Denkmalpflege und Archäologie: Seilziehen um Finanzierung

Einer der Zankäpfel der am Montag beginnenden Januarsession des bernischen Grossen Rates dürfte die Finanzierung von Denkmalpflege und Archäologie sein.

Die Januarsession des bernischen Grossen Rates beginnt am Montagnachmittag, 19. Januar.

Die Januarsession des bernischen Grossen Rates beginnt am Montagnachmittag, 19. Januar.

(Bild: Keystone)

Die Regierung legt eine Kulturpflegestrategie vor, die sich am Prinzip «so wenig wie möglich, so viel wie nötig» orientiert.

In den vergangenen Jahren konnte vor allem der archäologische Dienst des Kantons Bern sein Zehnmillionenbudget nicht einhalten. Dafür gab es einen guten Grund: die rege Bautätigkeit im Land bescherte den Archäologen viel Arbeit mit Rettungsgrabungen.

Vor dem Hintergrund umfangreicher Sparbemühungen hatte die Politik indessen wenig Freude an den Nachkrediten und äusserte ihr Missbehagen auch in mehreren Vorstössen. Inzwischen habe man Gegensteuer gegeben, betonte der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver.

Stärkere Priorität in der Archäologie

Mit der nun zur Debatte stehenden Kulturpflegestrategie sollen gerade in der Archäologie stärker Prioritäten gesetzt werden - und zwar schon vor dem ersten Spatenstich im Feld. Laut Pulver will man etwas wegkommen vom Grundsatz, dass zuerst alles im Boden liegende eruiert und erst dann festgelegt wird, was wissenschaftlich weiter bearbeitet wird.

Künftig könne es sein, dass eben nur noch ein Teil eines Geländes untersucht werde, oder nur eine bestimmte Schicht, führte Pulver im vergangene Herbst bei der Präsentation der Kulturpflegestrategie aus.

Im September hatte das Kantonsparlament einen Vorstoss abgelehnt, der einen Stellenabbau forderte im Amt für Kultur, zu dem der archäologische Dienst und die Denkmalpflege gehören.

Bern soll für zweite Landessprache einstehen

Das Parlament wird sich in der lediglich rund eine Woche dauernden Januarsession auch mit dem Hin und Her rund um den Französischunterricht in der Primarschule befassen. In einigen Deutschschweizer Kantonen laufen Bestrebungen, dass Französisch als Fremdsprache nicht schon in der Primarschule, sondern erst in der Oberstufe eingeführt wird.

Bern als zweisprachiger Brückenkanton zwischen der Romandie und der Deutschschweiz müsse ein klares Zeichen setzen, verlangt der dringliche Vorstoss der Bildungskommission.

Die Regierung nimmt diese Aufforderung gerne an, wie sie bereits verlauten liess. Die Landessprachen nähmen in den Schweizer Schulen zu Recht einen hohen Stellenwert ein; es dürfe nicht sein, dass Englisch wichtiger werde als die offiziellen Landessprachen, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf den Vorstoss.

Für die Regierung ist Französisch «ein bedeutender Teil der Kultur unseres Landes». Dies sollte auch in der Gewichtung des Fremdsprachenunterrichts in den Deutschschweizer Schulen abgebildet werden. «Sich zu verstehen, ist eine wesentliche Grundlage für den nationalen Zusammenhalt und die Förderung der kulturellen Vielfalt.»

Streit um Prämienverbilligungen

Zu reden geben dürften im Grossen Rat auch die Prämienverbilligungen. Vergangenes Jahr hatte das Parlament Kürzungen bei den Prämienverbilligungen beschlossen. Potenziell sind von dem Entscheid über 40'000 Bernerinnen und Berner betroffen.

Vergangene Woche kündigte die Schweizerische Nationalbank eine Gewinnausschüttung an die Kantone an. Bern rechnet mit mindestens 82 Millionen Franken. Dieser Geldsegen dürfte den Ruf nach einem Verzicht auf die Sparmassnahme laut werden lassen.

Das Kantonsparlament wird sich konkret mit einer Gesetzesänderung befassen. Gestrichen werden soll ein Passus, der festlegt, wie viel Prozent der Bevölkerung in den Genuss von Prämienverbilligungen kommen.

Heute sind es mindestens 25 Prozent. Doch nach den jüngsten Sparrunden wird dieser Wert nicht mehr erreicht. Beschliesst der Grosse Rat die Streichung des Artikels, wollen die Grünen das Referendum ergreifen.

Die Januarsession des bernischen Grossen Rates beginnt am Montagnachmittag, 19. Januar.

sih/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt