Bern braucht Brückenbauer

Der Kommentar von BZ-Chefredaktor Simon Bärtschi zur Ständeratswahl im Kanton Bern.

Simon Bärtschi@SimonBaertschi

Es gibt noch keine Sieger im Rennen um die Berner Ständeratssitze. Niemand erreichte das absolute Mehr im ersten Wahlgang. Damit kommts in einem Monat zur zweiten Runde.

Der bisherige SP-Mann Hans Stöckli liegt knapp vorn, dicht gefolgt von Regula Rytz und SVP-Vertreter Werner Salzmann. Der Erfolg der Grünen-Präsidentin ist nachvollziehbar. Sie verkörpert die aktuellen Trends dieser Wahl: Klimaprotest und Aufbruch der Frauen.

Rytz hat mit ihrem guten Abschneiden in den grossen Agglomerationen den Bisherigen Hans Stöckli fast noch überholt. Jetzt stellt sich die Frage, ob sich die Grüne im zweiten Wahlgang zurückzieht, um den Weg für Stöckli frei zu machen.

Was Links angekündigt hat, funktioniert rechts nicht. Freisinnige und SVP müssten sich jetzt zusammenraufen und sich voll hinter eine Kandidatur stellen, die den bürgerlich dominierten Kanton Bern vertreten kann. Doch die Profile von Werner Salzmann und von der bereits abgeschlagenen Christa Markwalder liegen derart weit auseinander, dass ein Schulterschluss unwahrscheinlich ist.

Nur so bliebe ein Hauch einer Chance gegen Beatrice Simon aus der Mitte. Sie ist zweifach bestgewählte Regierungsrätin. Die populäre Frau hat im ersten Wahlgang zwar enttäuscht, wird im zweiten Wahlgang aber volle Unterstützung aus der Mitte sowie auch von bürgerlichen Wählern erhalten, die nicht stramm rechts wählen wollen. So ist wahrscheinlich, dass in der zweiten Runde Stöckli und Simon oben ausschwingen.

Damit wäre Bern wiederum mit geteilter Standesstimme in der kleinen Kammer vertreten – was ihn gut repräsentiert. Bern ist ein Mix aus Stadt und Land. Deshalb braucht er im Ständerat auch Brückenbauer. Sie sollen Stadt und Land zusammenhalten.

Schmerzlich könnte es einmal mehr für die Berner SVP werden, die bis 2008 durchgehend in der kleinen Kammer vertreten war. Allein und mit einem klar auf der Parteilinie politisierenden Kandidaten schafft sie es nicht. Nur wer Kräfte bündelt, hat eine Chance.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt