Berner mögen deutsche Konten

Rund 3,1 Milliarden Franken Vermögen haben reuige Steuersünder seit 2010 beim Kanton Bern deklariert. Die Steuerverwaltung hat Kenntnis von über 92'000 Konten im Ausland.

Über 60 Prozent der ausländischen Konten von Bernern befinden sich in Deutschland.

Über 60 Prozent der ausländischen Konten von Bernern befinden sich in Deutschland.

(Bild: iStock)

Sandra Rutschi

Die Galgenfrist ist abgelaufen – 12'860 Steuersünder nutzten sie. So viele Bernerinnen und Berner deklarierten seit 2010 ihr Vermögen im Ausland mit einer straflosen Selbstanzeige. Insgesamt tauchten so Gelder in Höhe von rund 3,1 Milliarden Franken auf. Der bislang veranlage Steuerertrag daraus beträgt gut 189 Millionen Franken. Allerdings sind 5350 Fälle noch offen, der Betrag dürfte also noch steigen. Die grössten Fälle sind indes veranlagt.

Wer sich selbst anzeigte, muss zwar die Steuern nachbezahlen, kommt aber um ein Strafverfahren herum. Wer hingegen jetzt noch Häuser oder Konten im Ausland vor dem Schweizer Fiskus versteckt, kann einfacher entlarvt werden und muss ­deshalb mit einem Verfahren rechnen.

Denn seit vergangenem Jahr tauscht die Schweiz automatisch steuerrelevante Daten mit 37 Ländern aus, unter anderem mit der gesamten EU. Weitere 41 Länder folgen dieses Jahr, zum Beispiel Liechtenstein.

Knapp 2 Prozent

Die Anzahl strafloser Selbstanzeigen wurde immer höher, je näher die Frist rückte. Steuerverwalter Claudio Fischer sagt, man habe zwar mit einer Steigerung gerechnet. Aber insbesondere die 4550 Meldungen von insgesamt 755 Millionen Franken Vermögen im Jahr 2017 hätten dann doch überrascht. Das war der Spitzenwert. Doch auch 2018 gingen noch 3460 Selbstanzeigen ein. Der grösste Vermögensbetrag wurde 2013 gemeldet: 12,4 Millionen Franken. 2018 kam mit einem Einzelvermögen von 4,5 Millionen Franken ein weiterer Spitzenwert hinzu.

12'860 Steuersünder und ein versteckter Steuerertrag von über 189 Millionen Franken – das sind auf den ersten Blick viele Leute und hohe Beträge. Ein Blick auf die Grösse des Kantons relativiert die Zahlen aber: Der Kanton Bern hat über 670'000 steuerpflichtige Personen, die 12'860 Steuersünder machen 1,91 Prozent davon aus. Und die 189 Millionen Franken sind 1,89 Prozent des Gesamtsteuerertrags von zehn Milliarden Franken.

Ein Datenberg

Im Dezember hat die Berner Steuerverwaltung nun erstmals Daten von der Eidgenössischen Steuerverwaltung über die Vermögenswerte aus dem Ausland erhalten. Diese werden nun automatisch mit dem Ausland ausgetauscht, um grenzüberschreitende Steuerhinterziehung zu verhindern.

Insgesamt hatten die Berner 2017 in den 34 betroffenen Ländern 92'374 Finanzkonten. Absoluter Spitzenreiter ist Deutschland: 55963 Konten und andere Vermögenswerte befinden sich dort. Das sind über 60 Prozent. Gefolgt wird Deutschland von Spanien (gut 8 Prozent), Portugal (knapp 8 Prozent) und Italien (gut 5 Prozent). Weiter in den Top Ten sind Grossbritannien, Frankreich, Luxemburg, Österreich, Belgien und Schweden.

Weshalb Deutschland ­Spitzenreiter ist und um welche Vermögenswerte es sich dabei handelt, ist noch unklar. Überraschend ist, dass mehr als die Hälfte der Meldungen Vermögen von weniger als 1000 Franken betreffen. Weitere 25 Prozent liegen unter 10'000 Franken. Beträge von über einer Million Franken weisen nur 0,4 Prozent der Konten auf.

Die Steuerverwaltung stellen die neuen Daten vor eine grosse Herausforderung. Für die straffreien Selbstanzeigen hat sie vier Stellen neu geschaffen, dennoch wird sie noch zwei bis drei Jahre brauchen, um die restlichen 5350 zu veranlagen.

Claudio Fischer geht nicht davon aus, dass wegen des automatischen Informationsaustauschs zusätzliche Stellen geschaffen werden. Kommt hinzu, dass jährlich mehr Berner Steuern zahlen. Die Steuerverwaltung will deshalb effizienter werden. Unter anderem mit der Möglichkeit, dass Steuererklärungen künftig komplett elektronisch eingereicht werden können.

Berner Zeitung

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