Denkmalpflege: Ein Ringen um Kompromisse

Die Bildungskommission will die Denkmalkategorie «erhaltenswert» nun doch nicht abschaffen. Jetzt geht das Ringen um Kompromisse im Grossen Rat weiter.

Kommissionspräsidentin Elisabeth Zäch (SP, Burgdorf) ist zufrieden mit dem Kompromiss in der Bildungskommission.

Kommissionspräsidentin Elisabeth Zäch (SP, Burgdorf) ist zufrieden mit dem Kompromiss in der Bildungskommission.

(Bild: Andreas Blatter)

Sandra Rutschi

Es rumorte hinter den Kulissen des Grossen Rates in den letzten Tagen – vor allem in der Bildungskommission. Diese hatte ursprünglich beschlossen, sich im Parlament dafür einzusetzen, dass die tiefere Bewertungsstufe «erhaltenswert» aus dem Kategorisierungssystem der Denkmalpflege gestrichen wird.

Damit wären 23'000 Gebäude im Kanton Bern nicht mehr im Bauinventar erfasst gewesen – denn so viele Häuser sind als erhaltenswert eingestuft. Ziel war, die Anzahl der insgesamt 36'000 inventarisierten Gebäude um die Hälfte zu reduzieren.

Kommission zieht zurück

Doch was Kommissionspräsidentin Elisabeth Zäch (SP, Burgdorf) gestern Abend präsentierte, sah denn doch anders aus: «Manchen, die der Streichung ursprünglich zustimmten, war es dann nicht mehr so wohl damit», sagte sie. Fast stündlich gingen neue Vorschläge dazu ein, wie die Denkmalpflege die Anzahl der inventarisierten Gebäude reduzieren könnte. Schliesslich zog die Bildungskommission ihre ursprüngliche Planungserklärung zurück und verlangt nun, dass die Denkmalpflege innerhalb von fünf Jahren den Status von schützenswerten und erhaltenswerten Objekten überprüft.

Die Anzahl der inventarisierten Gebäude soll am Schluss maximal bei sechs Prozent des Gesamtgebäudebestandes liegen. Heute liegt er bei zehn Prozent. Der Kompromiss, zu dem sich die Bildungskommission durchgerungen hat, stösst im Rat auf positives Echo. Die Fraktionssprecher betonten zudem grösstenteils, dass die Kulturpflegestrategie des Regierungsrates, in deren Rahmen über die Massnahmen bei der Denkmalpflege diskutiert werde, eigentlich einen guten Weg aufzeige.

Die Kulturstrategie klärt die Aufgaben und Tätigkeiten des Archäologischen Dienstes und der Denkmalpflege im Kanton Bern. Dennoch schwebten gestern nach wie vor etliche weitere Vorschläge im Raum, wie man den Hebel bei der Denkmalpflege ansetzen könnte.

Forderung ist nicht vom Tisch

Seitens der SP und der EVP etwa wird verlangt, das Maximum der inventarisierten Gebäude nicht bei sechs, sondern bei sieben Prozent zu belassen. Grüne und GLP fordern, die Anzahl der erhaltenswerten Objekte sei um 40 Prozent zu reduzieren – denn bei der höheren Stufe «schützenswert» gebe es kaum Gebäude, die gestrichen werden könnten. Und auch die Forderung, die Kategorie «erhaltenswert» zu streichen, ist nicht gänzlich vom Tisch. Sie steht nach wie vor seitens der SVP im Raum.

«Erhaltenswerte Objekte bergen viel Konfliktpotenzial, weil vielen Gemeinden nicht bewusst ist, dass sie über diese Objekte selber entscheiden können», begründete Sprecher Martin Schlup (Schüpfen). Dem hielt Nicola von Greyerz (SP, Bern) entgegen: «Ein Gebiss, das nur wenige schützenswerte Zähne hat, ist auch kein schönes Gebiss. Lasst uns auch die etwas weniger schönen Zähne behalten, damit wir gut essen können.» Die Debatte über die Kulturpflegestrategie wird heute fortgeführt.

Berner Zeitung

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