekämpfen. Er wolle aber keine Schweiz, die sich isoliere.

Albert Rösti glaubt hingegen, dass er sich in der Aussenpolitik nicht so stark von Luginbühl unterscheidet. «Ich drücke mich einfach pointierter aus als er und wünschte mir manchmal, er täte dies auch.» Ausser in der Energiepolitik sieht Rösti keine grossen Unterschiede zwischen sich und Luginbühl.

Einsatz für den Ballenberg

Es kommt selten vor, dass sich Luginbühl für etwas exponiert. Mit seinem Engagement für mehr Bundesgelder für den Ballenberg trat er in der laufenden Legislatur an die Öffentlichkeit – und scheiterte nicht zuletzt wegen eines Zwists im Museum selber.

Das sei eine verpasste Chance, und das Thema werde in fünf Jahren noch einmal aufs Tapet kommen, sagt er. Er werde sich weiter für den Ballenberg einsetzen, auch wenn er mittlerweile nicht mehr im Stiftungsrat sitze.

Wenn er den grössten Fehler in der letzten Legislatur benennen müsse, so sei dies, dass die Politik die Einwanderungsfrage zu wenig ernst genommen habe. Deswegen sei die Masseneinwanderungsinitiative angenommen worden. Diese umzusetzen, werde die grösste Herausforderung der kommenden Legislatur sein.

Ein wichtiger Schritt für Luginbühl war in der letzten Legislatur der Wechsel von der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) in die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek). Damit konnte er sich auf jene Themen konzentrieren, die ihn auch als Verwaltungsratspräsidenten der Kraftwerke Oberhasli AG am meisten interessieren. In der Urek könnte er in der nächsten Legislatur das Präsidium übernehmen. Etwas, das dem Gentleman sicher sehr entsprechen würde.

Berner Zeitung

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