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Aufgefallen: Tobias Rentsch

Seit Mitte August ist der 35-jährige Pfarrer Tobias Rentsch mit seinem pensionierten Kollegen Bernhard Jungen unterwegs, auch am letzten Sonntag schenkten die beiden an ihrer mobilen Unfass-Bar Bier und ­andere Erfrischungen aus.

Der Gottesdienst, sei ihm genauso lieb und wichtig, sagt Rentsch. «Der Gottesdienst prägt die Haltung, mit der ich an der Unfass-Bar stehe».
Der Gottesdienst, sei ihm genauso lieb und wichtig, sagt Rentsch. «Der Gottesdienst prägt die Haltung, mit der ich an der Unfass-Bar stehe».
zvg/Roland Juker

Das Interview fordert ihn heraus. Weil er, Tobias Rentsch, 35-jährig und Pfarrer, doch genau das macht, was Isabelle Noth an der reformierten Kirche kritisiert: Im Gespräch mit der BZ lobte die Berner Theologieprofessorin vor Wochenfrist die Kirchenleitung zwar dafür, dass sie sich in Zeiten des Mitgliederschwunds erneuern will.

Gleichzeitig stellte sie aber infrage, dass der feierliche Start in diese «Vision 21» wirklich geglückt ist. Zu sehr sei die Kirche an ihrem Fest vom letzten Sonntag auf den althergebrachten Gottesdienst fixiert gewesen. Und zu wenig offen auf jenes kirchenferne Publikum zugegangen, das sie erreichen möchte.

«Wir suchen die Leute dort auf, wo sie sind», sagt dagegen Tobias Rentsch.Seit Mitte August ist er mit seinem pensionierten Kollegen Bernhard Jungen unterwegs, auch am letzten Sonntag schenkten die beiden an ihrer mobilen Unfass-Bar Bier und ­andere Erfrischungen aus. Allerdings taten sie dies nicht auf dem Berner Bundesplatz, wo die Kirche ihre Vision feierte, sondern am Quartierfest um den Eigerplatz. Weil, Rentsch sagt es nochmals, «wir den Menschen dort begegnen wollen, wo sie sich bewegen».

Bei einem solchen Zusammentreffen lassen die beiden den Dingen freien Lauf.Mal schauen Leute vorbei, weil das umgebaute Dreirad mit Fässern und Zapfhahn ihre Neugier weckt, mal auch nur, weil sie einfach etwas trinken wollen. Oft ergeben sich aber ganz spontan Diskussionen, «die Leute kommen mit ihren Fragen, reagieren auch positiv erstaunt darauf, dass wir Pfarrer sind».

An Gesprächsstoff mangle es nie, sagt Rentsch bestimmt und pflichtet Isabelle Noth nochmals bei: Im Interview zählt sie spontan Themen wie das Verhältnis zum Islam, die Ehe für ­alle oder den Klimawandel auf, Themen also, die die Leute in ihrem Alltag bewegen.

Jetzt aber markiert Tobias Rentsch Distanz. Der Gottesdienst, sagt er, sei ihm genauso lieb und wichtig. Das sonntägliche Feiern gehöre zentral zur Kirche und gebe ihm persönlich auch sehr viel. «Der Gottesdienst prägt die Haltung, mit der ich an der Unfass-Bar stehe». Umgekehrt schöpfe er aus diesem Ort der Begegnungen viele Ideen für seine Predigten. «Gottesdienst und Seelsorge befruchten sich gegenseitig.»

Von der Kirche fühlt sich Tobias Rentsch in seinen Aktivitäten getragen. Sowohl die Leitung in Bern als auch die Gemeinden vor Ort unterstützten ihn, sagt er. Vorerst mit guten Worten, später vielleicht auch finanziell – und dann würde die Unfass-Bar plötzlich vom Hobby zum Brotjob. Freiräume für Projekte wie dieses zu haben, ist ihm generell wichtig. Deshalb hat er bislang auf eine Festanstellung im Pfarramt verzichtet.

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