Chaostage bei der Berner SVP

Die SVP Parteispitze hat offenbar kalte Füsse bekommen und zieht Präsident Werner Salzmann als Ständeratskandidat zurück. Stattdessen lässt sich nun Nationalrat Albert Rösti erweichen, der bisher stets abgesagt hatte.

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Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Die Mitteilung kam am Mittwoch um 17 Uhr. Der Vorstand der SVP Kanton Bern tat Unerhörtes kund: Präsident Werner Salzmann will nun doch nicht für den Ständerat kandidieren. Erst im Juli hatte er zuversichtlich seine Kandidatur angemeldet – im Interesse der Partei.

Am Mittwochabend kam die Kehrtwende. Die SVP teilte mit, dass sich Salzmann auf die Nationalratskandidatur beschränkt und auf den Ständerat verzichtet – auch dies im Interesse der Partei. Stattdessen will nun – die zweite dicke Überraschung – Nationalrat Albert Rösti zu den Ständeratswahlen antreten. Rösti hatte in den letzten Wochen stets beteuert, er stehe keinesfalls zur Verfügung, da ihm die Zeit fehle.

Heftige Kritik an Salzmann

Nun hat sich Rösti offenbar verspätet doch noch weichklopfen lassen. Zurzeit ist unklar, was genau in den letzten Tagen passiert ist. Gemäss offizieller Darstellung verzichtete Salzmann freiwillig. Sicher scheint, dass die Parteispitze kalte Füsse bekam, weil Salzmanns Doppelkandidatur – für National- und Ständerat gleichzeitig – intern auf heftige Gegenwehr stiess.

Dass er als Neuling gleichzeitig für beide Räte kandidieren wollte, geriet vielen in den falschen Hals. Man warf ihm Eigennutz vor: Er wolle mit der werbewirksamen Ständeratskandidatur seine Wahl in den Nationalrat absichern. Das sei unfair gegenüber allen anderen, die neu für den Nationalrat kandidierten, wurde vor allem von diesen selber moniert.

Wer verhindert Joder?

Die kritischen Stimmen mehrten sich in den letzten Wochen. Zudem stieg neben Nationalrat Rudolf Joderplötzlich auch noch Peter Brand, der Chef der Grossratsfraktion, ins Rennen ein. Die ganze Übung wurde unberechenbar. Salzmann musste fürchten, am Ende an der entscheidenden Delegiertenversammlung am 22.Oktober mit abgesägten Hosen dazustehen, wenn er als Präsident den Kürzeren zieht.

Gemäss der offiziellen Mitteilung erkannte Salzmann das Problem selber, ging noch einmal auf Rösti zu und überredete ihn zur Ständeratskandidatur. Ohne das wäre es nicht gegangen. Denn mit Salzmanns Verzicht löste die SVP-Spitze ein Problem und schuf zugleich ein neues: Hätte Salzmann ersatzlos verzichtet, wären Rudolf Joders Chancen, für die Ständeratswahl nominiert zu werden, stark gestiegen.

Und dies will vor allem die Bundeshausfraktion – Joders Ratskollegen – unbedingt verhindern. Joder und der Rest der Fraktion haben sich tüchtig auseinandergelebt. Das gipfelte in der Aussage von Fraktionschef Adrian Amstutz, Joder habe sich in der Fraktion kaum engagiert und wolle nun seine Politikerzeit verlängern.

Wie übel die Stimmung ist, zeigt auch Joders Stellungnahme vom Mittwochabend. Während die SVP-Spitze von einer einvernehmlichen Lösung spricht, sagt Joder: «Ich bin überrascht, wie Rösti dem Parteipräsidenten in den Rücken fällt.» Monatelang habe Rösti Salzmanns Doppelkandidatur als Wahllokomotive im Dienste der Partei gepriesen, und jetzt sehe er sich selber als diese Lokomotive. «Hier beginnt für Rösti ein Glaubwürdigkeitsproblem.» Joders parteiinterner Wahlkampf läuft auf Hochtouren (siehe Box).

Brand verzichtet zufrieden

Der Dritte im Bunde, Peter Brand, zog seine Bewerbung am Mittwochabend zurück. Mit der Kandidatur von Albert Rösti hat Brand sein Ziel erreicht.

Berner Zeitung

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