BLS-Werkstätte: Kanton stellt im April eine wichtige Weiche

Die ­Begleitgruppe Werkstätten prüft den Standort Biel nicht weiter als Option für den Fahrzeugunterhalt der BLS. Damit rückt wieder der ­Standort Chliforst Nord in den ­Vordergrund.

Der Standort Biel kommt für die neue BLS-Werkstätte nicht mehr infrage (Symbolbild).

Der Standort Biel kommt für die neue BLS-Werkstätte nicht mehr infrage (Symbolbild).

(Bild: Susanne Keller)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Nun ist es offiziell: Bernhard ­Antener, Präsident der Begleitgruppe Werkstätten, bestätigte am Freitag, was diese Zeitung gleichentags bereits berichtet hat. «Die Begleitgruppe ist zum Schluss gekommen, dass die SBB-Serviceanlage in Biel keine Alternative zum Standort Chliforst Nord im Westen von Bern sein kann», sagte er an einer Medienkonferenz in Bern.

Die Gruppe hat den Entscheid mit 17 zu 3 Stimmen gefällt.Zum einen ist laut Antener fraglich, ob es auf den Geleisen genügend Platz dafür haben wird, um alle erforderlichen Züge nach Biel zu bringen. Kommt hinzu, dass auch die Zufahrt zur Serviceanlage beschränkt ist und in Biel 800 Meter Abstellgleise fehlen. «Die Begleitgruppe hat gestützt auf ihren Entscheid ihre Arbeit nun eingestellt», führte Antener schliesslich aus.

SBB schiessen quer

Die verworrene Geschichte um die BLS-Werkstätte wurde gestern um ein Kapitel reicher, weil die SBB gleichentags eine ­etwas irritierende Medienmitteilung verschickten. Darin teilen sie mit: «Die SBB erachtet diesen Entscheid als verfrüht und ist weiterhin offen, mit allen Parteien nach zukunftsfähigen Instandhaltungslösungen zu ­suchen.»

Bernhard Antener im Interview:

Video: Stefan Schnyder

Und dann folgt ein Seitenhieb gegen die BLS: «Diese ­Lösungen erfordern jedoch einen gemeinsamen Willen sowie die Offenheit zu einer engen und zukunftsorientierten Zusammenarbeit», heisst es in der Mitteilung. Diese zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen SBB-Chef Andreas Meyer und BLS-Chef Bernard Guillelmon nach wie vor ist.

Der Ball liegt beim Kanton

Und so wird es nun weitergehen: Die interessierten Kreise können dem Kanton Bern bis zum 5. Februar ihre Stellungnahme zum kantonalen Richtplan einreichen. Dieses Instrument der Raumplanung wird einen Standort für die Werkstätte vorsehen. Die Kantonsregierung steht danach unter einem gewissen Zeitdruck.

Dies, weil sie dem Bundesamt für Verkehr bis im April eine ­Stel­lungnahme zum Sachplan Verkehr zukommen lassen muss. Bis dann muss der Regierungsrat Farbe bekennen und sich für den Standort Chliforst Nord oder den Alter­nativstandort in ­Nieder­bottigen entscheiden.

Stadt Bern bezieht Position

Erste interessierte Stellen haben bereits ihre Position zur Standortfrage öffentlich gemacht. ­Allen voran die Stadt Bern. Der Gemeinderat ist gegen beide ­Varianten. Die Stadtregierung ­erfüllt mit ihrer Position auch einen Auftrag des Stadtrates, der im November eine Motion gegen den Standort Chliforst Nord gutgeheissen hat. Für den Gemeinderat steht fest, dass der Bau ei­ner Werkstätte an beiden Standorten «einen schweren Eingriff in die Landschaft» darstellt.

Die zwei möglichen Standorte:Zum Vergrössern anwählen.

Auch die Regionalkonferenz Bern-Mittelland lehnt beide Standortvarianten im Westen von Bern ab. Sie ersucht den Bund und den Kanton darum, zusätz­liche Standorte zu evaluieren. ­Allerdings hat die Begleitgruppe diese Arbeit bereits gemacht.

Lässt sich jedoch einer der beiden Standorte nicht vermeiden, dann hat die Stadtregierung eine klare Präferenz für Chliforst Nord. Denn der Bau einer Werkstätte in Niederbottigen würde laut dem Gemeinderat die Stadtentwicklung gefährden. Die Stadtregierung sieht dort Potenzial für ein Quartier mit 3000 bis 6000 Einwohnern. Die SP der Stadt Bern sieht dies anders: Sie ortet dort «ein gewisses Potenzial» für den Bau der Werkstätte.

Berner Zeitung

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