Rösti Rückzug: Weg frei für Bisherige

Albert Rösti tritt nicht zum zweiten Wahlgang für die Ständeratswahl im Kanton Bern an. Dies hat die SVP heute bekannt gegeben. Auch die meisten anderen Kandidaten haben ihre Kandidatur zurückgezogen.

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Im Kanton Bern tritt SVP-Nationalrat Albert Rösti nicht zum 2. Wahlgang für die Ständeratswahlen vom 15. November an. Damit ebnet die SVP den Weg für die Wiederwahl der beiden Bisherigen, Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP).

Der Ausgang eines zweiten Wahlgangs wäre ungewiss «und würde erneut auf allen Ebenen Ressourcen binden», teilte die SVP am Dienstag mit. Die Partei will die Kräfte auf die Regierungsersatzwahlen vom 28. Februar 2016 konzentrieren.

Rösti war am Sonntag im ersten Wahlgang auf dem dritten Platz gelandet, mit 8000 Stimmen Rückstand auf den zweitplatzierten Hans Stöckli und gar 15'000 Stimmen Rückstand auf BDP-Mann Werner Luginbühl.

Dieser Abstand wäre ohne bürgerlichen Schulterschluss kaum wettzumachen. Vor vier Jahren hatte SVP-Wahllokomotive Nationalrat Adrian Amstutz im ersten Wahlgang gar den Spitzenplatz belegt und scheiterte trotzdem an der gleichen Konstellation im 2. Wahlgang.

Er wolle «nicht mit dem Kopf durch die Wand», sagte Rösti am Dienstag im Schweizer Radio SRF. Der Nationalrat war am Sonntag glanzvoll in die grosse Kammer wiedergewählt worden.

Mit dem Rückzug Röstis sind die beiden Bisherigen so gut wie gewählt. Nebst dem SVP-Mann bekräftigte wie erwartet die viertplatzierte Grüne Christine Häsler am Dienstag ihren Verzicht und empfahl SP-Mann Stöckli zur Wahl. Die fünftplatzierte FDP-Kandidatin Claudine Esseiva hatte bereits am Montagabend das Handtuch geworfen.

Stille Wahl noch offen

Ob es am 15. November überhaupt zu einem 2. Wahlgang kommt, blieb am Dienstag noch offen. Bis am Donnerstagmittag können sich neue Kandidatinnen und Kandidaten melden. Zum zweiten Wahlgang kann im Kanton Bern antreten, wer von 10 Stimmberechtigten unterstützt wird.

Die bisherigen Kandidierenden mussten bis am Dienstagmittag bei der Staatskanzlei einen allfälligen Rückzug einreichen, um von der Wahlliste gestrichen zu werden.

Davon machten bis um 12.00 Uhr die fünf aussichtsreichsten Herausforderer Gebrauch: Nebst Rösti, Häsler und Esseiva waren dies Jürg Grossen (GLP) und Marianne Streiff-Feller (EVP), die am Sonntag auf dem 6. und 7. Platz gelandet waren.

Am Nachmittag zogen sich schliesslich auch noch die beiden Kandidaten der Piratenpartei zurück, welche die Plätze 8 und 9 belegt hatten. Noch offen blieb, ob die letzten beiden Aussenseiter-Kandidaturen diesem Beispiel noch folgen würden.

Die Staatskanzlei hatte die ursprünglich für 12.00 Uhr angesetzte Rückzugsfrist verlängert. Weil sich die Ausgangslage bei den etablierten Parteien nun geklärt habe, halte man die «Türe noch offen», sagte Stefan Wyler, der Leiter Politische Rechte bei der Staatskanzlei, auf Anfrage.

Auf die Kandidierenden werde aber kein Druck ausgeübt, betonte Wyler. Mit der Verlängerung nütze man den Handlungsspielraum aus, der das Gesetz bietet. Dort ist der Dienstag als Rückzugsfrist angegeben. Bei der Zeitlimite 12.00 Uhr handle es sich um eine «organisatorische Frist».

Sollten sich alle Kandidierenden aus dem 1. Wahlgang zurückziehen und bis am Donnerstag keine neuen Kandidaturen eingereicht werden, kommt es zu einer stillen Wahl.

Bisheriges Duo vor neuer Legislatur

BDP-Ständerat Werner Luginbühl kann im Dezember bereits seine dritte Legislatur als Ständerat in Angriff nehmen. Der 57-jährige Berner Oberländer gilt als unaufgeregter Sachpolitiker. Der Bauernsohn aus Krattigen kann auf eine lange Politkarriere zurückblicken, die er ursprünglich bei der SVP startete.

SP-Ständerat Hans Stöckli sitzt seit 2011 in der kleinen Kammer. Der 63-jährige Bieler gilt als volksverbunden, undogmatisch und wirtschaftsfreundlich. Innerhalb der SP-Bundeshausfraktion politisiert er am rechten Flügel. (mas/sda)

Erstellt: 20.10.2015, 15:43 Uhr

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Albert Rösti

Albert Rösti Der Berner SVP-Nationalrat Albert Rösti wird voraussichtlich als Nachfolger von Toni Brunner das SVP-Präsidium übernehmen.

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