Christa Markwalder will in den Ständerat

In einem Jahr wird das nationale Parlament neu gewählt. Bereits jetzt ist klar: FDP-Nationalrätin Christa Markwalder will für den Kanton Bern ins Stöckli.

<b>FDP-Nationalrätin Christa Markwalder</b> kandidiert 2019 für den Ständerat.

FDP-Nationalrätin Christa Markwalder kandidiert 2019 für den Ständerat. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Frau Markwalder, Sie haben bereits 2011 vergeblich für den Ständerat kandidiert. 2015 verzichteten Sie. Weshalb nehmen Sie nun einen neuen Anlauf?
Christa Markwalder: Ich bin sehr motiviert, mich weiterhin politisch zu engagieren. Der Ständerat ist insofern reizvoll, als man sich in der kleinen Kammer auch für die Interessen des Kantons starkmachen kann. Seit der letzten Kandidatur habe ich weitere wertvolle politische Erfahrungen gesammelt – unter anderem als Nationalratspräsidentin. Ich möchte die liberalen Stimmen im Stöckli stärken, was meiner Meinung nach unbedingt nötig ist.

Wie wichtig war bei Ihren Überlegungen der tiefe Frauenanteil im Ständerat?
Der spielte ebenfalls eine Rolle. Es ist eine Tatsache: Wir haben zu wenig Frauen im Ständerat. Für diese Situation ist die FDP mitverantwortlich, das muss man so sagen. Schliesslich waren früher immer mehrere Frauen aus unserer Partei im Stöckli vertreten. Momentan sitzt dort mit Karin Keller-Sutter nur noch eine Frau, die beste Aussichten auf das Bundesratsamt hat.

Sie sind seit 2003 im Nationalrat. Wird Ihnen dort langsam langweilig?
Es gibt Dinge wie Budgetdebatten, die Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik, Kredite für Bildung und Forschung oder die internationale Zusammenarbeit, die sich jährlich oder jede Legislatur wiederholen. Da nützt das lange Gedächtnis und die Erfahrung aus früheren Debatten. Gleichzeitig kommen immer wieder neue Themen und Herausforderungen aufs Tapet. Deshalb: Nein, langweilig wird mir auch im Nationalrat nicht.

Sollten die beiden bisherigen Berner Ständeräte Werner Luginbühl und Hans Stöckli noch einmal antreten, sind Sie so gut wie chancenlos. Weshalb tun Sie sich eine Kandidatur überhaupt an?
Bei einer Ständeratskandidatur kann man nur gewinnen, nicht verlieren. Der Kanton Bern braucht wieder eine liberale Stimme im Stöckli, und der Ständerat braucht wie gesagt mehr Frauen, um das breite Spektrum der Bevölkerung zu repräsentieren. Darüber kann man nicht nur lamentieren, sondern muss auch den Tatbeweis bringen. Deshalb sollen die Wählerinnen und Wähler in unserem vielfältigen Kanton eine Auswahl haben.

Gerade bei Werner Luginbühl sieht es stark danach aus, als würde er noch einmal antreten. Glauben Sie, dass Sie trotzdem eine Chance hätten?
Selbstverständlich. Als Liberale scheue ich den Wettbewerb nicht, sondern freue mich auf die inhaltliche Auseinandersetzung. Letztlich ist es eine Majorzwahl, und ich kenne mich in der Bundespolitik genauso gut aus wie die amtierenden Ständeräte. Verglichen mit Werner Luginbühl und Hans Stöckli bin ich sogar noch amtsälter.

Sie gerieten vor einigen Jahren wegen der Kasachstan-Affäre in die Schlagzeilen. Das dürfte Ihre Wahlchancen für den Ständerat nicht erhöht haben.
Da bin ich anderer Meinung. Die Affäre wurde zwar gross gekocht, aber schliesslich hat nichts dahintergesteckt. Die Bernerinnen und Berner haben mir trotz des medialen Trommelfeuers bei den nationalen Wahlen 2015 wieder ihr Vertrauen geschenkt, wofür ich sehr dankbar bin. Anschliessend hat mich das Parlament auch zur Nationalratspräsidentin gewählt.

«Die Affäre wurde zwar gross gekocht, aber schliesslich hat nichts dahintergesteckt.»Christa Markwalder

Geht es Ihnen mit der Kandidatur nicht einfach darum, im Gespräch zu bleiben?
Um Aufmerksamkeit muss ich mich zum Glück nicht sorgen. Für mich steht im Zentrum, dass die kantonale FDP Teil des schweizweiten Aufwärtstrends der Liberalen ist. Wir haben für den Kanton Bern seit sechzehn Jahren keine Person mehr im Ständerat. Um Bern als Standort zu stärken, ist es gerechtfertigt, diesen Anspruch erneut zu stellen.

Die Berner BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon könnte in vier Jahren möglicherweise zurücktreten. Wollen Sie sich mit der Ständeratskandidatur frühzeitig für dieses Amt in Position bringen?
Nein. Ich wurde bereits zweimal für den Regierungsrat angefragt. Doch ich habe mehr Freude an der Parlamentsarbeit. Ich wurde übrigens auch angefragt, ob mich der Bundesrat interessieren würde, jetzt, wo mit Johann Schneider-Ammann ein Berner FDPler zurücktritt. Aber auch da habe ich abgewinkt.

Sie haben also gar kein Interesse an einem Exekutivamt?
Sag niemals Nie. Aber ich bin mit Leib und Seele Parlamentarierin. Mir gefällt es, mit meiner Erfahrung zum langen Gedächtnis des Parlaments beizutragen. Das ist auch im Hinblick auf unsere Aufsichtsfunktion sehr wertvoll. Man hat als National- oder Ständerätin zwar weniger Macht, dafür mehr Raum, um eigene Ideen einzubringen. Das macht die Arbeit so faszinierend. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.10.2018, 06:08 Uhr

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