Der Anspruch der SVP ist nicht arrogant

BZ-Redaktorin Andrea Sommer zur Strategie der SVP für die Regierungsratsersatzwahl.

Also doch: Die SVP tritt Ende Februar mit zwei Kandidaten zur Regierungsratsersatzwahl an. Lange stellte es die Partei in Abrede, beide frei werdenden SP-Sitze anzugreifen. Zu gross war die Angst, die bürgerlichen Bündnispartner und die Wähler könnten dies als Arroganz auslegen.

Dass die stärkste Partei nun so auftritt, hat gute Gründe. Gemessen am Wähleranteil ist die SVP, sind die Bürgerlichen insgesamt, in der Regierung untervertreten. Am 18.Oktober gaben 33 Prozent der Berner Wähler ihre Stimme der SVP. 12 Prozent der BDP, 9 Prozent der FDP. Mit der EDU kommen die Bürgerlichen im Kanton Bern auf satte 57 Prozent Wähleranteil.

Theoretisch könnten im bürgerlichen Block auch andere Parteien Kandidaten stellen. Weder bei der BDP noch bei der FDP zeigten bisher profilierte Politiker Interesse an der kantonalen Exekutive. Zudem dürfte der SVPler Lars Guggisberg mit dem guten Resultat vom letzten Sonntag schwungvoller in den Wahlkampf steigen als der abgewählte BDP-Nationalrat Heinz Siegenthaler.

Keine Hemmungen hat dagegen die SP. Mit einem Wähleranteil von 19,68 Prozent erhebt sie weiterhin Anspruch auf drei Regierungssitze: Unlängst gab die Parteileitung bekannt, dass sie sowohl den Jura-Sitz von Philippe Perrenoud als auch jenen von Andreas Rickenbacher verteidigen will. Dass die SP den Bürgerlichen das Feld nicht kampflos überlassen will, ist zwar nachvollziehbar, entspricht aber in keiner Weise den politischen Kräfteverhältnissen. Wollte man diese in der Regierung abbilden, dann stünde auch der Mitte ein Sitz zu. EVP, GLP und CVP erreichen zusammen rund 12 Prozent Wähleranteil.

Von einer bürgerlichen Regierungsmehrheit kann in dieser Konstellation nur dann die Rede sein, wenn sich die BDP ohne Wenn und Aber zur Zusammenarbeit mit SVP und FDP bekennt. Wie es die Partei fertigbringt, im Kanton bürgerlich und auf Bundesebene Mitte-links zu sein, bleibt dann allerdings eine offene Frage.

Mail: andrea.sommer@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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