Das mittlere Kader darf auswählen

Der Grosse Rat hat am Mittwoch bekräftigt, dass Angestellte des oberen Kaders nicht mehr Überstunden aufschreiben dürfen. Dem mittleren Kader will das Parlament die Wahl überlassen.

Der Grosse Rat will, dass Angestellte des oberen Kaders der Kantonsverwaltung nicht mehr Überstunden aufschreiben dürfen (Symbolbild).<p class='credit'>(Bild: Tomas Wüthrich)</p>

Der Grosse Rat will, dass Angestellte des oberen Kaders der Kantonsverwaltung nicht mehr Überstunden aufschreiben dürfen (Symbolbild).

(Bild: Tomas Wüthrich)

Sandra Rutschi

Der Auftrag ist schon mehrere Jahre alt – am Mittwoch bekräftigte ihn das Kantonsparlament noch einmal: Es will die Vertrauensarbeitszeit für die obersten Kader einführen. Bislang schreiben die Chefs ihre Überstunden auf. Brisanz erhielt das Thema, weil ­Kadermitarbeitende horrende Überzeitguthaben hatten, die bei ihrer Kündigung dann ausgezahlt werden mussten.

Ein erster Versuch, die Vertrauensarbeitszeit einzuführen, scheiterte in der Vernehmlassung. Denn die Regierung wollte nicht nur die Löhne für die Kader, sondern auch ihr eigenes Gehalt erhöhen. Das goutierten die Parteien nicht.

Mittlerweile befindet sich eine weitere Vorlage in der Vernehmlassung. Allerdings kam sie nur zustande, weil das Ratsbüro den Druck auf die Regierung erhöht hatte.

Und die Regierung betonte, dass sie die Änderung für unnötig hält. Das stiess Peter Siegenthaler (SP, Thun) als Präsident der Geschäftsprüfungskommission sauer auf. Er erinnerte Personaldirektorin Beatrice Simon (BDP) an den klaren Willen des Parlaments.

Diese erwiderte, die Regierung sei nicht untätig gewesen. So darf das Personal ab 2020 nur noch maximal 50 Tage auf das Langzeitkonto übertragen.

Die Extrameile

Insbesondere Vertreter der Personalverbände sahen es am Mittwoch gleich wie die Regierung: Vertrauensarbeitszeit schade der Gesundheit der Mitarbeitenden und mache den Kanton als Arbeitgeber unattraktiv. Zudem sei das Anliegen mit dem Limit der 50 Tage erledigt.

Doch die Ratsmehrheit ist anderer Meinung. In der Privatwirtschaft und beim Bund sei es gang und gäbe, dass Kaderleute ihre Überstunden nicht aufschreiben. Es sei «grotesk», wenn das Kantonskader dies mache, sagte Michael Köpfli (GLP, Bern), der mit einer Motion das Thema noch einmal lanciert hatte. «Wer eine solche Funktion übernimmt, muss bereit sein, die berühmte Extrameile zu gehen», fand auch Hans-Rudolf Saxer (FDP, Güm­ligen).

Das Parlament ging sogar einen Schritt weiter und überwies auch den zweiten Punkt von Köpflis Vorstoss: Demnach soll das mittlere Kader künftig selber entscheiden dürfen, ob es nach Vertrauensarbeitszeit arbeiten will und dafür entsprechend entschädigt wird.

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