Zum Hauptinhalt springen

Polizei verstärkt Präsenz vor Nachtclubs

Junge betrunkene Männer, die sich nach dem Ausgang prügeln, hielten die Berner Polizei letztes Jahr auf Trab. Mit erhöhter Präsenz will sie diesen vermehrten Auswüchsen begegnen.

Während den Ausgangszeiten will die Kantonspolizei Bern ihre Präsenz erhöhen. (Archivbild)
Während den Ausgangszeiten will die Kantonspolizei Bern ihre Präsenz erhöhen. (Archivbild)
Beat Mathys

Ein 20-jähriger stark alkoholisierter Nachtschwärmer schlägt einem 47-jährigen Mann in den späten Abendstunden in der Berner Aarbergergasse eine Flasche über den Kopf. Das Opfer verliert den Geruchssinn und bleibt lange arbeitsunfähig. Der Täter wandert neun Monate in den Bau.

Ein 29-jähriger Russe mit über zwei Promille intus prügelt sich in den frühen Morgenstunden am Bahnhof Bern mit zwei Tunesiern. Obwohl sein Opfer bereits regungslos am Boden liegt, tritt er mit dem Fuss gegen dessen Kopf. Das Opfer landet mit einem Schädelhirntrauma auf der Intensivstation. Der Täter wandert für achteinhalb Monate hinter Gitter.

Diese zwei Beispiele aus den letzten zwei Jahren geben exemplarisch wieder, wo bei der Kantonspolizei Bern der akuteste Handlungsbedarf besteht: bei der Gewalt im öffentlichen Raum ­– namentlich in städtischen Ausgehvierteln.

Mehr Anzeigen erwartet

Die steigende Anzahl schwerer Gewalttaten war am Montag an der Medienkonferenz zur Kriminalstatistik 2017 ein zentrales Thema. Nach einem Rückgang im Jahr zuvor gab es in jenem Bereich einen Anstieg um 21 Prozent auf 170 Delikte.

Am häufigsten vertreten sind Fälle von schwerer Körperverletzung, wie in den oben genannten Beispiele. Diese sind im letzten Jahr um satte 59 Prozent auf 81 Delikte gestiegen. «Das gibt uns zu denken», meinte Stefan Blättler, Kommandant der Kantonspolizei Bern. Solche bedenkliche Entwicklungen gab es ansonsten jedoch nur wenige. Fast durchs Band weg sind die Deliktzahlen rückläufig (siehe Kasten).

Alkohol als Treiber

Da Straftaten wie schwere Körperverletzung hauptsächlich in urbanen Zentren im Nachgang zu ausschweifenden Partynächten stattfinden, wollen die Behörden hier den Hebel ansetzen. So hat die Polizei etwa in Bern seit Jahresbeginn an «neuralgischen Punkten» wie der Aarbergergasse die Präsenz erhöht. Unter dem wachsamen Auge des Gesetzes sollen sich so alkoholisierte und gewaltbereite Nachtschwärmer zweimal überlegen, ob sie ein verbales Gefecht eskalieren lassen.

Die Polizeibeamten seien auch aufgefordert, die «proaktive Ansprache» anzuwenden. Will heissen: Ein Streitlustiger in angetrunkenem Zustand wird auch mal mit Worten zur Mässigung aufgefordert. Denn genau da liege oft das Problem: «Alkohol ist ein Treiber bei Gewaltausbrüchen», sagt Stefan Blättler. Wenn das Zureden nicht fruchtet, wird repressiv geahndet. Diese neue Strategie werde sich sicher in einer erhöhten Anzahl Anzeigen niederschlagen. «Denn wo mehr kontrolliert wird, wird auch mehr angezeigt», so Blättler.

Einen weiteren Nachtleben-Hotspot in Bern bildet die Schützenmatte und damit auch die Reitschule. Dort hat man es bekanntlich nicht so mit der präventiven Wirkung von Polizeipräsenz. Als Provokation will Stefan Blättler die Aufstockung aber keinesfalls verstehen. «Es geht darum, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu verbessern.»

Als weitere Massnahme plant die Polizei eine Sensibilisierungskampagne. Mittels Plakaten und Flyern will sie die Nachtschwärmer auf das drängende Problem aufmerksam machen. Auch eine Videoproduktion dazu ist in Planung. Wie bis anhin sollen Polizisten in Schulen Aufklärungsarbeit leisten. So sind es doch vorwiegend junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren, die sich im Rausch zu Gewaltdelikten verleiten lassen. Auch in Asylzentren kommen solche Module zur Sensibilisierung zum Einsatz.

Mehr Gewalt gegen Beamte

Nicht nur unter dem Ausgehvolk nimmt die Gewaltbereitschaft zu, sondern auch gegenüber Beamten. 503-mal (+18 Prozent) wurden im letzten Jahr Polizisten angegriffen oder bedroht. Dies ist jedoch kein Berner Phänomen. Laut der ebenfalls am Montag publizierten Schweizer Kriminalstatistik wurden erstmals über 3000 Straftaten von Gewalt und Drohung gegen Beamte polizeilich registriert. Dies entspricht mehr als 8 Straftaten pro Tag.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch