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Bern bilingue fordert Alternative zu «Mille feuilles»

Berner Schulen sollen selber entscheiden dürfen, ob sie mit dem bisherigen Französischlehrmittel unterrichten oder eine Alternative vorziehen.

Am Lehrmittel «Mille feuilles» scheiden sich die Geister.
Am Lehrmittel «Mille feuilles» scheiden sich die Geister.
Archiv/Daniel Desborough

Wer gut und gerne mit den bisherigen Lehrmitteln «Mille feuilles» und «Clin d'oeil» arbeite, solle dies weiterhin tun können. Für alle anderen soll es ab Sommer 2020 eine Alternative geben, ist der Verein zur Förderung der Zweisprachigkeit im Kanton Bern überzeugt. Die kostspieligen Bemühungen um Nachbesserungen bei den beiden Lehrmitteln seien abzubrechen.

Eine Alternative zu den oft kritisierten zwei Lehrmitteln gab es bisher nicht. Eines der Ziele der neuen Lehrmittel war eine Harmonisierung des Fremdsprachenunterrichts. Daher verzichteten die sechs Kantone, die das Lehrmittel gemeinsam erarbeiten liessen darauf, den Schulen eine Auswahl an Lehrmitteln zu geben.

Anpassung an Lehrplan 21

Basel und Bern sind zwei jener sechs Kantone entlang des Röstigrabens, die sich vor Jahren zusammengetan haben und unter dem Stichwort Passepartout ein neues Fremdsprachenlernkonzept erarbeitet haben. Daraus erwuchsen die beiden Lehrmittel «Mille feuilles» für die Primarstufe und «Clin d'oeil» für die Sekundarstufe.

Der «Passepartout-Lehrplan» setzt etwas höhere Ziele im Französischunterricht als der Lehrplan 21. Seit der Einführung des Passepartout-Lehrplans reisst die Kritik daran nicht ab. Verschiedene Studien zeigen auf, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit die Ziele des Französischunterrichts nur teilweise erreichen. Namentlich beim Wortschatz und der Grammatik hapert es.

Bern bilingue hat vom Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg nun die vorhandenen wissenschaftlichen Arbeiten über den Einsatz der beiden Lehrmittel zusammentragen und auswerten lassen.

Die Studien zeigen, dass die Primarschüler am Ende der Schulzeit die Grundkompetenzen nach Lehrplan 21 im Hörverstehen zu 87 Prozent erfüllen, beim Leseverstehen sind es 62 Prozent und beim Sprechen 42,5 Prozent, wie Esther Peyer, Autorin der Metastudie, am Dienstag vor den Medien ausführte.

Beim Passepartout-Lehrplan mit den etwas höheren Lernzielen fallen die Zahlen noch tiefer aus. Beim Hören erreichen 57 Prozent die Ziele, beim Lesen 33 Prozent und beim Sprechen nur 11 Prozent. Das Schreiben wurde in dieser Studie nicht getestet.

Das Fussbad

Besonders in der Kritik steht der neuartige Ansatz der beiden Lehrmittel. So sollen Kinder und Jugendliche nicht mehr systematisch Grammatik und Wortschatz büffeln, sondern dies anhand von alltäglichen Situationen «en passant» mitlernen. «Immersion» nennt sich das Konzept - eine Art Sprachbad.

Doch das «Sprachbad ist lediglich ein Fussbad, wie sich zeigt», sagte Bern bilingue-Präsident Alexandre Schmidt am Dienstag vor den Medien. Schmidt forderte unter anderem, dass der Passepartout-Lehrplan an den Lehrplan 21 angepasst wird. Weiter soll das zweisprachige Unterrichtsangebot im Kanton Bern ausgebaut und der Schulaustausch mit der Westschweiz gefördert werden.

Aufenthalte in der Romandie seien aus der Mode gefallen, bedauerte Schmidt. Dabei bestünden schlüsselfertige Angebote, die allerdings nur von wenigen genutzt würden.

Thomas Raaflaub, selber während 40 Jahren Lehrer, hat mit den beiden Lehrmitteln unterrichtet - problemlos, wie er am Dienstag sagte. Doch der neue Ansatz bedinge, dass die Lehrpersonen ein hohes Sprachniveau erfüllten.

«War man bei den alten Lehrmitteln der Klasse ein Kapitel voraus, konnte man Unterricht erteilen», sagte Raaflaub. Dies gehe mit dem heutigen System nicht, denn eine Lehrperson habe viel stärker mit spontanen Sprachsituationen zu tun, die sich nicht vorbereiten liessen.

Raflaub pochte deshalb darauf, dass Französischlehrkräfte besser geschult werden. «Ein Schwimmlehrer muss auch schwimmen können und kann nicht nur vom Beckenrand aus das Schwimmen erklären», betonte Raaflaub.

Letztlich hänge der Erfolg beim Französischlernen aber nicht nur vom Lehrmittel ab, gab Professor Thomas Studer vom Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg zu bedenken. Für die Motivation entscheidender sei zum Beispiel die Einstellung der Eltern gegenüber der Fremdsprache.

SDA/mb

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