Die Direktion hätte handeln müssen

Bellelay

Es gab weniger zu tun, doch niemand wurde entlassen. Deswegen gerieten die Finanzen der psychiatrischen Klinik Bellelay in Schieflage. Massnahmen wären schon 2014 nötig gewesen – doch die Direktion handelte nicht.

Die psychiatrische Klinik Bellelay steht in finanzieller Schieflage.

Die psychiatrische Klinik Bellelay steht in finanzieller Schieflage.

(Bild: zvg)

Sandra Rutschi

Alle drei psychiatrischen Kliniken müssen sparen, um ab 2017 auf eigenen Beinen stehen zu können. Doch keine trifft die Auslagerung aus der Kantonsverwaltung so hart wie die Psychiatrischen Dienste Biel-Seeland-Berner Jura (PDBBJ) mit Hauptsitz in Bellelay.

Während die UPD Waldau und das PZM Münsingen lediglich 12 Prozent ihres Aufwandes einsparen müssen, wartet auf Bellelay eine Rosskur von 22 Prozent, also 9,4 Millionen Franken. Die Zahlen beziehen sich auf die Ergebnisse der Kliniken von 2014 und entsprechen den Defiziten, die diese in diesem Jahr als eigenständige Unternehmen erzielt hätten.

Künftige Mieten für heutige Kantonsliegenschaften oder die Finanzierung von Infrastruktur wie etwa dem IT-Bereich schlagen bei allen Kliniken zu Buche. In Bellelay jedoch lässt etwas aufhorchen: 2014 wurden Leistungen von 3 Millionen Franken nicht erbracht, die mit dem Kanton vereinbart gewesen wären.

Zu wenig Personal abgebaut

Wie die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) nun bestätigt, heisst das konkret: Die PDBBJ haben zwar weniger geleistet, aber keine Leute entlassen. «Eigentlich hätten die PDBBJ bereits ab 2014 zusätzliche Umstrukturierungsmassnahmen einleiten müssen, inklusive Personalabbau», sagt GEF-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat.

Zwischen 2010 und 2014 sanken die stationären Pflegetage der Klinik um rund ein Drittel. Man behandelte zwar gleich viele Fälle wie zuvor. Doch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten ging zurück – was versorgungspolitisch erwünscht ist. In Bellelay herrschte diesbezüglich grosser Handlungsbedarf: 2011 und 2012 lag die Institution mit durchschnittlich 44 Tagen Aufenthaltsdauer massiv hinter den beiden anderen Kliniken zurück, die sich bei rund 30 Tagen bewegten.

Um die Finanzen im Lot zu halten, hatte Bellelay zwei Möglichkeiten: mit mehr Fällen einen grösseren Gewinn zu erzielen oder aber mit einem Personalabbau Kosten zu sparen. Im Mai 2013 schloss die Geschäftsleitung 36 Betten und reduzierte Personal – allerdings wurden lediglich natürliche Abgänge nicht ersetzt. 35 Vollzeitstellen konnte die Direktion seither so abbauen.

In der Folge sanken die stationären Pflegetage aber noch mehr. Die Direktion rund um Laslo Pataki, der per Ende Jahr zurücktreten wird, ging aber weiterhin davon aus, dass die natürliche Fluktuation beim Personal genügen würde, um das aufzufangen. Ein Fehlentscheid, wie die Ergebnisse zeigen.

Hälfte sollte bereits weg sein

Dieser Fehlentscheid ist der Grund dafür, dass Bellelay nun im Vergleich zu den anderen Kliniken massiv mehr einsparen muss. Er bestärkt zudem den Eindruck von Insidern, laut denen bei den PDBBJ die Produktivität keine hohe Priorität hatte. Pataki hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen.

Wie viel Geld Bellelay bereits 2014 hätte einsparen müssen, lässt sich laut der GEF nur schwer sagen. Auf dasselbe Niveau wie die anderen Kliniken wäre Bellelay wohl nicht gekommen, dafür hätten 4,3 Millionen Franken eingespart werden müssen. «Ein Betrag in der Grössenordnung von 3 Millionen Franken wäre schon realistischer gewesen», so Jeannerat. 30 Vollzeitstellen hätten dafür gestrichen werden müssen – die Hälfte jener Stellen, welche nun wegen der Auslagerung abgebaut werden müssen.

Berner Zeitung

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