Ausländer zieht es in die Zentren

Vor allem kleinere Gemeinden seien noch unsicher bei der Umsetzung des Integrationsgesetzes, sagt Manuel Haas. Der Integrationsdelegierte des Kantons Bern sieht Koordinationsbedarf.

Vlora Fetahi (Mitte) mit Übersetzer Qazim Hajzeraj und Celine Looser beim Einwohnerdienst.

Vlora Fetahi (Mitte) mit Übersetzer Qazim Hajzeraj und Celine Looser beim Einwohnerdienst.

(Bild: Urs Baumann)

Sandra Rutschi

Herr Haas, wie ist aus Ihrer Sicht das neue Integrationsgesetz angelaufen?Manuel Haas: Es gab keine grösseren Probleme, die Umsetzung läuft gut. Anfangs hatten wir etliche Rückfragen aus Gemeinden, die nicht sicher waren, unter welchen Umständen für die Neuzuzüger ein Erstgespräch nötig oder ein Zweitgespräch möglich ist. Es besteht zudem noch ein gewisser Koordinationsbedarf.

Welche Gemeinden sind unsicher? Grosse Gemeinden haben relativ schnell eine gewisse Routine entwickelt, weil sie viele Neuzuzüger haben. In kleineren Gemeinden ist dies sicher weniger der Fall, weil dort selten jemand direkt aus dem Ausland hinzieht. 2012 hätten zum Beispiel in 100 Gemeinden gar keine solchen Erstgespräche stattgefunden. Es ist halt so, dass Ausländer, die hier zu ihren Familien ziehen oder zum Arbeiten kommen, zunächst eher in städtischen Gebieten und Agglomerationen wohnen. Sechs Gemeinden sind sehr gefragt: Fast 50 Prozent der Neuzuzüger im Kanton Bern zogen 2012 nach Bern, Biel, Thun, Köniz, Saanen oder Ostermundigen.

Wie unterstützen Sie die Gemeinden beim Prozedere? Wir haben Schulungen angeboten, die rege besucht wurden. Daneben stellen wir online eine ganze Reihe von Hilfsmitteln zur Verfügung, zum Beispiel einen Leitfaden für die Gespräche. Neu auftauchende Fragen versuchen wir laufend zu klären, und wir stellen den Gemeinden eine Liste mit häufig gestellten Fragen zur Verfügung.

Aus der Stadt Bern und von Ansprechstellen ist zu hören, dass sie mehr Stellenprozente für die Beratung benötigen. Hat man den Aufwand unterschätzt? Nach einem Quartal ist diesbezüglich noch kein Urteil möglich. Wir gingen bei unseren Schätzungen von Zahlen aus dem Jahr 2012 aus. Im Vergleich zu diesem Jahr hat die Anzahl der Neuzuzüger aber leicht zugenommen. Insgesamt gibt es bisher etwas mehr Erstgespräche in den Gemeinden, als wir dachten. Der Anteil der Personen, die an die Ansprechstelle Integration weitergewiesen werden, ist aber kleiner als angenommen. Wir schätzten, dass ein Drittel weitergewiesen wird – nun sind es etwa in der Stadt Bern aber lediglich 25 Prozent. Mich überraschte, dass in den Gemeinden weniger Übersetzer beigezogen wurden als angenommen. Die Neuzuzüger scheinen eigene Begleitpersonen vor Ort zu finden.

Wann werden die Stellen aufgestockt? Wir müssen die ersten Quartalszahlen der Ansprechstellen abwarten. Diese sollten bald vorliegen, und dann sollte eine erste Einschätzung möglich sein. Sicher ist, dass wir nach einem Jahr Bilanz ziehen und dann allenfalls Anpassungen prüfen.

Drei der vier Ansprechstellen, welche die Zweitgespräche durchführen, sind für mehrere Gemeinden zuständig. Bei ihnen ist der administrative Aufwand hoch. Wie kann man dem entgegenwirken? Dadurch, dass bei diesen drei Ansprechstellen mehrere Gemeinden und zum Teil auch mehrere Migrationsdienste involviert sind, wird das Prozedere automatisch komplexer. In der Stadt Bern konnte ein System programmiert werden, um Termine direkt elektronisch zu buchen. Das war aber nur möglich, weil das Kompetenzzentrum Integration alleine für die Stadt Bern zuständig ist und die Stadt eine eigene Migrationsbehörde hat. Bei den anderen Ansprechstellen geht das leider nicht.

Wann kann man sagen, ob die frühe Integration wirkt? Integration zu messen, ist schwierig, weil die Zuzüge variieren und sich nicht mit jenen von vor zwei Jahren vergleichen lassen. Wir wissen auch nicht, was ohne das Gesetz geschehen wäre. Wir haben aber ein systematisches Controlling vorgesehen, um zu überprüfen, ob das Gesetz so wirkt, wie es vorgesehen ist.

Genügt es, Zuzüger früh abzuholen, damit Integration gelingt? Die Integration findet in erster Linie in den normalen Strukturen statt, also etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder in Vereinen. Das Gesetz soll dazu ergänzend als Prävention wirken.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt