«Ausreisser haben immer etwas Gutes»

Horrenbach-Buchen

Martin Lüthi alias Heinrich Gartentor lebt in Horrenbach-Buchen und stört sich überhaupt nicht daran, dass seine Gemeinde so bürgerlich tickt wie kaum eine andere im Kanton.

«Die Leute wissen, dass ich nicht auf der Linie der SVP denke», sagt Heinrich Gartentor.

«Die Leute wissen, dass ich nicht auf der Linie der SVP denke», sagt Heinrich Gartentor.

(Bild: Hans Kopp)

Heinrich Gartentor, wie lebt es sich als Künstler in einer derart von der SVP geprägten Gemeinde wie Horrenbach-Buchen?Heinrich Gartentor:Ich habe damit überhaupt kein Problem, und ich gehe davon aus, dass umgekehrt die Leute hier genauso kein Problem mit mir haben. Sie wissen, dass ich nicht auf der Linie der SVP denke.

Regen Sie sich nie darüber auf, wenn Ihre Gemeinde in der kantonalen Abstimmungsstatistik mal wieder als Extrem der bürgerlichen Meinung auftaucht?Ich glaube nicht, dass Horrenbach-Buchen wesentlich anders tickt als vergleichbare ländlich-bäuerlich geprägte Gebiete. Wenn wir zum Beispiel Teil einer grossen Gemeinde Steffisburg wären, würden wir nicht derart auffallen. Die Stimmen gingen in der Masse unter.

Sie bleiben wirklich cool?Ich sehe die Sache in der Tat entspannt. Ausreisser haben ja immer auch etwas Gutes: Sie drücken eine klare Position aus und regen zum Nachdenken an. Für eine Demokratie ist das sicher nicht schädlich. Ja, mittlerweile warte ich nach jeder nationalen und kantonalen Abstimmung gespannt auf das Resultat aus Horrenbach-Buchen und frage mich, wie krass es diesmal ausgefallen ist. Gleichzeitig freue ich mich darüber, es mit meiner abweichenden Meinung merkbar beeinflusst zu haben. Der Urnengang zum Kredit für die Asylsozialhilfe zeigt exemplarisch, was ich meine. 52 Nein standen gerade mal 3 Ja gegenüber. Eine der 3 Stimmen stammte von mir.

Trotzdem. Ihre Meinung ­verpufft wirkungslos.Auf Gemeindeebene, wo es um Sachfragen geht, ist das ganz und gar nicht der Fall. Ich war letztes Jahr für den Bau einer Wüeribachbrücke aus Holz statt aus Beton, und ich war dieses Jahr für Leitplanken, die die Reust­strasse für den Schulbus sicherer machen. Beide Male hatten wir an der Gemeindeversammlung Erfolg. Gegen den Gemeinderat.

Wieso sind Sie überhaupt nach Horrenbach-Buchen gezogen?Wegen der SVP . . . Nein, ich mache keinen Witz. Der SVP-Grossrat und damalige Gemeindepräsident Samuel Graber bot uns vor acht Jahren die ehemalige Lehrerwohnung zur Miete an. Sie gefiel uns auf Anhieb. Heute schätzen wir an Horrenbach-Buchen vor allem die hervorragende Schule für unsere Kinder. Sie ist das wichtigste Kriterium, das für die Gemeinde spricht. Neben der Miete, die natürlich etwas tiefer ist als andernorts.

Martin Lüthi (52) ist Künstler und arbeitet unter dem Namen Heinrich Gartentor. Er lebt mit seiner Familie in Horrenbach-Buchen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt