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Bergwärts

Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang zog die Familie Siegenthaler aus Oberwil im Simmental in Richtung Alp. Die 16 Kühe grasen nun während einer ­Woche auf der Vorweide im Schöneboden. Ein wahrlich schöner Ort.

Hansjürg Siegenthaler führt die 15 Tiere zählende Kuhherde in Richtung Schönebode.
Hansjürg Siegenthaler führt die 15 Tiere zählende Kuhherde in Richtung Schönebode.
Christian Pfander
Alpaufzug: Die Tiere machen sich auf den Weg Richtung Schöneboden.
Alpaufzug: Die Tiere machen sich auf den Weg Richtung Schöneboden.
Christian Pfander
Und Siegenthalers erholen sich von einem anstrengenden Tag.
Und Siegenthalers erholen sich von einem anstrengenden Tag.
Christian Pfander
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Auf dem Hof der Familie Hansjürg Siegenthaler herrscht Aufbruchstimmung. Es ist 9 Uhr und der Himmel stahlblau, am ersten Tag des meteorologischen Sommers kommen Sommergefühle auf. Die Kühe im Stall spüren, dass dieser Freitagmorgen ein besonderer Tag ist. Sie hören wohl, dass die unter dem Vordach auf­gehängten grossen Treicheln heruntergeholt werden.

Eine Viertelstunde dauert es, und jedes Tier hat seine Treichel am Hals. Farbige Schnüre werden gespannt, um den Tieren den Weg auf der Hofzufahrt zu weisen. Eine Kuh erhält eine Sonderbehandlung: Die 17-jährige Miss wird im Viehanhänger transportiert. Der Marsch zur Vorweide wäre zu anstrengend.

Kurz vor 9.30 Uhr lässt Bauer Siegenthaler die Kühe aus dem Stall. Voller Energie rennen sie zur Strasse. Die Helfer müssen auf der Hut sein, damit die Tiere nicht in die falsche Richtung laufen. Als es in den Wald geht, beruhigt sich die Herde. Hansjürg Siegenthaler marschiert voraus und leitet die 15 Kühe mit Zurufen. Martina Lempen, welche die Familie Siegenthaler im kommenden Alpsommer tatkräftig unterstützen wird, bildet den Schluss. Sie schaut, dass die Herde kompakt bleibt. Eine sanfte Berührung mit dem Holzstecken genügt, um die Tiere zu lenken.

Es fällt auf, dass die Kühe nicht auf der Schotterstrasse gehen. Sie suchen immer das schmale Grasband am Rand. Die spitzen Steine seien unangenehm und könnten schmerzen, begründet Hansjürg Siegenthaler dieses Verhalten. Höhenangst haben die Tiere nicht. Nahe bewegen sie sich am Abgrund. Ein falscher Tritt, und es geht 100 Meter in die Schlucht hinunter. Vor ein paar Jahren sei ein Tier von der Herde abgedrängt worden und abgestürzt. Es war auf der Stelle tot.

In zügigem Tempo geht es den Morgetebach entlang bergwärts. Richtig aufgedreht ist Hund Rex. Immer wieder treibt er die Kühe bellend an und kommt den Klauen gefährlich nahe. Es ist nicht nur wegen des möglichen Ausschlagens ratsam, nicht allzu nahe hinter den Tieren zu bleiben. Plötzlich heben die Kühe unvermittelt den Schwanz, um sich zu erleichtern. Die Bodenspritzer haben eine unerwartet grosse Reichweite.

Der Alpaufzug hat eine unerwartete, aber stille Beobachterin. Auf einem Felsblock steht eine mit Moos überwachsene Schaufensterpuppe. Welcher Scherzbold hat sie wohl dorthin gestellt? In engen Serpentinen gehts zum Tagesziel, das nach einer Stunde erreicht ist. Die Kühe haben nur noch ein Ziel: sich auf der saftigen Bergwiese zu stärken. Sie beachten den in der Sonne ­glitzernden Wasserfall des Morgetebachs nicht. Der neutrale Besucher stellt fest: Der Name des Ortes stimmt – Schönebode.

Als letzte knifflige Aufgabe steht das Abnehmen der Treicheln an. Die Kühe haben sich auf der ­ganzen Weide verteilt und lassen sich nur ungern vom gedeckten Tisch wegbringen. Nun ist die richtige Taktik gefragt, ja nicht auf der falschen Seite stehen. Hansjürg Siegenthaler packt eine Kuh kräftig bei den Hörnern, und im Nu ist die Treichel weg.

Die Kühe werden eine Woche im Schönebode bleiben. Danach ziehen sie für zehn Tage auf den Underbärg. Um den 18. Juni herum geht es zum Endziel auf die Alp Obriste Morgeten. Dort erhalten die 16 Kühe Gesellschaft von rund 25 Rindern, einem Dutzend Kälbern, 5 Ziegen, 3 Schweinen, 1 Hund, 3 Katzen und ein paar Hühnern. Der Alpsommer unterhalb des Morgetepasses kann definitiv beginnen.

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