«Bern erneuerbar» würde Mieten in die Höhe treiben

Die kantonalen Energievorlagen drohen die Mieten in Altbauten zu verteuern. Während der Schweizer Mieterverband schon länger darauf hinweist, unterschlägt dies der kantonale Verband im Abstimmungskampf.

Dämmen der Aussenwände gehört bei Altbausanierungen dazu. Ölheizungen lassen sich meist erst danach durch alternative Heizsysteme ersetzen.

Dämmen der Aussenwände gehört bei Altbausanierungen dazu. Ölheizungen lassen sich meist erst danach durch alternative Heizsysteme ersetzen.

(Bild: Keystone)

Christoph Aebischer@cab1ane

Vier Fünftel aller Häuser im Kanton Bern sind Altbauten – zum grössten Teil öl- oder gasbeheizt. Sie müssen saniert werden, wenn vollständig auf Öl- und Erdgasheizungen verzichtet werden soll. Denn viele alternative Systeme sind leistungsschwächer. Weil fossile Brennstoffe dem Klima schaden, sollen sie als Heizenergie verboten werden. Dies verlangt sowohl die Initiative «Bern erneuerbar» wie auch der Gegenvorschlag.

Der kantonale Hauseigentümerverband (HEV) warnt, ein Ja zu einer der beiden Vorlagen am 3.März führe zu höheren Mietzinsen, weil Sanierungskosten auf die Mieter überwälzt würden. Der schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband befürchtet dies ebenfalls (siehe Box).

Die Sanierung von 2007

HEV-Sekretär Hans Bättig zeigt an einem konkreten, aber anonymisierten Beispiel aus der Nordwestschweiz die Auswirkungen. Der Anwalt begleitete die Sanierung eines 50-jährigen neunstöckigen Hochhauses mit rund 50 Wohnungen. Diese waren günstig vermietet – im Schnitt zu 950 Franken monatlich. «Der Besitzer rüstete das Gebäude auf den alten Minergiestandard auf.» Dies wird im Minimum nötig sein, um die hohen Ziele der bernischen Energievorlagen zu erreichen, wie Bättig betont. «Die Initianten gingen sogar vom Minergie-P-Standard aus, damit es zu keinem Energieengpass kommt. Das Papier dazu wurde aber aus dem Internet entfernt», ergänzt er.

Das Hochhaus wurde laut Bättig 2007 komplett saniert. Das kostete 12,7 Millionen Franken. «Könnte der Besitzer nichts davon auf die Zinsen überwälzen, würde er 10 Jahre lang nichts verdienen», rechnet Bättig vor. Im vorliegenden Fall wurden 60 Prozent als wertsteigernder Anteil angenommen. Zulässig wären bis zu 70 Prozent.

Diese 7,6 Millionen Franken, also 60 Prozent der Gesamtkosten, konnte der Besitzer auf die Mietzinsen überwälzen und nach gängigen Regeln in 25 Jahren amortisieren, der angenommenen Lebensdauer der Installationen. Bei einem Referenzzinssatz von 2,25 Prozent resultierten für eine Zweieinhalbzimmerwohnung eine Mietzinserhöhung zwischen 250 und 275 Franken. Für eine bescheiden bemessene Viereinhalbzimmerwohnung waren es 415 bis 457 Franken – im Gesamtdurchschnitt rund 330 Franken.

Minergie-P rechnet sich nicht

Natürlich betraf der Mietzinsaufschlag zu einem gewissen Teil Massnahmen, die den Energieverbrauch nicht senken. Eine neue Küchenkombination etwa hat nichts mit Dämmung zu tun. «Bei einer normalen Sanierung fallen etwa die Hälfte der Kosten für die Gebäudehülle an, bei Minergie sind es mindestens zwei Drittel der Gesamtkosten», schätzt Bättig. Bei Minergie P passt er. Das rechne sich bei Altbauten so oder so nicht.

290 Franken extra pro Mieter

«Beim aktuellen Beispiel kostete also Minergie die Mieter rund 220 Franken pro Monat», folgert Bättig. Ein Teil sollte dank Einsparungen beim Heizen wieder zurückfliessen. Doch das vorliegende Haus wird heute immer noch mit Gas beheizt. Es müsste also noch einmal aufgerüstet werden, um ohne fossile Energie auszukommen. Die Mehrkosten einer Alternativheizung würden den Mietzins laut Bättig um weitere 70 Franken erhöhen.

«Zudem», fährt er weiter, «brauchen neue Heizsysteme Strom, der künftig teurer als heute sein wird.» Gute Isolation hilft zwar Energie sparen, aber dass für die Mieter finanziell etwas herausschaut, bleibt für Bättig auch längerfristig illusorisch. Unter dem Strich bleibt also eine energetisch bedingte Mietzinserhöhung von 290 Franken – und dies, wie Bättig anfügt, ohne dass der ursprünglich als Voraussetzung erachtete Minergie-P-Level erreicht wäre.

Berner Zeitung

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