Perrenoud will der Psychiatrie Bellelay eine Schonfrist gewähren

Kanton Bern

34,5 Millionen Franken müssen die drei psychiatrischen Kliniken im Kanton Bern einsparen, um ab 2017 finanziell auf eigenen Beinen stehen zu können. In Bellelay sollen aber vorerst Defizite erlaubt sein.

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Sandra Rutschi

Die UPD Waldau und das PZ Münsingen sind auf Kurs, in den Psychiatrischen Diensten Biel-Seeland-Berner Jura (PDBBJ) Bellelay hingegen ist die finanzielle Situation prekär. Das zeigen die Zahlen, welche Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP) gemeinsam mit den Direktoren der drei Betriebe am Freitag den Medien präsentierte.

Bis 2017 müssen die psychiatrischen Kliniken finanziell auf eigenen Beinen stehen, weil sie dann nicht mehr der Kantonsverwaltung angehören. So hat es der Grosse Rat beschlossen.

Wie bereits letztes Jahr angekündigt, müssen die drei Betriebe massiv sparen, um diesen Schritt zu meistern: Bei einem Gesamtaufwand von 254,9 Millionen Franken müssen sie 34,5 Millionen wettmachen. 60 Prozent wollen die Kliniken durch mehr Betten und höhere Tarife ausgleichen. 40 Prozent davon sind Sparmassnahmen, die vor allem das Personal betreffen.

Die einzelnen Kliniken sind unterschiedlich stark betroffen: Während Waldau und Münsingen je 12 Prozent ihres Aufwands reduzieren müssen, warten auf Bellelay Einsparungen von 22 Prozent. In allen Kliniken ist ein Stellenabbau geplant, wobei dieser in Münsingen bereits stattgefunden hat.

Die Massnahmen, die die UPD und das PZM ergreifen müssen, seien «zwar einschneidend, aber verkraftbar, haben sie doch einen guten Teil davon schon umgesetzt», sagte Philippe Perrenoud gestern. Er geht davon aus, dass sie den anstehenden Herausforderungen gewachsen sind.

Erlaubte Defizite für Bellelay

Bei den PDBBJ Bellelay hingegen spricht Perrenoud von einer «Herkulesaufgabe». Damit die nötigen 9,4 Millionen Franken bis 2017 eingespart werden können, wären ein «rascher, massiver Personalabbau oder eine unverzügliche Schliessung von Standorten» nötig.

Konkret müssten 60 Stellen gestrichen werden, was einem Abbau von 20 Prozent entspricht. Allein damit würde der Betrieb 6 Millionen Franken einsparen. Dadurch könnte laut Perrenoud aber die Versorgung der Region nicht mehr gewährleistet werden, die Sicherheit der Patienten würde aufs Spiel gesetzt.

Um das zu verhindern, will der Gesundheitsdirektor den PDBBJ erlauben, auch nach der Ausgliederung für zwei Jahre rote Zahlen schreiben zu dürfen. So sollen die Sparmassnahmen in Etappen durchgeführt werden können: 30 Stellen im 2015, 30 im 2016, davon insgesamt 20 durch natürliche Fluktuationen.

Die anstehenden Defizite wären bei der Kapitalausstattung der Klinik zu berücksichtigen. Welche Möglichkeiten politisch umsetzbar wären, will er nun mit der Gesundheits- und Sozialkommission diskutieren. Im Herbst soll das Ergebnis vorliegen.

Überrascht vom Ausmass

Philippe Perrenoud war bis 2006 Direktor der PDBBJ Bellelay. Er nennt Eigenheiten der Region, die dem Betrieb zusetzen, etwa Zweisprachigkeit und geringe Fallzahlen. Zudem sei die Psychiatrie im Berner Jura lange durch die Jura-Frage blockiert gewesen, und andere Standorte bei Spitälern hätten nicht aufgebaut werden können.

Dennoch: «Die Dimension des nötigen Sparvolumens in Bellelay hat mich überrascht», sagte Perrenoud gestern am Rande der Medienkonferenz. Denn die PDBBJ hätten das Budget bislang immer eingehalten. Er geht davon aus, dass die Sparmassnahmen im stationären Bereich dem Betrieb massiv zugesetzt haben. 35 Betten musste die PDBBJ abbauen. Und die Patienten bleiben auch weniger lang.

Laut Direktor Laslo Pataki ist die kürzere Aufenthaltsdauer der Patienten der Grund für einen Fehlbetrag von 3 Millionen Franken, der auf zwar vereinbarte, aber nicht erbrachte Leistungen zurückgeht. Insider hatten in diesem Zusammenhang von einer laschen Arbeitsmoral in den PDBBJ berichtet. Das sei aber nicht der Fall, beteuert Pataki. Er hat per Ende Jahr seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Berner Zeitung

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