«Bellelay ist nicht wirtschaftlich»

Bellelay

Die psychiatrische Versorgung im Berner Jura steckt in der Krise. SVP-Grossrat Pierre Alain Schnegg, Präsident des Bernjurassischen Rates, ruft die Region dazu auf, zusammenzuarbeiten.

Pierre Alain Schnegg fordert, dass die Psychiatrischen Dienste in der Standortsuche aktiver werden.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Pierre Alain Schnegg fordert, dass die Psychiatrischen Dienste in der Standortsuche aktiver werden.

(Bild: Andreas Blatter)

Herr Schnegg, der Bernjurassische Rat findet, die Region müsse sich punkto psychiatrischer Versorgung zusammenraufen. Was läuft aus Ihrer Sicht schief?
Pierre Alain Schnegg: Die Psychiatrischen Dienste Biel-Seeland- Berner Jura haben offenbar nicht gemerkt, dass sich die Zeiten geändert haben, und Sparmassnahmen zu wenig konsequent umgesetzt. Deshalb stehen sie nun vor grossen finanziellen Problemen.

Was muss geklärt werden?
Wo die Psychiatrie angesiedelt sein soll. Heute ist sie in Bellelay und an neun weiteren, besser erreichbaren Orten verstreut. Das ist nicht wirtschaftlich. In die Standortsuche müssen wir die Spitäler im Berner Jura und in Biel mit einbeziehen, damit die französischsprachigen Patienten diesem einen zentralen Ort zugewiesen werden können.

Wäre es sinnvoll, die Psychiatrie in Biel zu zentralisieren?
Man könnte dies genauso gut im Berner Jura machen. Der Ort müsste aber von Biel aus gut erreichbar sein. Bellelay ist das nicht, und deshalb ist es als Psychiatriestandort nicht geeignet. Die Klinik ist nur deshalb in diesem ehemaligen Kloster, weil es historische Gründe gibt. St-Imier, Tavannes, die Region Péry-Courtelary und Moutier wären als Psychiatriestandort ideal. Es gibt viele Möglichkeiten, aber man müsste aktiver nach Lösungen suchen.

Wer müsste aktiver sein?
Die Psychiatrischen Dienste. Aber mit nur einem halben Managementteam ist das schwierig.

Direktor Laslo Pataki und sein Stellvertreter Christoph Lauber sind noch bis Ende Jahr dort.
Einen solchen Turnaround schafft man nicht mit Leuten, die sich entschieden haben, die Institution zu verlassen. Keine private Firma würde bei einem solchen Projekt noch ein paar Monate mit den alten Direktoren weiterfahren. Das kann nur Probleme schaffen.

Das heisst, es müsste sofort einen Wechsel geben?
Ja. Es ist für mich eine grosse Enttäuschung, dass die Gesundheits- und Fürsorgedirektion mit diesem Team in dieses Projekt gestartet ist. Sie hätte in ihrer Führungsfunktion erkennen müssen, dass dieses Team dazu nicht fähig ist – und dieses bereits vorher ersetzen sollen. Jetzt haben wir ein Jahr verloren.

Somit ist die Gesundheits- und Fürsorgedirektion schuld an der heutigen Situation?
Das ist zu einfach gesagt. Die Psychiatrischen Dienste, die Spitäler und das Kantonsparlament sind mitschuldig, dass es so weit hat kommen können. Wir alle haben zu lange zugewartet. Die Politik hat zum Beispiel acht Jahre über dieses Auslagerungsprojekt geredet. Und verlangt nun, dass es in zwei Jahren umgesetzt wird.

Als Verwaltungsratspräsident der Hôptial du Jura Bernois SA hätten auch Sie aktiv werden können. Weshalb haben Sie nichts unternommen?
Wir gingen seit dem Auslagerungsentscheid von 2013 mehrmals nach Bellelay und boten unsere Hilfe an. Mehr können wir im Moment nicht machen, denn wir können keine Entscheide für eine andere Institution fällen.

In den Spitälern im deutschsprachigen Kantonsteil gibt es schon länger psychiatrische Angebote. Dass die Psychiatrie ausgelagert wird, war absehbar. Weshalb handelten Sie erst 2013?
Wir haben uns wohl zu sehr auf die Somatik konzentriert und waren stark absorbiert mit der Auslagerung der Spitäler in eine Aktiengesellschaft. Für uns hatte dies Priorität. Kommt hinzu, dass der Markt im Berner Jura derart klein ist, dass psychiatrische Abteilungen in Spitälern keinen Sinn machen, so lange es Bellelay gibt. Wir wollen die Klinik nicht konkurrenzieren.

Wäre es für Sie eine Option, die psychiatrische Klinik in einem Ihrer Spitäler anzusiedeln?
Wir schliessen dies nicht aus.

Aber?
Die Jurafrage kostet uns viel Energie. Moutier ist ein wichtiger Spitalstandort, aber die Stadt liebäugelt mit einem Kantonswechsel. Ich bin froh, wenn im Juni 2017 klar ist, wohin Moutier gehören will. Dann können wir endlich frei handeln.

Dann soll die Psychiatrie schon selbstständig sein. Stecken Sie als Spitalgruppe in einem Patt?
Wir sind nicht blockiert, aber wir werden Schwierigkeiten haben, Erneuerungen an unseren Standorten zu rechtfertigen.

Wie liesse sich die Situation entschärfen?
Bellelay wird mehr Zeit oder mehr Geld brauchen. Sonst geht die Institution nach der Auslagerung in Konkurs.

Berner Zeitung

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