Berner Lehrer und Staatspersonal planen Gross-Demo im März

Die Berner Lehrer und das kantonale Staatspersonal wollen ein «Zeichen des Unmuts» setzen. Sie demonstrieren am 16. März auf dem Bundesplatz für bessere Arbeitsbedingungen.

Staatspersonal und Lehrer demonstrierten bereits im November 2012 ein erstes Mal vor dem Berner Rathaus gegen die Nullrunde beim Lohn und das Sparen bei der Bildung.

Staatspersonal und Lehrer demonstrierten bereits im November 2012 ein erstes Mal vor dem Berner Rathaus gegen die Nullrunde beim Lohn und das Sparen bei der Bildung.

(Bild: Andreas Blatter)

Die Berner Lehrkräfte, Kantons- und Gesundheitsangestellten kämpfen gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen und konkurrenzfähige Löhne. Mit einer Kundgebung am 16. März auf dem Bundesplatz wollen sie ihren Forderungen Nachdruck verleihen.

Seit 15 Jahren komme die kantonale Personalpolitik nicht vom Fleck, kritisierten Sprecher aller grossen Berufs- und Personalverbände am Mittwoch vor den Medien. Die Folge sei eine völlig ungenügende Lohnentwicklung. Dazu kämen erhebliche Verschlechterungen bei den Pensionskassen.

Entsprechend gross sei der Unmut des Personals. Würden die Anstellungsbedingungen nicht endlich besser, sei die Qualität der Schulen und Spitäler genauso in Gefahr wie die öffentliche Sicherheit.

Die Kundgebung vom 16. März soll die grösste Demo der Kantonsangestellten seit 2002 werden. Mehr als 10'000 Teilnehmer werden an jenem Samstagnachmittag auf dem Bundesplatz erwartet.

Mit der Demo wollen die Personalverbände Druck auf den Grossen Rat machen, der im Juni über die Verankerung eines verlässlichen Lohnaufstiegs debattieren wird. Dabei geht es um eine Grundforderung der Personalverbände. Der Regierungsrat schlägt eine verbindliche Regelung vor, doch die vorberatende Kommission will nur dann mehr Lohn gewähren, wenn es die Kantonsfinanzen zulassen.

Lehrer und Polizisten schielen auf Nachbarkantone

Dagegen wehrt sich das Personal. Schliesslich seien die Löhne des Kantons Bern immer weniger konkurrenzfähig. So verdienten Lehrer im Bernbiet nach elf Berufsjahren weniger als in jedem anderen Kanton, betonte Martin Gatti, Präsident des Berufsverbandes Lebe.

Im Freiburgischen könne ein Lehrer 1000 Franken mehr pro Monat verdienen. Dieses Ungleichgewicht führe dazu, dass sich der Mangel an qualifizierten Lehrkräften noch akzentuieren werde.

Ähnlich sei es bei der Polizei, berichtete Bruno Mühlethaler vom Berufsverband PVBK. Die Rekrutierung werde immer schwieriger, weil die Einstiegslöhne zu tief seien - und dass Berner Polizisten in andere Polizeikorps oder in die Privatwirtschaft wechselten, sei heute keine Seltenheit mehr.

Gefährliche Sparmassnahmen

Unzufrieden mit der Situation sei auch das Spitalpersonal, sagte Rosmarie Glauser vom Assistenz- und Oberarztverband VSAO. Die Spitäler stünden unter enormem Kostendruck wegen der neuen Spitalfinanzierung und den immer geringeren Mitteln, die der Kanton zur Verfügung stelle.

Die Folgen müssten die Pflegenden ausbaden - und letztlich die Patienten. Denn wenn bei den Personalkosten gespart werde, sinke die Pflegequalität. Der Service Public funktioniere heute nur noch, «weil das Gesundheitspersonal halt ein Helfersyndrom hat» und sich die Leute schier zu Tode arbeiteten. Ähnlich äusserte sich Tamara Bütikofer vom Schweizerischen Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer.

Länger arbeiten für weniger Rente

Die anstehende Grossratsdebatte über den verlässlichen Lohnaufstieg sei einer der Beweggründe für die Kundgebung, sagte Matthias Burkhalter vom Bernischen Staatspersonalverband. Es sei aber generell so, dass das Fass am Überlaufen sei.

Denn die tiefen Löhne seien nicht das einzige Problem des Personals. Ebenfalls in diesem Jahr werde ja die Revision der Pensionskassen im Grossen Rat behandelt, und auch dort werde vom Personal einiges abverlangt.

«Wir sollen länger arbeiten, mehr einzahlen und am Schluss auch noch tiefere Renten bekommen», fasste VPOD-Geschäftsführer Blaise Kropf die Vorlage aus Sicht des Personals zusammen. Er signalisierte aber auch, dass es für das Personal einfacher wäre, einen Pensionskassen-Kompromiss anzustreben, wenn im Gegenzug der verlässliche Lohnanstieg beschlossen würde.

Ansonsten haben die Personalverbände noch einen Trumpf im Ärmel: Die «Initiative für faire Löhne», die Ende 2011 eingereicht wurde. Sollte das Parlament den Plan des Regierungsrats für den verlässlichen Lohnanstieg abweisen, könnte das Volk via Initiative korrigierend eingreifen.

tag/sda

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