Denkmalpflege soll gelockert werden

Nach längerer und teilweise hitziger Debatte nahm der Grosse Rat die Kulturpflegestrategie mit 133 gegen 1 Stimme bei 16 Enthaltungen an.

In der Kategorie «erhaltenswert» gebe es durchaus Potenzial zur Reduktion, sagte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne).

In der Kategorie «erhaltenswert» gebe es durchaus Potenzial zur Reduktion, sagte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne).

(Bild: BZ Archiv)

Im Kanton Bern werden künftig nur noch sechs Prozent der Gebäude unter Schutz gestellt. Der bernische Grosse Rat hat am Donnerstag die von der Regierung vorgelegte Kulturpflegestrategie mit Planungserklärungen ergänzt und verabschiedet.

Die Kulturpflegestrategie gibt den Kurs für die Archäologie und die Denkmalpflege vor. Umstritten war im Kantonsparlament insbesondere die Denkmalpflege.

Der Kanton Bern ist reich an Kulturgütern, nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Schutz- und Nutzungsinteressen mitunter in die Quere kommen.

In den vergangenen Jahren wurde verschiedentlich Kritik laut, Schutzinteressen würden überborden und die privaten Eigentümer schützenswerter Objekte behindern.

Heimatgefühl

Die Denkmalpflege dürfe keine Verhinderungsbehörde sein. Es gebe nicht nur Schutzinteressen, sondern auch das Interesse am Privateigentum, hiess es von bürgerlicher Seite am Mittwoch und Donnerstag im Rat. Die Bürgerlichen arbeiteten an einer Demontage der Denkmalpflege, konterte die SP.

Die Bernerinnen und Berner dürften stolz sein auf ihr schönes bauliches Erbe, auf die Altstädte, intakten Ortsbilder, behäbigen Bauernhäuser und Schlösser, sagte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) am Donnerstag im Rat. Sie alle trügen dazu bei, dass die Bevölkerung ein Heimatgefühl empfinde.

Zu dem Erbe gelte es Sorge zu tragen und eine zeitgemässe Nutzung der Objekte zu ermöglichen, betonte Pulver.

Kompromisslösung

Richtiggehend gefeilscht wurde im Grossen Rat um die Anzahl der unter Schutz gestellten Gebäude. Aktuell sind das im Kanton Bern rund neun Prozent oder 36'000 Objekte. Der Kanton Bern kennt zwei Kategorien von Schutz: sogenannte schützenswerte Gebäude und erhaltenswerte Gebäude.

Bei den schützenswerten Gebäuden habe der Kanton wenig Spielraum, aber in der Kategorie «erhaltenswert» gebe es durchaus Potenzial zur Reduktion, sagte Pulver. Der Regierungsrat bat das Parlament aber auch um eine realistische Vorgabe.

Die Bildungskommission, die ursprünglich gleich die Abschaffung der Kategorie erhaltenswert gefordert hatte, legte im Rat dann aber schliesslich einen Kompromiss vor. So sollen nach der Überarbeitung des Bauinventars noch sechs Prozent der Gebäude unter Schutz stehen.

Eine weniger starke Lockerung lehnte der Grosse Rat ab. Angenommen hat das Parlament hingegen einen ganzen Strauss an Planungserklärungen. Diese zielen vor allem darauf ab, eine zeitgemässe Nutzung alter Gebäude zu fördern.

Nach längerer und zum Teil hitziger Debatte nahm der Rat die schweizweit erste Kulturpflegestrategie mit 133 gegen 1 Stimme bei 16 Enthaltungen an.

cla/sda

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