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Cantonale – was soll das eigentlich?

Und wieder findet die Cantonale Berne Jura statt: 179 lokale Kunstschaffende zeigen ihre Werke. Aber was bringt die Jahresausstellung eigentlich? Und war früher alles besser? An diesen Fragen scheiden sich die Geister.

Verfechterin der Cantonale: Museumsdirektorin Valentine Reymond vor einem Gemälde des Künstlers Kotscha Reist.
Verfechterin der Cantonale: Museumsdirektorin Valentine Reymond vor einem Gemälde des Künstlers Kotscha Reist.
suk

Allein das Haus ist einen Besuch wert: Es ist die einstige Villa Bechler aus dem Jahr 1903, die das Musée Jurassien des Arts in Moutier beherbergt. Die mit Stuck verzierten Zimmer eignen sich bestens als Ausstellungsflächen, sei es für Videos, Installationen, Fotografie oder Malerei. Ein neuer, lichtdurchfluteter Flügel ergänzt das Museum seit 1996.

Es ist wohl der Cantonale Berne Jura zu verdanken, dass alle Jahre zahlreiche Gäste von Bern, Biel oder Interlaken nach Moutier pilgern und das Museum so mehr als lokale Aufmerksamkeit erhält. Die regionale Ausstellung findet bereits zum neunten Mal statt. Während neun Wochen zeigen neun Kunsthäuser und Museen der Kantone Bern und Jura die Werke 179 Kunstschaffender.

Jede Institution hat eine eigene Jury und wählt aus dem Pool der Bewerbungen aus. Das Anliegen der Cantonale Berne Jura ist es seit je, Grenzen zu überwinden – seien diese nun sprachlicher oder geografischer Natur. Bevor die Cantonale Berne Jura eingeführt wurde, waren es die sogenannten Weihnachtsausstellungen, die das regionale Schaffen am Ende des Jahres würdigten.

Szene öffnet sich

Valentine Reymond sagt, sie habe die Idee von Anfang an unterstützt und mitgetragen. Die 1962 in Vevey geborene Kunsthistorikerin ist seit mehr als zwanzig Jahren Leiterin des Musée Jurassien des Arts.

Es freue sie beispielsweise, die grossformatige Malerei «Time to Go» (2017) des Berner Künstlers Kotscha Reist zu zeigen. Reymond präsentiert in Moutier insgesamt Werke von 36 Kunstschaffenden aus beiden Kantonen.

Die Schau sei dicht geworden, lasse den Arbeiten aber trotzdem genügend Luft zum Atmen. Es gebe schon auch kritische Stimmen, dass nun Werke von Bernern anstelle solcher von jurassischen Künstlern im Museum hingen. Doch sie gewichte die Vorteile dieser Kollaboration weit höher. Die Szene werde dadurch aufgebrochen, sie öffne sich nach aussen, was gerade in Moutier keine Selbstverständlichkeit sei.

Sinkende Qualität?

Nicht alle teilen Reymonds Begeisterung über die Cantonale. Eine Berner Kunstschaffende, die anonym bleiben möchte, findet: «Durch die grosse Anzahl der Werke, die benötigt werden, um all diese Orte zu bespielen, wurde die Qualität nicht besser.» Die Jahresausstellung sei beliebiger geworden und habe insgesamt an Prestige verloren.

«Es gibt schon auch kritische Stimmen, dass nun Werke von Bernern anstatt solche von jurassischen Künstlern im Museum hängen.»

Valentine Reymond, Direktorin des Musée Jurassien des Arts

Es sei aber früher nicht alles besser gewesen, nur anders, räumt sie ein. Für die «Berner Weihnachtsausstellung» seien in der zweiten Runde jeweils die Originalwerke juriert worden. «Heute sendet man einfach die Dateien – bereits im August.» Sie selbst habe nicht jedes Jahr Lust auf diesen Zirkus.

Die Kunstschaffende glaubt, dass die Ausweitung der Ausstellung auf zwei Kantone vor allem den Kunsthäusern im Jura mehr Beachtung bringt. Dennoch sieht sie Chancen für alle: «Jedes Jahr gibt es tolle Sachen zu entdecken. Ausserdem sind alle Werke verkäuflich.»

Ein ebenfalls in Bern beheimateter Künstler macht dieses Jahr bewusst nicht mit. «Ich denke, alle zwei Jahre genügt.» An der Cantonale schätzt der Mittfünfziger, dass sie gut besucht werde. Die Qualität der Ausstellungsmacher empfinde er allerdings nicht überall als gleich gut.

Deshalb fände er es bereichernd, wenn nicht nur bei den Künstlern, sondern auch bei den Kuratoren der Austausch gefördert würde: «Eine sorgfältig geplante Ausstellung sollte an allen Orten machbar und das Ziel der Cantonale sein.»

Orte wie Les Halles in Porrentruy oder das Kunsthaus Interlaken zeigten, dass das möglich sei. Insgesamt kuratierten die Städte professioneller und setzten die Kunst musealer in Szene, findet er. Auf dem Land könne es chaotischer zu- und hergehen. In La Nef, der Kirche in Le Noirmont etwa, bedürfe es einiges an Investitionen. «Dem Kuratorium fehlt es an Willen und Möglichkeiten, auf die Situation zu reagieren.»

Die Stellwände und die Beleuchtung würden sich höchstens für Handarbeitsbasare eignen, meint er nicht ohne Sarkasmus. «Die Cantonale sollte als Organisation Hilfe leisten.» Natürlich habe ein Ort wie die Berner Kunsthalle ein besonderes Prestige.

Doch eine Abwertung der Kunst geschehe nicht durch den Ort, sondern wenn diese nicht sorgfältig präsentiert werde. Künstler, die auf dem Land lebten, würden wohl am meisten von dem Konzept der Cantonale profitieren, glaubt der Künstler. «Die Städter möchten ihre Kunst in der Stadt präsentieren.»

Früher seien die Ausstellungen überschaubarer gewesen, ist er überzeugt. «Die Teilnahme war für die Künstler wie ein vorweihnächtliches Familienfest.» Für die Institutionen hingegen sei die Weihnachtsausstellung oft Pflichtprogramm gewesen dazu, mehr Besucherzahlen zu generieren. Da habe die Cantonale sicher mehr Strahlkraft.

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