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Berner Kirchen und Pfarrer warnen vor reiner Sparübung

Der Kanton Bern will das Verhältnis zu den Kirchen lockern. Die bernischen Landeskirchen äussern sich kritisch zu den Plänen und lehnen eine reine Sparübung ab.

Die bernischen Landeskirchen warnen vor einer reinen Sparübung durch den Kanton.
Die bernischen Landeskirchen warnen vor einer reinen Sparübung durch den Kanton.
Susanne Keller

Die drei bernischen Landeskirchen sind bereit, über ihr Verhältnis zum Staat zu diskutieren. Eine reine Sparübung des Kantons auf ihre Kosten lehnen sie aber ab. Ähnlich sehen es die Pfarrer.

Als Kantonsangestellte seien sie sich «gesicherte, verlässliche Arbeitsbedingungen» gewohnt, sagte Michael Graf, Präsident des evangelisch-reformierten Pfarrvereins Bern, am Freitag vor Medienschaffenden. Dies müsse so bleiben, auch wenn die Geistlichen künftig von der Kirchen angestellt würden.

Die Regierung wolle sich der Pfarrer entledigen, ohne die künftigen Anstellungsbedingungen auch nur zu skizzieren, kritisierte Graf. Da der Kanton gleichzeitig die finanziellen Mittel kürzen wolle, drohe ein weiterer Abbau von Pfarrstellen. Die angestossene Totalrevision des Kirchengesetzes stehe so unter einem schlechten Stern.

Graf äusserte sich an der gemeinsamen Medienkonferenz der drei bernischen Landeskirchen. Reformierte, katholische und christkatholische Kirchenvertreter beteuerten dabei, sie seien offen für den Dialog.

Der Expertenbericht sei eine trotz einiger Lücken und Unschärfen eine gute Diskussionsgrundlage. So zeige er auf, dass die Kirchen mehr für die Gesellschaft leisteten als der Staat für die Kirchen bezahle.

Enttäuschend sei allerdings, was der Regierungsrat aus den Erkenntnissen mache. Er wolle die Administration der Pfarrstellen an die Landeskirchen übertragen, ohne zu erklären, was genau er unter einem «neuen, zeitgemässen Finanzierungssystem» verstehe.

Die Kirchen können sich zwar vorstellen, die Pfarrer künftig selber anzustellen; sie warnen aber davor, dass die Neuordnung zu einer weiteren Sparübung verkomme. 2013 habe man in dieser Hinsicht schon unliebsame Erfahrungen gemacht.

Dialog statt Anerkennung

Dass der Regierungsrat vorläufig keine weiteren Religionsgemeinschaften anerkennen will, können die Landeskirchen nachvollziehen. Wichtig sei, dass der 1994 von ihnen angestossene Dialog der Religionen weitergehe. «Wir unterstützen diesen Dialog nach wie vor mit einer namhaften Summe», betonte Andreas Zeller, Präsident des Synodalrats der Reformierten Kirche.

Selbst Muslime hielten eine Diskussion über die öffentlich-rechtliche Anerkennung für noch zu früh, sagte Zeller auf eine entsprechende Journalistenfrage. Ihnen seien andere Dinge zurzeit wichtiger, beispielsweise die Zulassung einzelner Imame in Gefängnissen.

Enttäuschung bei Freikirchen

Wenig Begeisterung lösten die Vorschläge des Regierungsrats bei den Parteien aus. Die EVP etwa zeigte sich enttäuscht, dass Freikirchen weiterhin ohne öffentlich-rechtliche Anerkennung und damit ohne kantonale Beiträge auskommen sollen. Dabei erfüllten sie wie andere christliche Gemeinschaften wichtige gesellschaftliche Aufgaben.

Den Jungfreisinnigen gehen die Vorschläge zu wenig weit. Mittelfristig brauche es eine Trennung von Kirche und Staat.

SP und BDP begrüssten die Absicht der Regierung, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat auf eine zeitgemässe Basis zu stellen. Die SVP befand, die weiteren Schritte seien sorgfältig zu prüfen. So sei unbedingt davon Abstand zu nehmen, weitere religiöse Gemeinschaften – «namentlich den Islam» – staatlich anzuerkennen.

Aus Sicht der Freidenker will der Regierungsrat nur einige administrative Retouchen am heutigen System vornehmen. Doch innert einer Generation werde die politische Mehrheit von Kirchenmitgliedern dahinschwinden, und dann werde der Kanton Bern nicht mehr um wirkliche Reformen herumkommen.

SDA/jam/tag

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