BKW: Haushalte sollen Stromanbieter wählen können

Der Energiekonzern BKW plädiert für die Liberalisierung der Stromversorgung.

Suzanne Thoma, Chefin der BKW.

Suzanne Thoma, Chefin der BKW.

(Bild: Adrian Moser)

Julian Witschi

Kleinkunden sollen selber entscheiden, bei welchem Anbieter sie ihren Strom kaufen. Die BKW als Monopolistin in diesem Bereich befürwortet grundsätzlich einen neuen Anlauf zur vollständigen Liberalisierung des Strommarktes. Dies, sofern auch die Preise in der Grundversorgung nicht mehr reguliert werden. Das schreibt die BKW in ihrer Stellungnahme zur Revision des Stromversorgungsgesetzes.

Ob der Strom für die Haushalte im freien Markt billiger würde, ist fraglich. Kurzfristig gäbe es womöglich nicht sehr viele Vorteile, langfristig aber schon, sagte BKW-Chefin Suzanne Thoma am Montag bei einem Mediengespräch. Denn Wettbewerb erhöhe die Effizienz und schaffe Anreize für innovativere Produkte, zum Beispiel bei der digitalen Steuerung des Stromverbrauchs.

«Sehr nervös»

Zudem sei die Marktöffnung eine Voraussetzung für das Stromabkommen mit der EU. Wenn dieses nicht zustande komme, könnte die Versorgungssicherheit gefährdet sein, sagte Thoma. Schliesslich ist die Schweiz im Winter auf Stromimporte aus der EU angewiesen. Langsam werde sie sehr nervös, denn «die EU braucht die Schweiz halt schon weniger als die Schweiz die EU», sagte die BKW-Chefin.

Den im Monopol gefangenen Kunden darf die BKW bis jetzt einen auf den Produktionskosten basierenden Tarif für den Strom berechnen. In den letzten Jahren waren diese sogenannten Gestehungskosten höher als die Preise im Strommarkt. Im freien Markt hätten Kleinkunden also womöglich weniger bezahlt als im Monopol. Doch jetzt steigen die Marktpreise wieder. Für die Lieferung im Jahr 2020 wird die Kilowattstunde heute für 6 Rappen verkauft.

Verlust mit Wasserkraft

Zum Vergleich: Die Gestehungskosten in der Wasserkraft beziffert die BKW auf 5 Rappen pro Kilowattstunde. Zuletzt habe der Erlös nur 2,9 Rappen betragen, hiess es. Entsprechend erleide die BKW hier einen Jahresverlust von 84 Millionen Franken.

Berner Zeitung

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