Das grosse Aufatmen bei der BDP

Ihre Situation im Kanton Bern spielt für die BDP auch national eine wesentliche Rolle. Dass die Partei keine grossen Verluste erlitt, sorgt für Erleichterung.

Finanzdirektorin Beatrice Simon (BDP) hat am Sonntag erneut das beste Wahlresultat aller Regierungsräte erzielt.

Finanzdirektorin Beatrice Simon (BDP) hat am Sonntag erneut das beste Wahlresultat aller Regierungsräte erzielt.

(Bild: Raphael Moser)

Sandra Rutschi

Das Desaster ist ausgeblieben. Die BDP konnte im Kanton Bern ihre heutigen 13 Sitze im Parlament verteidigen. Die Erleichterung in der Partei ist enorm, denn sie musste mit einer heftigen Niederlage rechnen: 2014 verlor sie 11 von 25 Sitzen im Grossen Rat, ein Kandidat wanderte später zur SVP ab. 2015 wurde einer der vier Berner BDP-Nationalräte nicht wiedergewählt. Und bei Kommunalwahlen kämpfte die Partei in den letzten Jahren mit Personalproblemen und Sitzverlusten.

All dies ausgerechnet in jenem Kanton, der für die Partei auch national am wichtigsten ist. Denn drei der sieben BDP-Nationalräte und der einzige Ständerat stammen aus Bern. Das Schicksal der Partei entscheidet sich hier so­wie in den beiden anderen Ursprungskantonen Glarus und Graubünden. In all diesen Kantonen wird dieses Jahr gewählt.

Wer in diesen Tagen mit BDP-Vertretern spricht, spürt Genugtuung. «Totgesagte leben länger», sagt zum Beispiel Kantonalprä­sident Enea Martinelli. «Unser Niedergang ist von sogenannten Experten und Politologen systematisch herbeigeredet worden», doppelt BDP-Schweiz-Präsident Martin Landolt nach. Die kritische Aufmerksamkeit der Medien hat den Parteiexponenten offenbar zugesetzt.

Wähleranteile verloren

Doch auch wenn es schlimmer hätte kommen können: Allzu sehr jubeln kann die BDP in Bern nicht. Denn wer genau hinschaut, sieht, dass sie fast so viele Wähler verloren hat wie die SVP, die grösste Verliererin der diesjährigen Grossratswahlen: 2,18 Prozentpunkte. Was bei der SVP drei Sitze weniger ausmachte, bekam die BDP kaum zu spüren. «Es ist wie bei den Olympischen Spielen: Am Schluss zählen nur die Goldmedaillen», sagt Enea Martinelli.

Die Wähleranteile könnten zudem wegen der sehr tiefen Wahlbeteiligung von 30,5 Prozent auch etwas zufällig sein. «Die Schwankungen werden dadurch grösser.» Ob das Pendel nun zugunsten oder zuungunsten der BDP ausgeschlagen hat, könne niemand sagen. Dennoch: Nach diesen Wahlen ist die BDP im Kanton Bern vom Wähleranteil her nur noch die fünftstärkste Partei. Zuvor war sie diesbezüglich die Nummer drei – auch wenn die zuvor leicht schwächeren FDP und Grünen mehr Sitze im Rat hatten.

Mitte-Verbindung half

Mit schuld an der grossen Niederlage vor vier Jahren war, dass die BDP keine Listenverbindungen eingegangen war. Dieses Mal machte sie es anders – und profitierte unterschiedlich stark. In den Wahlkreisen Biel-Seeland und Thun konnte sie dank der Verbindung mit der FDP die Sitze halten, das Restmandat ging aber an die Freisinnigen. Im Kreis Mittelland-Nord, wo die BDP einen Sitz verlor, war die Partei eine eher exotische Verbindung mit den Piraten eingegangen. Eine Allianz, die nichts brachte.

Im Kreis Mittelland-Süd hingegen verlor sie mit 4,4 Prozentpunkten zwar so viele Wähleranteile wie sonst nirgends – wenn man den Berner Jura ausklammert, wo sie nicht mehr antrat. Aber sie konnte die Sitze halten dank einer Mitteverbindung mit GLP, EVP und EDU. Auch in der Stadt Bern half diese Verbindung der BDP, den Sitz von Vania Kohli zu halten. Doch Martinelli sieht darin kein Zeichen, grundsätzlich noch mehr mit EVP und GLP ­zusammenzuspannen: «Politisch steht uns die FDP in vielen Fragen näher als die GLP.»

Der letzte Zwick

Martinelli ist überzeugt, dass die Schadensbegrenzung in Bern der BDP in anderen Kantonen Aufwind geben wird. Dass die Partei Anfang März ihren Sitz in der Glarner Regierung deutlich verteidigen konnte, habe der Berner BDP im Wahlkampf auch «den letzten Zwick» gegeben. Das Resultat in Bern gebe «Zuversicht» für die Parlamentswahlen in Glarus und Graubünden im Juni, sagt Martin Landolt. Er spricht von einer Justierung: «Während die BDP bei ihren ersten Wahlen zu grosse Erfolge feiern konnte, erlitt sie bei den zweiten Wahlen zu grosse Verluste.» Nun, bei den dritten Wahlen, pendle sich die Parteistärke auf einem Fundament ein, auf das sich mit viel Arbeit aufbauen lasse. «Wir sind nun eine ganz normale Partei.»

Eine Partei allerdings, die vor viel Arbeit steht und das Zittern noch lange nicht ausgestanden hat. Denn ausser in den Ursprungskantonen spielt sie national nur eine marginale Rolle. Und im Kanton Bern gilt es, das rich­tige Personal nachzuziehen. Die Partei hat die Nachwuchsförderung vernachlässigt und baut sie nun auf. Es ist fraglich, ob die Zeit reicht, bis die nun die dritte Legislatur antretende Beatrice Simon oder der langjährige Ständerat Werner Luginbühl zurück­treten.

Berner Zeitung

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