Bern

Bundesrat besucht technikinteressierte «Modi»

BernAm Zukunftstag brachten Spezialprogramme den Mädchen technische Berufe näher, den Buben Berufe in der Pflege.

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Tausende Mädchen und Buben haben am Nationalen Zukunftstag vom Donnerstag Arbeitsluft geschnuppert und einer Bezugsperson über die Schultern geschaut. Spezialprogramme brachten den Mädchen technische Berufe näher, den Buben Berufe in der Pflege.

Die Technische Fachschule Bern war am Donnerstagnachmittag auf jeden Fall fest in Mädchenhand. Die Schülerinnen konnten diverse technische Berufe kennenlernen und auch selber etwas herstellen, etwa ein Mühlespiel oder ein Kühlschrankmagnet mit programmierbarem Blinkpfeil.

Die Schülerinnen waren mit Eifer am Programmieren, Schrauben und Montieren. Jedes «Modi» wurde von einem Lehrling betreut und instruiert. Die Arbeit mache ihnen Spass, waren sich die Mädchen alle einig.

Prominenten Besuch erhielt die Fachschule am späten Nachmittag: Bundesrat Johann Schneider-Ammann stattete der Schule einen Besuch ab, schaute den Schülerinnen und Lehrlingen über die Schulter und stellte Fragen.

Dass sich so viele Mädchen für technische Berufe interessieren «ist wunderbar», sagte Schneider-Ammann auf dem Rundgang durch die Berner Fachschule. Jahrelang habe der Branchenverband Swissmem für mehr weibliche Lehrlinge gekämpft.

Vom Mühlespiel zum Zeppelin

Normalerweise sind die Mädchen an der Technischen Fachschule in Bern aber noch immer in der Minderzahl. Zwei angehende Elektronikerinnen berichteten am Donnerstag über ihren Beruf.

Julia Scheidegger, Lehrling im 3. Lehrjahr, erzählte von ihrem ersten Projekt, das sie ganz alleine managt: der Bau eines kleinen Zeppelins. Rund sieben Wochen Zeit hat Julia, um das Projekt zu vollenden. «Der Zeppelin sollte dann auch wirklich fliegen», so die Hoffnung der «Stiftin».

Seitenwechsel

Unter dem Motto «Seitenwechsel für Mädchen und Jungs» begleiteten am Nationalen Zukunftstag Tausende Kinder überall in der Schweiz ihre Eltern, ihren Götti, Nachbarn oder Bekannten einen Tag bei der Arbeit. Immer mehr Unternehmen machten mit und öffneten ihre Türen dem interessierten Nachwuchs, teilte die Geschäftsstelle Nationaler Zukunftstag.

Wie die Technische Fachschule Bern führen über 5410 Betriebe, Fach- und Hochschulen sogenannte Spezialprojekte durch. Ziel war es, Mädchen für traditionelle Männerberufe zu begeistern und Buben für klassische Frauenberufe.

Talente der Frauen gefragt

Die Frage der Berufswahl werde vom Bildungshintergrund der Eltern mitgeprägt, sagte Theo Ninck, Vorsteher des bernischen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes.

Der Zukunftstag ermögliche es, den Horizont zu erweitern. Gerade Kinder in städtischen Regionen kämen kaum mehr in Berührung mit der Arbeitswelt, insbesondere mit technischen oder handwerklichen Berufen. Da biete der Zukunftstag einen guten Einblick.

Die Berufswahl habe sich geschlechtsspezifisch etwas aufgeweicht, stellte Barbara Ruf, Leiterin der Kantonalen Fachstelle für Gleichstellung fest. Dennoch habe sich die Gesamtsituation noch nicht grundlegend verändert.

In den Köpfen halte sich das Vorurteil hartnäckig, dass Gesundheits- und Sozialberufe etwas für Frauen und technische Berufe etwas für Männer seien. Gerade bei Jugendlichen sei es aber wichtig, statt auf geschlechterspezifische Zuordnung auf die Potenziale der jungen Leute zu achten.

«Talente von Frauen sind gefragt», betonte Ruf. Gerade bei Mädchen sei es wichtig, früh ein Interesse an Technik zu wecken, ganz erlebnisorientiert und praxisnah.

Vorurteile abbauen

Die Angebote des Zukunftstags richten sich jeweils an Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klasse. Erklärtes Ziel des Zukunftstages ist es, jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen und zur vorurteilsfreien Berufswahl beizutragen.

Gefordert seien alle Beteiligten - die Politik, die Eltern, die Schulen und vor allem die Betriebe, schreibt die Geschäftsstelle Nationaler Zukunftstag. Unternehmen, die Frauen und Männern attraktive Berufs- und Laufbahnperspektiven bieten, gewännen geeignete Fachkräfte. Zudem seien gemischte Teams erfolgreicher.

Der Zukunftstag ist ein Projekt der Gleichstellungsfachstellen und -kommissionen der mehrere Kantone sowie der Stadt Bern und des Fürstentums Liechtenstein. Er wird vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) finanziell unterstützt. (cla/sda)

Erstellt: 12.11.2015, 19:00 Uhr

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