Der Borkenkäfer frisst sich durchs Mittelland

Der trockene Sommer führte wie erwartet zu einem Anstieg des Borkenkäfer-Befalls. Betroffen ist vor allem das Mittelland, im Emmental und Oberland blieben die Schäden weitgehend aus. Bisher.

Der Buchdrucker (Ips typographus) bringt Bäume zum Absterben.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Der Buchdrucker (Ips typographus) bringt Bäume zum Absterben.

(Bild: zvg)

«Das Mittelland hat wohl schon gelitten.» Walter Beer, der Waldschutzbeauftragte im kantonalen Amt für Wald (Kawa), will nichts beschönigen. Aber dramatisieren will er die Situation auch nicht.

Die anhaltende Trockenheit des vergangenen Sommers hat den Wäldern auf den durchlässigen Schotterböden des Mittellandes klar mehr zugesetzt als jenen im Oberland, wo aufgrund der Bodenbeschaffenheit das Wasser jeweils besser gespeichert wird.

Die Folgen blieben nicht aus: Der Borkenkäfer hat sich in den durch die Trockenheit geschwächten Bäumen des Mittellandes eingenistet, das Oberland und das Emmental hingegen blieben – mit örtlichen Ausnahmen – vom gefrässigen Buchdrucker-Borkenkäfer weitgehend verschont.

Und im Jura, wo der trockene Sommer den Wäldern ebenfalls arg zusetzte, ist die Fichte weniger verbreitet – des Käfers dezidierter Lieblingsbaum. «Wir haben es schlimmer erwartet», bilanziert Walter Beer.

«Kein extremes Jahr»

In konkreten Zahlen heisst das: Bis Ende Jahr rechnet das Kawa mit einer Zwangsnutzung im Umfang von gegen 26'000 Kubikmetern Käferholz, nur unwesentlich mehr als 2014 – und ein Bruchteil der über 600'000 Kubikmeter, die im Jahr 2003 angefallen waren (siehe Grafik). Damals wütete der Borkenkäfer durch die nach dem Jahrhundertsturm Lothar und nach einem trockenen Sommer völlig geschwächten Wälder.

Nach der diesjährigen Trockenperiode hätten die Schäden tatsächlich zugenommen, bestätigte Silvio Schmid von der Waldabteilung Mittelland, «aber insgesamt ist es kein extremes Jahr.» Mit schätzungsweise 7000 bis 9000 Kubikmetern Schadholz würden in etwa die gleichen Mengen anfallen wie letztes Jahr.

Während Förster in der aargauischen Nachbarschaft in der «Aargauer Zeitung» von «erheblichen Schäden» sprechen, die an das dramatische Jahr 2003 erinnerten, sind die Berufskollegen im Bernbiet deutlich zurückhaltender. «Es ist noch nicht dramatisch,» beruhigt Schmid. Möglich sei hingegen, dass die Schäden bei erneut viel Trockenheit erst im kommenden Frühling erkennbar würden.

Der Winter ist für den Käferbefall kein Hindernis. Bei unter 16 Grad gehen die Aktivitäten der gefrässigen Borkenkäfer zwar zurück, ein ausgewachsenes Exemplar kann aber problemlos bei bis zu minus 35 Grad überwintern.

«Wir sind positiv überrascht, dass trotz der Trockenheit noch relativ wenig Käferholz angefallen ist», gibt Erich von Siebenthal als Präsident der bernischen Waldbesitzer zu Protokoll. Offenbar hätten die Bäume die Käfer noch einharzen können.

Wichtig sei aber, dass man genau hinschaue, um den Käferbefall früh zu erkennen und die betroffenen Bäume umgehend herausnehme, erklärt der Oberländer Nationalrat. Und wichtig seien weitere Niederschläge jetzt im Herbst, «denn der Waldboden ist nach wie vor ausgetrocknet».

Besitzer zahlen selbst

Die Kosten des erzwungenen Holzschlages müssen die Waldbesitzer allerdings selber tragen. Bund und Kanton entschädigen nur die Schäden im Schutzwald. Im besonders betroffenen Mittelland ist hingegen kein staatlicher Schadenersatz vorgesehen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt