Libero-Kunden müssen selber wissen, wann ihr Abo abläuft

Im Libero-Gebiet laufen in diesen Tagen die ersten Jahresabos auf dem Swiss Pass aus. Doch wann genau, wissen viele nicht mehr.

<b>Nicht nur die Pendler,</b> die sich durch den RBS-Bahnhof in Bern drängen, müssen neuerdings ein gutes Gedächtnis haben: Seit das Libero-Jahresabo in den Swis Pass integriert ist, erinnert auf der Abokarte keine aufgedruckte Zahl mehr ans Ablaufdatum. Anders als die SBB schickt der regionale Tarifverbund auch nicht automatisch einen Brief.

Nicht nur die Pendler, die sich durch den RBS-Bahnhof in Bern drängen, müssen neuerdings ein gutes Gedächtnis haben: Seit das Libero-Jahresabo in den Swis Pass integriert ist, erinnert auf der Abokarte keine aufgedruckte Zahl mehr ans Ablaufdatum. Anders als die SBB schickt der regionale Tarifverbund auch nicht automatisch einen Brief.

(Bild: Urs Baumann)

Stephan Künzi

Die kleine rote Karte wird so gelobt wie kritisiert. Während die Bahnen vom Swiss Pass nach wie vor voll überzeugt sind und betonen, im Ausland um die elektronische Abokarte beneidet zu werden, äussern Nutzer wie Medien regelmässig Vorbehalte. Dass sich die Schutzfolie löste und das Material bei Kälte brach, gehörte noch zu den kleineren Kritikpunkten.

Zuweilen kamen die Daten nicht richtig auf den Lesegeräten an – und vor allem: Weil beim Swiss Pass eben alles elektronisch läuft, ist nicht mehr auf einen Blick sichtbar, wie lange das gelöste Abo gilt. Welch eine Umstellung zu den alten blauen Karten, auf denen die Laufzeit unübersehbar aufgedruckt war.

Mittlerweile müssen nicht nur die GA- und Halbtax-Besitzer mit der kleinen roten Karte zurechtkommen, sondern auch die Abonnenten der Libero-Abos im Grossraum Bern. Stolz verkündete der regionale Tariverbund Ende 2017, dass die Jahresabos nun auf den Swiss Pass geladen würden und damit die zweite ÖV-Karte neben dem Halbtax wegfalle.

Nun sind die ersten zwölf Monate um, nach und nach laufen die Abos aus, und viele fragen sich bang: Wann genau ist es so weit? Schliesslich will keiner riskieren, mit abgelaufenem Abo in eine Kontrolle zu geraten und dann gebüsst zu werden.

Datenschutz über alles

Die Unsicherheit wird dadurch genährt, dass der Libero-Verbund anders verfährt als die SBB. Diese lassen ihren Abonnenten zwei Monate vor Ablauf der Gültigkeit einen Brief zukommen, der an den Termin erinnert. Mit gutem Grund: GA und Halbtax verlängern sich automatisch, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt werden.

Bei Libero passiert all das nicht. Sprecher Urs Bloch erinnert an die harsche Kritik, welche die SBB wegen der automatischen Verlängerung einstecken mussten, und hält fest: «Der Tarifverbund überlässt die Erneuerung bewusst den Kundinnen und Kunden.» Dass dies einen Brief zur Erinnerung an das bevorstehende Ablaufdatum nicht von vornherein ausschliesst, weiss Bloch zwar auch, aber: «Es gibt Kunden, die keine Benachrichtigung wünschen.»

Nur im Nebel stochern müssen die Libero-Kunden aber auch nicht. Bloch erklärt, was laut Echos aus der Leserschaft nicht einmal alle Bahnangestellten wissen: Wer erstmals ein Libero-Abo kaufe, könne wählen, ob er gar nicht – oder aber per Brief, Mail oder SMS über den Ablauf informiert werden wolle.

Selbstverständlich könne das Datum jederzeit online im eigenen Swiss-Pass-Account, an jedem bedienten Schalter oder beim Kontrollpersonal erfragt werden. «Mit dieser Regelung erfüllen wir die neue Datenschutzverordnung, die vorschreibt, dass die Kunden selber entscheiden können, ob sie Informationen zum Produkt erhalten möchten oder nicht.»

Zehn Tage Kulanz

Es gibt sogar noch einen Weg. Moderne Billettautomaten verfügen an der Unterseite des Touchscreens über einen Scanner, der die gespeicherten Informationen im Handumdrehen auf den Bildschirm holt. Dummerweise verfügen nur die Modelle der SBB über diese Funktion. Ausgerechet die im Libero-Gebiet geläufigen Automaten von BLS, RBS, Bernmobil und Postauto müssen passen. Sie werden erst im Sommer nachgerüstet.

Ein kleiner Trost bleibt all jenen, die jetzt immer noch verunsichert sind. Wer innerhalb der ersten zehn Tage mit einem abgelaufenen Jahresabo in eine Kontrolle gerät, kann auf Kulanz zählen. Sofern er in den nächsten zehn Tagen erneuert, also «ein Abo mit gleichem oder höherem Geltungsbereich kauft», wie Bloch sagt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt