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Bund will Berner Gebirgslandeplätze schliessen

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) will die beiden Berner Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm aufheben. Die Umweltschutzorganisation «mountain wilderness» hält dies für eine Farce.

Die Berner Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm sollen aufgehoben werden. Der Landeplatz Gumm liegt auf 2'060 Metern über Meer, Rosenegg-West auf 3'470.
Die Berner Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm sollen aufgehoben werden. Der Landeplatz Gumm liegt auf 2'060 Metern über Meer, Rosenegg-West auf 3'470.
Grafik db, Quelle BAZL

Die Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm im Kanton Bern sollen aufgehoben werden. Dies schlägt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) vor. Es hat am Dienstag die Anhörung dazu eröffnet.

Um die Gebirgslandeplätze und das Heliskiing schwelt in der Schweiz seit Jahren ein Konflikt. Jahrelange Bemühungen um eine Einigung führten nicht zum Erfolg. Im vergangenen Frühjahr beschloss der Bundesrat deshalb, die Überprüfung der Landeplätze zu stoppen und die Zahl der Plätze zu verringern. Heute liegt die Höchstzahl bei 48 Plätzen, 42 werden betrieben. Künftig sollen es noch 40 sein.

Der Landeplatz Rosenegg-West liegt auf rund 3'470 Metern über Meer zwischen dem Wetterhorn und dem Rosenhorn zwischen dem Grindelwaldtal und dem Oberhasli. Der Landeplatz Gumm liegt auf 2'060 Metern über Meer bei der Gummfluh im Saanenland, an der Grenze zum Kanton Waadt. Beide Gebiete sind im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt.

Lage und Eignung

Die Auswahl sei das Ergebnis einer Interessenabwägung zwischen Natur-, Landschafts- und Wildtierschutz auf der einen und Flugausbildung und des Flugtrainings auf der anderen Seite, schreibt das Bazl.

Bei der Auswahl hat das Bazl berücksichtigt, ob der Landeplatz innerhalb eines nationalen Schutzgebietes liegt oder an ein solches angrenzt. Dies trifft auf 22 Plätze zu. Weiter wurde die Eignung für die Schulung und die gewerbliche Nutzung beurteilt.

Eine Rolle spielten ausserdem die Entfernung eines Landeplatzes von den wichtigsten Helikopterbasen und die räumliche Verteilung von Plätzen über die Schweiz. Die Anwendung dieser Kriterien habe die Aufhebung der Plätze Rosenegg-West und Gumm ergeben, schreibt das Bazl.

Keine weiteren Schliessungen

Die Grundsätze für das Heliskiing und für Wildruhezonen werden durch die Anpassungen nicht in Frage gestellt. Die verbleibenden Gebirgslandeplätze sollen weiterhin im bisherigen Umfang genutzt werden dürfen. Eine weitergehende Reduktion würden den Druck und damit auch die Umweltwirkungen auf die verbleibenden Gebirgslandeplätze ungebührlich erhöhen, hält das Bazl fest.

Zur Änderung des Konzepts Gebirgslandeplätze und der Verordnung über die Infrastruktur der Luftfahrt können sich nun die interessierten Kreise äussern. Gegen das Heliskiing engagiert sich vor allem die Umweltschutzorganisation «mountain wilderness».

«Reduktion ist eine Farce»

Diese hält die Reduktion von 42 auf 40 Plätze für eine «Farce», wie Geschäftsleiterin Katharina Conradin am Dienstag auf Anfrage sagte. Die Aufhebung von zwei Plätzen sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch bestünden bei rund 20 Gebirgslandeplätzen weiterhin Konflikte, beispielsweise bezüglich des Lärms.

Auch die Wahl der beiden Plätze, die nun aufgehoben werden, stösst bei der Umweltschutzorganisation auf Widerstand. Rosenegg-West sei einer der am wenigsten benutzten hochalpinen Gebirgslandeplätze, sagte Conradin. Und bei Gumm gebe es in der Nähe eine grosse Zahl an Alternativen. «Die Aufhebung der beiden Plätze tut nicht weh.»

Bern eher zurückhaltend

Der Kanton Bern selber verfolgt eine eher zurückhaltende Politik bei Gebirgslandeplätzen. Im aktuellen Richtplan heisst es, dass für die in BLN-Gebieten liegenden Landeplätze, darunter auch Gumm und Rosenegg-West, eine restriktive Nutzung festgelegt werden soll. Nötigenfalls seien die Standorte zu streichen oder durch besser geeignete zu ersetzen.

Aus einer vom Kanton Bern in Auftrag gegebenen Studie zum Interessennachweis von Heliskiing aus dem Jahr 2012 geht hervor, dass das Angebot insgesamt eher eine geringe touristische Bedeutung habe.

Hauptnutzniesser sind die Heliunternehmen sowie die Bergführerschaft. Hier schaffe Heliskiing ein willkommenes Zusatzeinkommen.

Lokal formiert sich wegen des Fluglärms aber auch Widerstand. 2013 lancierte beispielsweise der Lauterbrunner Christian von Almen eine Petition. Gefordert wurde ein Verbot von Fun- und Freizeitflügen im UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch. Rettungs- und Arbeitsflüge hingegen seien zu erlauben.

Die Petition vereinte über 9'000 Unterschriften auf sich. Die meisten Unterzeichner dürften aus dem ausseralpinen Raum stammen. «Das zeigt auf, welch hohen Stellenwert das Thema Ruhe bei diesen Personen hat, die gleichzeitig unsere Gäste sind», wurde von Almen seinerzeit in der «Berner Zeitung» zitiert.

SDA/jam

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