Der Strafvollzug organisiert sich neu

Derzeit wird das kantonale Amt für Freiheitsentzug und Betreuung reorganisiert. Dabei führt der Kanton unter anderem den risikoorientierten Strafvollzug ein. Und: Ab August heisst die Behörde Amt für Justizvollzug.

Aus dem Amt für Freiheitsentzug und Betreuung wird das Amt für Justizvollzug. Diesem ist auch die Strafanstallt Thorberg angegliedert.

Aus dem Amt für Freiheitsentzug und Betreuung wird das Amt für Justizvollzug. Diesem ist auch die Strafanstallt Thorberg angegliedert.

(Bild: Beat Mathys)

Das Amt für Freiheitsentzug und Betreuung heisst bald Amt für Justizvollzug. Dies teilte die Polizeidirektion am Donnerstag mit. In der neuen Bezeichnung manifestiert sich die umfassende Reorganisation, die derzeit hinter den Kulissen stattfindet. Grund dafür ist laut Polizeidirektion, dass sich die Aufgaben des seit 1993 bestehenden Amtes im Laufe der Zeit stark gewandelt hätten. Etwa indem 1998 die damals den kantonalen Polizeiorganen unterstellten Gefängnisse ins Amt integriert worden seien.

Ein weiterer Grund für die Reorganisation ist die Affäre um den Ex-Thorberg-Direktor Georges Caccivio im Jahr 2014. Eine externe Untersuchung zeigte auch Mängel in der Amtsführung auf. Der damalige Vorsteher Martin Kraemer ging frühzeitig in Pension, seit Mai 2015 führt sein Nachfolger Thomas Freytag das Amt. Laut ihm soll die Reorganisation in «wesentlichen Zügen» im ersten Halbjahr 2017 umgesetzt sein.

Unter anderem geht es bei der Reorganisation darum, die heute von Freytag und seinen Stellvertretern geleiteten Gefängnisse, Jugendheime, Strafvollzugsanstalten, die Abteilungen Bewährungshilfe und Einweisungs­behörde sowie die zentralen Dienste neu in fünf Bereichen zu organisieren.

Risikoabklärungen für Konkordatsmitglieder

Weiter führt das Amt den sogenannten risikoorientierten Strafvollzug ein, wie er seit einigen Jahren in einem Pilotprojekt im Kanton Zürich erprobt wird. «Wir schaffen dafür eine zentrale Abklärungsstelle, welche die Fälle in einem standardisierten Verfahren nach Risiko triagiert», erklärt Freytag. Die verurteilten Straftäter werden dann entsprechend dieser Einschätzung weiterbetreut. Die Risikoabklärung führe das Amt gegen Gebühren auch für die anderen Kantone des Nordwest- und Innerschweizer Strafvollzugskonkordats durch, zu dem auch Bern gehört.

Die Reorganisation soll auch amtsintern die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken. Konkret werde künftig jeder Fall von einem Team mit Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen betreut, sagt Freytag. «Die tragischen Rückfalltaten etwa im Fall ‹Lucie› haben gezeigt, dass es immer wieder Informationslücken gibt, wenn ein Fall von einer Abteilung zur nächsten weitergereicht wird.»

Dass die Reorganisation auch personelle Folgen haben wird, ist absehbar. In einem Vorstoss rechnet SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl (Unterlangenegg) mit einer Aufstockung um 15 Stellen. 5 davon für die neue Hier­archieebene der Bereichsleiter. Laut Krähenbühl sollen die Stellen vom Jugendheim Prêles, das per Ende Jahr geschlossen wird, in die Verwaltung transferiert werden. Er will von der Regierung wissen, weshalb beim herrschenden Spardruck die Stellen nicht gestrichen würden. Amtsvorsteher Freytag will sich mit Verweis auf die hängige Interpellation nicht dazu äussern.

Widerstand der Anstaltsdirektoren

Wie diese Zeitung bereits berichtete, wehren sich die Direktoren der Strafvollzugsanstalten Thorberg, Witzwil, Hindelbank und St.?Johannsen gegen die Reorganisation. Dies, weil sie dadurch in ihren Kompetenzen beschnitten werden. So werden an ihrer Stelle künftig die neuen Bereichsleiter in der Amtsleitung sitzen. Unlängst haben die Anstaltsdirektoren von Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) einen Marschhalt gefordert: Die Reorganisation bringe weder hinsichtlich der Kosten noch der Qualität Verbesserungen. Käser zeigte sich unbeeindruckt und verordnete Amtsvorsteher Freytag und den Anstaltsdirektoren eine Retraite – bis Ende Juni sollen sie sich einigen.

Freytag will sich nicht zu den Differenzen äussern. Bei einer Reorganisation sei immer auszutarieren, wer künftig welche Aufgaben und Kompetenzen habe. «Wir sind aber auf guten Wegen, und ich bin zuversichtlich, dass wir uns in der Retraite finden werden.»

Berner Zeitung

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