Berner Bilder, die Geschichte schrieben

Mehrere Tausend Bilder im kantonalen Staatsarchiv zeigen die Berner Geschichte im 20. Jahrhundert. Besonders umfangreich ist das analoge Archiv der Berner Zeitung. Bilder von bedeutenden Pressefotografen sind nun digital abrufbar.

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Geschichte beginnt, wenn ein ­Augenblick vorbei ist. Die ersten, die Geschichte schreiben, sind deshalb meist Medien wie Tageszeitungen. Sie halten wichtige Momente für ihr Publikum und somit für die Ewigkeit fest.

In diesen Wochen sind dies die Schäden nach dem Sturm Burglind oder der Wechsel der Stadt Moutier in den Kanton Jura. In der Vergangenheit waren es etwa der Besuch von Eva «Evita» Perón in Bern im August 1947 oder die Verhüllung der Berner Kunsthalle durch Christo und Jeanne-Claude im Juli 1968.

Dabei sagen die Bilder mehr als tausend Worte und berühren spätere Betrachter oft mehr als die dazugehörigen Texte. Das ist den Mitarbeitenden im Staatsarchiv des Kantons Bern bewusst: In den letzten Jahren haben sie Tausende Pressebilder archiviert, die den Kanton Bern im 20. Jahrhundert zeigen.

Das gesamte jährliche Digitalisierungsbudget von 15000 Franken fliesst in diese Arbeit. Ein grosser Teil der Fotoauszüge und Negative aus den Jahren von circa 1920 bis 2000 ist nun unter www.be.ch/inventar digital abrufbar. Von anderen sind Auszüge erhältlich.

Bilder der Berner Zeitung

Mit einer halben Million Bilder ist das analoge Pressearchiv der Berner Zeitung die grösste Sammlung im Staatsarchiv. Es umfasst Fotografien von circa 1950 bis 2000. Anfangs kaufte die Berner Zeitung die Bilder von Auftragsfotografen wie Walter Nydegger.

Ab den 1970er-Jahren beschäftigte die Zeitung eigene Fotografen wie etwa Andreas Blatter, Urs Baumann und Eduard Rieben. Nur dank 150'000 Franken von diversen Stiftungen konnte das Archiv erhalten bleiben. Aus urheberrechtlichen Gründen sind die Fotos allerdings nicht digital abrufbar.

Anders die Archive einzelner Pressefotografen. Das älteste ist der Fotonachlass von Carl Jost (1899 bis 1967), der ab 1930 bei allen wichtigen politischen Ereignissen in Bern und Umgebung mit der Kamera dabei war.

Die Geschichte dieses Nachlasses klingt wie ein Krimi: Eine Woche vor dem Abriss eines Bauernhauses in Riggisberg rückte Staatsarchivarin Barbara Studer aus. In Bananenkisten unter Heu fand sie die Negative – voller Schimmel und Silberfische. Die Mitarbeiter kopierten und digitalisierten die Bilder, mussten aber viele Originale wegwerfen.

Weitere Bilder werden folgen

Weitere bedeutende Nachlässe, die nun digitalisiert sind, stammen von Walter Nydegger und Martin Hesse. Nydegger (1912 bis 1986) war der erste Berner Pressefotograf mit bedeutenden ­Reportagen und gilt als Pionier in der Pressefotografie.

Er arbeitete für mehrere Illustrierte und ­Tageszeitungen und dokumentierte seine Bilder gewissenhaft, nun sind 22'500 dieser Fotografien digital verfügbar. Hesse (1911 bis 1968) war der Sohn des Schriftstellers Hermann Hesse und machte vorwiegend dokumentarische Aufnahmen aus Bern und der Umgebung mit Stadt- und Landschaftsfotografien sowie Personenaufnahmen.

In den kommenden Jahren will das Staatsarchiv auch weitere Archive digital erschliessen. ­Dabei hat jenes Material Vorrang, das ohne Massnahmen kaputtgehen würde – wie es beim Nachlass von Carl Jost fast passierte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2018, 18:46 Uhr

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